Bei der Württemberger Weinmeisterschaft unserer Zeitung sind die vier Sieger gekürt worden. Erneut hat Stuttgarts einziges VDP-Weingut gewonnen, aber es gibt auch große Überraschungen.
Am Ende strahlende Gesichter überall: bei den vier neuen Weinmeistern, aber auch bei den Leserinnen und Lesern von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Mehr als 200 hatten sich um die wenigen Publikumsplätze im kleinen Studio von Antenne 1 im Pressehaus Stuttgart beworben. „Die hohe Nachfrage unterstreicht den Stellenwert des Wettbewerbs“, sagt Nico Bosch, Projektleiter der Württemberger Weinmeisterschaft. 14 per Losverfahren Ausgewählte haben es geschafft, ganz nah dabei zu sein. Sie sitzen auf dem Podest direkt hinter dem Moderator und Geschäftsführenden Redakteur unserer Zeitung, Holger Gayer, der im Talk mit den frisch gekürten Weinmeistern die Errungenschaften der Württemberger erörtert. Auf Nachfrage kommt von den Studiogästen auch mal höchstes schwäbisches Lob: „Kann man trinken.“
Eine gestaffelte Lese brachte die gute Qualität
Aber die Leserinnen und Leser haben ihre Lieblingsweine ja schon im Vorfeld beim einzigen Publikumspreis in der Weinszene gewählt. Dieter Blankenhorn, Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, wo die Blindproben der Weinmeisterschaft stattfinden, musste leider kurzfristig absagen. Somit hat Heike Poliak-Klein aus der Eventabteilung der Südwest Media Network GmbH die Ehre, die Umschläge mit den Siegern zu öffnen. Und der Gewinner in der Kategorie Weißweine bis zwölf Euro ist … das Weingut Merkle! Mit „einer Rebsorte, die es auch verdient hat“, sagt der Seniorchef Georg Merkle – einem Müller-Thurgau, der wegen zu lieblichen Ausbaus und Abfüllung in Literflaschen einen ziemlichen Imageschaden erlitten hat. In den 90er Jahren hätte er die Weinstöcke am Stromberg beinahe gerodet. „Heute bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe“ – und mindestens die vielen Leserinnen und Leser, die diesen „Müller“ auf Platz eins gewählt haben, ebenso.
Im hochkarätig besetzten Feld bei Weißweinen über zwölf Euro konnte sich einer absetzen – ein Sauvignon blanc aus dem Hause Herzog von Württemberg. Der Betriebsleiter und Kellermeister Joachim Fischer erklärt, wie das erzielt wurde: mit einer gestaffelten Lese, in der die Trauben zu verschiedenen Zeitpunkten aus verschiedenen Bereichen der Ersten Lage Gündelbacher Steinbachhof geerntet wurden. Und mit einem Ausbau im Keller, der den Wein mit 12 Prozent Alkoholvolumen schlank hielt, „aber nicht zu hart und spröde“ machte.
Die Remstalkellerei hat sich auf unter 300 Hektar gesundgeschrumpft
Wie dem herzoglichen Weingut ist es auch der Remstalkellerei überraschend zum zweiten Mal gelungen, einen Weinmeister-Titel zu holen, dieses Jahr als einzige Genossenschaft. „Mit so einem Erfolg kann man noch besser nach vorne blicken“, sagt das Vorstandsmitglied Thomas Wahler. Schließlich ist die Remstalkellerei durch eine Talsohle geschritten, hat sich aber inzwischen von über 700 auf unter 300 Hektar gesundgeschrumpft. Die Ertragsreduzierung bei einzelnen Weinen wie dem Blauen Zweigelt aus der Edition „R“ demonstriert eindrucksvoll die neue Qualitätsoffensive.
In der „Königsdisziplin“ Rotweine über zwölf Euro verstehen sich höchste Ansprüche von selbst. Dennoch sagt Jakob Bittner vom Titelverteidiger Weingut Wöhrwag, dass er nicht mit einem erneuten Sieg gerechnet habe, weil alle Weine dieser Finalrunde herausragend seien, darunter zwei weitere aus Untertürkheim. „Es liegt an der Lage“, erklärt der junge Kellermeister auf Nachfrage von Holger Gayer, und führt sein komplexes Verständnis vom viel bemühten Begriff „Terroir“ aus: ein Zusammenspiel von Bodenbeschaffenheit, Sonnenausrichtung und Mikroklima. Mit der Cuvée Philipp Große Reserve hat das Weingut Wöhrwag nun den vierten Weinmeistertitel und bestätigt seinen Status als einziges Stuttgarter Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).
