Weinfactum Bad Cannstatt Sonnige Tage und kalte Nächte für guten Wein

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Beim Herbstrundgang haben sich Cannstatter Weingärtner ein Bild vom Reifezustand der Trauben gemacht. Die Hauptlese beginnt kommende Woche, zuerst werden Dornfelder und Schwarzriesling geerntet.

Kellermeister Thomas Zerweck zückt das Refraktometer, um den Zuckergehalt der Traube zu bestimmen. Foto: Annina Baur 11 Bilder
Kellermeister Thomas Zerweck zückt das Refraktometer, um den Zuckergehalt der Traube zu bestimmen. Foto: Annina Baur

Bad Cannstatt - „Es war ein herausforderndes Jahr für die Weingärtner“, bilanziert Marc Nagel, der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende des Weinfactum Bad Cannstatt. Im Frühjahr und Frühsommer habe anhaltender Regen der Wengertern zu schaffen gemacht: „Bei feuchter Witterung besteht immer die Gefahr, dass Blätter und Trauben von Pilzen befallen werden.“ Was in der ersten Jahreshälfte zuviel vom Himmel kam, regnete es in den vergangenen Wochen zu wenig: „Im August und der ersten Septemberhälfte war es sehr trocken.“ Während in einigen anderen deutschen Weinbaugebieten sogar mit Ernteausfällen gerechnet werde, sei es in der Region Stuttgart aber gut gelungen, die Weinberge frei von Pilzbefall und Schädlingen zu halten. Wie genau es um die Trauben bestellt ist, davon haben sich die Mitglieder des Weinfactum beim Herbstrundgang ein Bild gemacht.

Marc Nagel pflückt eine Traube, träufelt etwas Fruchtsaft auf die Glasplatte seines Refraktometers und blickt prüfend durch das Messgerät, mit dem der Zuckergehalt der Früchte bestimmt wird. „94 Grad Oechsle, das ist sehr gut“, urteilt er über den Kerner. Um sicherzugehen, dass dieser Wert stimmt, überprüft er gleich noch eine weitere Frucht.

Technische Hilfe und geschulte Gaumen

Beim traditionellen Rundgang durch die Weinberge achten die Weingärtner nicht nur auf den Zuckergehalt, sondern vertrauen auch ihrem geschulten Gaumen: „Schon beim Pflücken einer Traube erkennt man ihren Reifegrad, je nachdem ob sie sich leicht oder schwer vom Stil löst“, erklärt Kellermeister Thomas Zerweck. „Wenn ich die Frucht dann probiere, achte ich auf die Konsistenz des Fruchtfleischs und natürlich auf den Geschmack.“ Auch Farbe und Geschmack der Traubenkerne kontrolliert der Experte. Bei der Bestimmung des Säuregehalts holen sich die Weingärtner Unterstützung aus dem Labor.

In diesem Jahr sieht es gut aus: „Die Sekttrauben wurden bereits gelesen, nächste Woche beginnen wir mit der Hauptlese“, sagt Zerweck. Dornfelder und Schwarzriesling werden als erstes geerntet, insgesamt rechnet er mit einer Lesezeit von rund fünf Wochen und einem durchschnittlichen Ertrag: „Pro Ar werden wohl 90 bis 100 Liter Wein gewonnen.“ Man sei in diesem Jahr erstmals wieder in einem „normalen Rhythmus“, nachdem im vergangenen Jahr der extrem heiße Sommer für einen deutlich früheren Lesebeginn gesorgt habe. Und wenn sie sich nun noch etwas wünschen dürften, würden sich die Weingärtner genau einen solchen Herbst wünschen, wie er im Bilderbuch steht: „Viel Sonne tagsüber, kalte Nächte und gelegentlich ein kräftiger Regenguss wären ideal“, sagt Marc Nagel.

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