Anzeige

Weinkolumne Lesestoff Marketing

Von  

Mit der zunehmenden Zahl an Weingütern ist bei den Winzern statt Understatement eher Auffallen gefragt, um den eigenen Wein an den Mann und die Frau zu bringen. Das beste Beispiel bietet gerade das Weingut Metzger in der Pfalz.

Legendär sind die Zeiten, als man  nur Trollinger bekam, wenn man  ein paar Flaschen Riesling mitnahm. Foto: dpa
Legendär sind die Zeiten, als man nur Trollinger bekam, wenn man ein paar Flaschen Riesling mitnahm. Foto: dpa

Stuttgart - Der Württemberger verkauft sich schon lange nicht mehr von allein. Legendär sind die Zeiten, als man nur Trollinger bekam, wenn man ein paar Flaschen Riesling mitnahm. Diese Art von Verknappung des Guts können sich höchstens noch renommierte Weingüter leisten. Hans-Peter Wöhrwag pflegte lange eine solche Exklusivität: Er setzte seine Cuvée X nicht auf die Preisliste und bot sie nur ausgewählten Kunden an. Doch mit zunehmender Zahl an Weingütern ist statt Understatement eher Auffallen gefragt. Das beste Beispiel bietet gerade das Weingut Metzger in der Pfalz. Dessen Chef ließ sich mit Messer und Metzgerschürze ablichten, seine Qualitätsstufen nennt er seither Flanke, Pastorenstück und Filet. Ein paar alte Kunden hat er zwar verloren, aber bei der Verleihung des Rotweinpreises in Fellbach erklärte Herr Metzger selbstbewusst: „Der Imagewechsel hat sich gelohnt.“

In Stuttgart gibt es auch einen Freund des forschen Marktauftritts. Allein durch seine orangefarbenen Etiketten hat Klaus-Dieter Warth unter den Württembergern eine Signalwirkung. Auf den Retro-Trend ist der Untertürkheimer Winzer zudem aufgesprungen: So heißt seine günstige Rotwein-Cuvée. Dabei will er nicht die Ewiggestrigen, sondern junge Leute ansprechen. Diese Mischung aus Regent und Trollinger ruft Klaus-Dieter Warth vollmundig zum Szenewein aus. Zu dem offensiven Marketing passt, dass der Tropfen süffig ist. Das lässt sich auch gut verkaufen.

Das Urteil der StZ-Weinrunde: Harald Beck Nicht alles, was sich irgendwann wiederholt, ist gut, das wissen wir zum Beispiel aus der Mode. Für die Wiederauferstehung der 1980er plattgebügelten Süßreservisten in unserer Weinwelt würde ich nicht unbedingt Partys feiern.

Holger Gayer Bezeichnend, dass die Kollegin viel über Marketing schreibt, aber wenig über den Wein. Eigentlich mag ich Warth, aber dieser hier kommt mir zu flach daher. Abgesehen vom schönen Etikett habe ich keinen Grund, ihn zu trinken.

Cuvée Retro trocken 2013, 6,50 Euro, Weingut Warth, 07 11/3 04 05 10, www.warthwein.de, von 23. April bis 3. Mai Tage der offenen Tür