Solche Auszeichnungen sind wichtig, um die Aufmerksamkeit der Genießer auf regionale Produkte zu lenken. Denn bei aller Freude über die Erfolge wird auch über die Probleme des Weinbaus gesprochen. Joachim Fischer erinnert daran, dass in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Nationen – nur zu 40 Prozent heimische Erzeugnisse getrunken würden. Über die Vielfalt in Württemberg sagt er: „Der Verbraucher hat eine Riesenchance, er muss sie halt nutzen.“
Ein positives Signal setzt aber auch Leon Gold, der mit seinem Muskattrollinger im Frühjahr die Rosé-Meisterschaft gewonnen hat. „Wir können mit der Qualität in der Provence gut mithalten“, sagt er über den wachsenden Markt im Rosé-Bereich, der in seinem Betrieb in Weinstadt-Gundelsbach einen Anteil von 20 Prozent ausmacht – mit einem Verkauf bis hoch nach Sylt. Und noch mehr Potenzial schlummert in Württemberg. „Auf vielfachen Wunsch werden wir bald auch einen Sektmeister küren“, macht Holger Gayer schon einmal Lust auf mehr heimische Gewächse. Die Kandidaten werden rechtzeitig vor dem Fest bekannt gegeben.
Die Weinmeister 2025 zum Verkosten
Siegerweine von Weiß unter zwölf Euro bis Rot über zwölf Euro:
Müller-Thurgau
Ehre, wem Ehre gebührt: Zu seinem 175-Jahr-Jubiläum hat es ein gelbfruchtiger, aber griffiger Müller-Thurgau auf den Thron geschafft. Im Weingut Merkle wächst er auf der Hochebene. Eigene Wildhefen verleihen der Bukettsorte einen individuellen Charakter mit Noten von Birne und Aprikose.
Sauvignon blanc
Die Lagen des Herzogs von Württemberg erstrecken sich über weite Teile des Landes. Dieser Sauvignon blanc stammt von den Südhängen des Gündelbacher Steinbachhofs und ist mit seinen 12 Prozent Alkoholvolumen schlank ausgebaut. Zu seiner mineralischen Frische gesellen sich grüne Paprika und exotische Fruchtnoten.
Blauer Zweigelt
Die österreichische Rebsorte hat dank des Pioniers Jürgen Ellwanger vor 50 Jahren im Remstal eine weitere Heimat gefunden. In der Edition „R“ der Remstalkellerei entsteht daraus ein vollmundiger Wein mit feiner Tanninstruktur und dem kräftigen Aroma von dunklen Beeren und Kräutern.
Lemberger-Merlot
Benannt nach dem ältesten Sohn, vereint die Große Reserve Philipp im Weingut Wöhrwag das Beste aus zwei Welten: die runde Frucht vom Merlot und die charaktervollen Kanten vom Lemberger. Trotz 18 Monaten Reifezeit in Eichenfässern ist dieser 2022er aber immer noch in seiner Jugendphase.
Siegerpaket
Für daheim zum Genießen oder exklusiv zum Verschenken gibt es das auf 100 Stück limitierte Siegerpaket der Württemberger Weinmeisterschaft von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Darin enthalten ist je eine Flasche der besten Weine in den vier Kategorien Weiß und Rot: Müller-Thurgau Wildspontan Hochebene 2024 vom Weingut Merkle; Sauvignon blanc Gündelbacher Steinhof Erste Lage 2024 vom Weingut Herzog von Württemberg; Blauer Zweigelt Edition „R“ 2023 von der Remstalkellerei; Cuvée Philipp Große Reserve 2022 vom Weingut Wöhrwag.
Bezug
Das Siegerpaket ist für 55,90 Euro ab dem 12. Dezember im 711-Shop von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten erhältlich. www.shop711.de/weinmeisterschaft
Sendung
Die Weinprobe mit der Siegerehrung ist ab dem 8. Dezember abrufbar unter https://zeitung-erleben.de/event/weinmeisterschaft-rot-weiss