Weinkolumne Lesestoff Minderheit

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Auf einer Jury-Sitzung bei einer Weinbauschule kürt unser Autor nicht nur einen mehrheitsfähigen Trollinger, sondern auch seinen ganz persönlichen Favoriten. Den gibt es sogar in der Literflasche.

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Stuttgart - So eine Jury-Sitzung ist eine ernste Angelegenheit. Man sitzt im hochprofessionell eingerichteten Sensoriklabor der Weinbauschule in Weinsberg, riecht und guckt, schmeckt und schlotzt, notiert seine Eindrücke und guckt nochmal – hälinga auf den Zettel, den der kundige Nachbar vor sich hat, weil man sich ja nicht blamieren will im Kreise der Kollegen. Lauter Experten sind das nämlich. Und ich. Wir testen Trollinger und sollen den besten seiner Art in der Kategorie „Original“ küren. Das gelingt auch. Es gewinnt, in blinder Probe mehrfach verkostet, der trockene Trollinger aus dem Weinpalais Nordheim. Ein verdienter Sieger, fürwahr!

Und doch möchte ich noch ein Minderheitenvotum abgeben, nicht aus fachlicher Sicht, sondern nur aus meiner ureigenen. Mein persönlicher Favorit war der 2014er Trollinger trocken aus dem Hause Drautz-Hengerer in Heilbronn. Der ist so einfach, klassisch und handwerklich solide wie es leider selten geworden ist beim Trollinger. Er hat einen angenehmen Duft nach Beeren und Mandeln, verbreitet seinen Geschmack unaufgeregt im Mund und lässt einen auch nach dem Schlucken spüren, dass man Wein getrunken hat und kein Schorle. Typisch Drautz-Hengerer möchte man rufen, weil die Weine der Kellermeisterin Christina Hengerer-Müller und ihres Gatten Jürgen Müller so sind wie die beiden: geradlinig, ehrlich, gut. Und das alles, in diesem Fall, sogar in der Literflasche. Da lacht das Schwabenherz. Samt Geldbeutel.

Das Urteil der StZ-Weinrunde: Kathrin Haasis: Wie frische Erdbeeren duftet dieser Trollinger – im Anschluss ist er dann dennoch schön leicht und trocken. Ein bisschen gekühlt wäre der Wein für mich das ideale Getränk für heiße Sommer, zumal er in der großen Flasche steckt.

Harald Beck: Na, da könnte fast Neid aufkommen, bei denjenigen, die in der Jury unter anderem die Sparte Trollinger Rosé betreuen durften. Ein schöner Trollinger aus Heilbronn, keine Frage – bei dem Preis ein echtes schwäbisches Schnäppchen.

2014er Trollinger trocken, 5 Euro, Weingut Drautz-Hengerer, Heilbronn, Telefon 0 71 31/17 24 79, www.drautz-hengerer.de