Weindorf in Stuttgart Zu wenig Toiletten-Container sorgen für Unmut

Von Heidemarie A. Hechtel 

Der Obst-Etagenbrunnen ist beim Weindorf ein echter Hingucker, Winzerfrühstück und Maultaschen auf die Hand sind der Renner, nur um die Toilettencontainer gibt es Streit.

Inge Putler  hat  ihre Laube  (Inge’s Rathauslaube) mit einem hübschen Etagenbrunnen voller appetitlicher Früchte dekoriert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Inge Putler hat ihre Laube (Inge’s Rathauslaube) mit einem hübschen Etagenbrunnen voller appetitlicher Früchte dekoriert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Zugegeben: Die Ästhetik eines Toiletten-Containers ist überschaubar. Von hygienischem Weiß soll er sein, reinlich natürlich, olfaktorisch unauffällig und vor allem in nächster Nähe, wenn’s pressiert. Aber bitte nicht direkt vor der eigenen Nase. Ist ja doch irgendwie genierlich, eigentlich voll peinlich. Auf dem Weindorf stehen sieben Anlagen, strategisch gut verteilt: Auf dem Marktplatz, an der Einfahrt zur Tiefgarage Schillerplatz, auf dem Schillerplatz, am Alten Schloss und – so war es geplant – hinter dem Fruchtkasten. Auf städtischem Grund.

Der Container wird umgesetzt

Aber die Planung ging nach drei Tagen gewissermaßen, um im Tenor zu bleiben, in die Hose. Weil der neue Besitzer des Anwesens Fruchtkastens 3 Protest dagegen eingelegt hat, dass die Leute auf dem Weg zum WC-Wagen über die beiden von ihm gemieteten Parkplätze gehen. Außerdem sei es für die Gäste des neuen Lokals Citizen Long unzumutbar, auf einen Toilettencontainer zu gucken. „Er hat sofort mit dem Anwalt gedroht,“ berichtet Bärbel Mohrmann, Geschäftsführerin von Pro Stuttgart. Abgesehen davon, dass der Mann gar nicht auf seinen Parkplatz fahren konnte, weil er keine Sondererlaubnis für die durch Poller gesicherte Einfahrt besaß, beschloss die Stadt: Kein Stress. Der Container wird umgesetzt. Jetzt stehen vor dem Modegeschäft Uli Knecht zwei statt bisher einer.

Aber die Klo-Stationen machen noch mehr Bauchschmerzen. Es ist das altbekannte Problem: Die langen Schlangen vor den Damentoiletten. Vor allem am Wochenende. „Wir trauen uns schon gar nicht mehr, was zu trinken und zu essen“, klagen die Damen. Ja, sollen sie trocken und hungrig auf dem Weindorf sitzen? „Ich würde sofort mehr Container aufstellen, wenn ich die Flächen dafür hätte,“ sagt Bärbel Mohrmann voller Verständnis. Aber der gute Wille allein hilft nicht, darum werde das Problem in den nächsten Tagen mit dem Ordnungsamt der Stadt besprochen. Und nicht einfach runtergespült. Sondern Abhilfe gesucht.

Winzerfrühstück kommt gut an

Aber sonst läuft alles super auf dem Weindorf, versichert Bärbel Mohrmann. Die kühleren Temperaturen erhöhen den Weinkonsum und freuen Wirte wie Besucher. Bei Inge Putler, die ihre Laube (Inge’s Rathauslaube) mit einem hübschen Etagenbrunnen voller appetitlicher Früchte dekoriert hat, feiert der beliebte Piano-Spieler und Unterhalter Haras Fyre sein 25-Jahr-Dienstjubiläum.

Bei Fabrizio Zullo (Laube 42 am Marktplatz) ist das Winzerfrühstück von 11.30 bis 15 Uhr ein Renner: Ein Bauernbrot mit Schinken, Rührei und anderen Leckereien. Josef und Waltraud Stritzelberger, seit einem Jahr Weindorf-Rentner, verwöhnen aber immer noch mit ihrer Maultasche auf die Hand (erhältlich bei der Zaisserei). Und Heiderose Currle steht jeden Morgen um 6 Uhr auf, um den warmen Kartoffelsalat fürs Dreimäderlhaus zuzubereiten.

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