Weingärtner in Möglingen ziehen Bilanz Winzer müssen herbe Rückschläge wegstecken

Pralle Trauben,   für viele Winzer  werden sie 2017 nur ein Wunsch  bleiben. Foto: dpa-Zentralbild
Pralle Trauben, für viele Winzer werden sie 2017 nur ein Wunsch bleiben. Foto: dpa-Zentralbild

Überschwemmungen, Frostnächte im April und eine allgemein schrumpfende Nachfrage: Die Weinbauern der Region müssen viele Konflikte auf einmal lösen. Die Weingärtner-Genossenschaft tüftelt an Sparplänen.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)
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Möglingen - Im vergangenen Herbst sah der Vorstand der Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) noch zuversichtlich ins Jahr 2017, doch dann kamen die drei Frostnächte im April – und mit ihnen verheerende Schädcn in den Weinbergen. Darunter auch „in Lagen der Region Stuttgart, in denen es seit Menschengedenken keine Spätfrostschäden gab“, wie der WZG-Vorsitzende Dieter Weidmann bei der Vorstellung der Bilanz 2016 in Möglingen ergänzte. Für viele Winzer gehe es um die Existenz, die Genossenschaft suche nach Stellen, an denen sie „drastisch sparen“ könne. „Wir können diese Kosten jedenfalls nicht an die Verbraucher weitergeben.“

Qualitätsjahrgang 2016

2016 musste die WZG einen Umsatzrückgang gegenüber 2015 hinnehmen. Er lag bei 87,5 Millionen Euro (im Vorjahr waren es 89,5 Millionen Euro). Wolfgang Ziegelbauer, Vorstand für Verwaltung und Finanzen, sprach von einer Delle. Eine Ursache sei in der kontraproduktiven Preispolitik des Einzelhandels zu finden gewesen, sagte Weidmann. Das sei inzwischen aber korrigiert worden. „Trotz des Umsatzrückgangs ist die Lage stabil“, betonte Ziegelbauer. „Es ist uns gelungen, die Eigenkapitalquote auf 38,6 Prozent zu steigern.“

Auch 2016 hatten Wetterkapriolen den Obst- und Weinbauern zugesetzt. Ziemlich exakt vor einem Jahr waren über der Region unwetterartige Regen niedergegangen. Die schlimmsten Überflutungen hatte es in Braunsbach (Kreis Schwäbisch Hall) gegeben. In Folge der hohen Feuchtigkeit seien viele Weinreben von Pilzen befallen worden. Ein trockener und warmer September konnte dann allerdings viel wieder wettmachen. Und nicht nur das: Die Witterung im Herbst „förderte eine intensive Aromaausbildung“, sagte Weidmann. Sodass man sogar von einem Qualitätsjahrgang sprechen könne.

Ein abschließendes Schadensbild zu den Spätfrostschäden in diesem Jahr gebe es noch nicht, so der Vorsitzende. „Da müssen wir noch zwei bis drei Wochen warten. Nach der Blüte wissen wir mehr.“ Klar sei aber, dass es seit Anfang der achtziger Jahre in Württemberg keine derart schlimmen Spätfrostschäden gegeben habe.

Um neue Kunden zu gewinnen, werde die 2016 erfolgreich verkaufte Projektpalette „Süß und fruchtig“ (die Rebsorten Riesling, Trollinger Rosé und Samtrot) weiter ausgebaut. Seit zwei Jahren gibt es auch drei vegane Weine im Angebot. Es sei schwer, weitere Absatzmärkte zu erschließen, sagte Weidmann. Noch immer werde der Württemberger Wein nördlich der Mainlinie höchstens als Sortimentsergänzung ins Regal gestellt. Echte Zuwächse gebe es nur in den neuen Bundesländern.

Deutsche trinken weniger Alkohol

Spürbar sei außerdem ein insgesamt rückläufiger Alkoholkonsum nicht nur in Deutschland. Nur bei Biermixgetränken gebe es noch ein leichtes Plus, die Generation der in den achtziger und neunziger Jahren Geborenen falle für den Weinkonsum fast ganz aus. Ein Grund sei gewiss das gestiegene Gesundheitsbewusstsein, sagte Weidmann. Auch traditionell große Weinländer wie Frankreich und Italien müssten herbe Einbußen hinnehmen. „Es gibt viel Bewegung bei der Preisentwicklung“, sagt der WZG-Vorsitzende. Der Spielraum sei gering, da letztlich der Lebensmitteleinzelhandel überzeugt werden müsse.

Da sich Preissteigerungen nicht am Markt durchsetzen ließen, müsse die Genossenschaft Sparpläne entwickeln. Alle Prozesse innerhalb der Genossenschaft werden auf den Prüfstand gestellt, die Suche nach Einsparmöglichkeiten sei angelaufen. „Aber wir wollen auch nicht nur jammern“, sagt der WZG-Vorsitzende. „Wir müssen neue Antworten auf die Herausforderungen finden.“




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