Weinkolumne Lesestoff Gut gespült

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StZ-Autor Holger Gayer empfiehlt in seiner Weinkolumne einen 2014er Chardonnay vom Weingut Drautz in Heilbronn. Hier stimmt nicht nur der Inhalt, sondern auch die Verpackung mit seinen Vorstellungen überein.

Weinreben - ökologisch oder konventionell - in der Bewirtschaftung hat beides seine Vor- und Nachteile. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Weinreben - ökologisch oder konventionell - in der Bewirtschaftung hat beides seine Vor- und Nachteile. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Frage nach der Ökologie im Weinbau ist vielfältig zu beantworten. Der eine produziert biologisch und muss deswegen oft noch häufiger spritzen als der andere, der auf konventionelle Weise unterwegs ist und bisweilen ausgewählte Pflanzenschutzmittel einsetzt. Das Weingut Drautz aus Heilbronn, herrlich gelegen am Fuße des Gaffenbergs und nicht zu verwechseln mit Drautz-Hengerer oder Drautz-Able (in Heilbronn heißt offenbar jede zweite Wengerterfamilie Drautz), praktiziert dagegen eine ganz andere Form der Nachhaltigkeit: Die Familie nutzt ausschließlich Mehrwegflaschen, die sie selbst spült. Dieses Prinzip gilt nicht nur für klassischen Literflaschen wie in anderen Betrieben, sondern auch für die Dreiviertellitervariante. Damit nicht genug: Wer sich die Weine frei Haus liefern lässt (die Drautzens fahren jeden zweiten Samstag im Monat nach Stuttgart), der wird sein Leergut bei der Gelegenheit auch gleich wieder los.

Die Weine sind durchweg klassisch württembergisch. Die Roten sind in der Regel maischeerwärmt, weil Mutter Ulrike, Vater Jürgen und Sohn Tobias Drautz die Frucht betonen wollen. Mein Favorit findet sich bei den Weißen: Der 2014er Chardonnay ist sehr schlank, hat trotzdem einen schönen Schmelz, eine leichte Burgundernote und ein sanftes Quittenaroma. Nicht zu süß (3,4 Gramm Restzucker), nicht zu herb (5,2 Gramm Säure) passt er als schwäbisches Schnäppchen (5,10 Euro) wunderbar in jeden Weinkeller.

Das Urteil der StZ-Weinrunde: Kathrin Haasis In der Tat hat dieser Chardonnay das Bukett einer Streuobstwiese mit Apfel- und Quittenbäumen. Das Versprechen kann er dann aber nicht halten: Im Gaumen dominieren heftiger Honiggeschmack und eine süßlich-bittere Note.

Harald Beck Ein Chardonnay mit ziemlich viel Schmelz, da ist tatsächlich geschmacklich einiges dran. Was mich allerdings etwas irritiert, ist die Kombination des leicht süßlichen Honig-Touches mit einem am Ende dominant werdenden Bitterton.

2014er Chardonnay, 5,10 Euro, Weingut Drautz, Heilbronn, Telefon 071 31/17 29 24, www.drautzwein.de

Nächste Woche hat Kathrin Haasis ein Souvenir aus den Sommerferien im Gepäck.