Weinbau Trockenmauern gegen Bürokratiemauer?

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Fünf Kommunen wollen Steillagen erhalten und unterstützen die Sanierung von Trockenmauern finanziell. Doch der Ausbau des interkommunalen Förderprogramms stößt auf Widerstände.

Teure Maßarbeit Foto: factum/Weise
Teure Maßarbeit Foto: factum/Weise

Kreis Ludwigsburg - Ein Eintrag im Grundbuch? „Für einen schwäbischen Wengerter kommt so etwas einer Enteignung gleich“, sagt Albrecht Dautel. Genau das fordere aber die Naturschutzabteilung im Landratsamt bei der Sanierung von Trockenmauern – wenn diese als ökologische Maßnahme gefördert werden soll. Der Bürgermeister der Gemeinde Walheim sieht dadurch die Bemühungen der fünf Weinbaukommunen Besigheim, Ingersheim, Gemmrigheim, Hessigheim und Walheim konterkariert. Die Orte wollen den Erhalt der Trockenmauern voranbringen – und wähnen sich nun einer Mauer der Bürokratie gegenüber.

Hintergrund der Debatte ist das interkommunale Förderprogramm besagter fünf Orte. Sie zahlen einen Zuschuss für Wengerter, die verfallende Trocken­mauern wieder aufbauen. 100 Euro pro Quadratmeter Mauer gibt es. Tatsächlich liegen die Kosten bei rund 600 Euro. Damit das Programm mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Stein, sei mehr Unterstützung nötig. Einerseits durch Stiftungen, wie etwa die Stiftung Umwelt und Naturschutz der Kreissparkasse Ludwigsburg, andererseits durch private Unterstützer. Andererseits erhofft Dautel sich auch einen Schub über ein baurechtliches Novum. Wenn Städte und Gemeinden den Aufbau von Trockenmauern in Weinbergen als ökologische Ausgleichsmaßnahme anerkennen lassen könnte, dann gebe es starke Anreize, den Eigentümern der zusehends verfallenden und verbuschenden Steillagen unter die Arme zu greifen. Allein: bislang beiße man sich damit beim Landratsamt noch die Zähne aus, beklagt der Walheimer Schultes.

Ausgleich ist gesetzlich vorgeschrieben

Laut dem Baugesetzbuch müssen Kommunen, wenn sie Bau- oder Gewerbegebiete ausweisen, für die versiegelte Fläche einen ökologischen Ausgleich schaffen. Bisher läuft das hauptsächlich durch das Pflanzen von Streuobstwiesen oder Wäldchen oder große Maßnahmen wie etwa die Renaturierung des Neckars in den Ludwigsburger Zugwiesen.

Das Problem: besagte Streuobstwiesen werden oft kaum gepflegt, zudem wird die Landwirtschaft gleich doppelt belastet. Einerseits verlieren die Bauern fruchtbare Böden durch die Baugebiete, andererseits fallen wertvolle Flächen für den Ausgleich weg. „Mit unserem Ansatz gäbe es mal eine andere Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun“, sagt Dautel.

Landratsamt verlangt Grundbucheintrag

Allein: mit dem Landratsamt gebe es noch Differenzen. Hauptproblem sei die Tatsache, dass die Behörde besagten Grundbucheintrag fordere. Damit soll abgesichert werden, dass die Trockenmauern dauerhaft gepflegt werden. Nach Dautels Ansicht ist diese Vorschrift das Ende des neuen Förderansatzes.

Zudem gebe es zwei weitere Probleme. Erstens sähen er und seine vier Bürgermeisterkollegen in der Sanierung von Trockenmauern an sich schon eine ökologische Maßnahme. Immerhin gälten die Mauern als Biotope – „also ist das die Erhaltung eines Biotops“, sagt Dautel. Im Landratsamt gebe es daran aber Zweifel. Auch eingestürzte Mauern seien ökologisch wertvoll. Problem Nummer zwei betrifft die Größe. Trockenmauersanierungen können schon jetzt als Ausgleichsmaßnahmen gelten. Wenn sie groß sind, können so über die vom Land eingeführte Flächenagentur Ökopunkte gesammelt werden – so geschehen im Vaihinger Stadtteil Roßwag. „Bei uns geht es in Einzelfällen aber um zehn bis 15 Quadratmeter“, sagt Albrecht Dautel.

Zähe Suche nach Kompromiss

Im Landratsamt Ludwigsburg zeigt man sich bemüht, einen Kompromiss zu finden. „Wir bemühen uns um eine handhabbare Lösung“, sagt der stellvertretende Landrat Utz Remlinger. Seine Behörde könne sich etwa vorstellen, Zuschüsse von bis zu 400 Euro pro Quadratmeter Trockenmauer auf einem Ökokonto anzuerkennen. Allerdings könne das aus praktischen Gründen nur ab einem Mindestumfang von 2000 Quadratmetern umgesetzt werden. Beim Thema Grundbucheintrag „ist uns allerdings noch keine Lösung eingefallen“, räumt Remlinger ein.

Albrecht Dautel kennt die Vorschläge Remlingers offiziell noch nicht. Auf Nachfrage äußert er sich jedoch skeptisch zu den bisher skizzierten Vorschlägen. „Wie das in der Praxis funktionieren soll, ist mir schleierhaft.“ Er sei deshalb gespannt auf den im September geplanten Gesprächstermin mit Vertretern des Landratsamts.