Die Stuttgarter Genossenschaft Collegium Wirtemberg holt ihren neuen Geschäftsführer aus Sachsen-Anhalt. Philipp Kollmar ist Geschäftsführer des staatlichen Weinguts Kloster Pforta. Ein Rotwein der Naumburger hat den Qualitätstest von Kathrin Haasis bestanden.
Wein aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut ist aus Stuttgarter Sicht sicherlich ein bisschen weit hergeholt. Aber das Collegium Wirtemberg scheut keine noch so große Distanz, um Personal zu rekrutieren: Beim Staatsweingut Kloster Pforta im Bundesland Sachsen-Anhalt wurden die Stuttgarter Genossen fündig. Dessen Geschäftsführer Philipp Kollmar soll in diesem Jahr die Nachfolge des langjährigen Collegiumchefs Martin Kurrle antreten, der überraschend zur Remstalkellerei wechselte. Diese Personalie ist Grund genug, die Weine aus dem Osten der Republik zu probieren!
Kein Kloster mehr und kein Mönche
Ein Kloster ist der Betrieb natürlich längst nicht mehr (und Philipp Kollmar kein Mönch), aber die Zisterzienser haben vor rund 900 Jahren den Weinbau an Saale und Unstrut etabliert. Bis zur Reformation gehörten 260 Hektar zu ihrem Besitz, hinterher wurde das Kloster durch den Herzog Moritz von Sachsen aufgelöst, der einen Teil der Weinberge behielt. Später übernahmen es die Preußen, die dort eine Forschungsanstalt einrichteten, die an der Einführung des Pfropfrebenanbaus beteiligt war. In der DDR wurde daraus 1952 das VEG Weinbau Naumburg, das nach der Wende in staatlichem Besitz mit nun 58 Hektar Rebfläche blieb.
André ist eine auffällige Sorte
Wer das Sortiment in Sachsen-Anhalt studiert, dem wird sofort André auffallen. Die Sorte gibt es ansonsten nur in Tschechien, wo sie aus Blaufränkisch und St. Laurent gekreuzt wurde und den Nachnamen eines Brünner Naturwissenschaftlers erhielt. Nach dem eiskalten Winter 1986/87, in dem fast die Hälfte der Reben erfroren war, beschafften sich die ostdeutschen Winzer den Roten aus Mähren. André, der als Randerscheinung im Weinbau an den Trollinger erinnert, ist für das Kloster Pforta und Philipp Kollmar jedenfalls ein gutes Aushängeschild: Er hat Noten von Brombeere, Kirsche und Cranberry zu bieten, Kräuter und Kaffee, hat Pfeffer und Power. Es handelt sich also um einen kräftigen Roten, was aus diesen Breitengraden erstaunlich ist. Der Kundschaft schmeckt er so gut, dass er aktuell ausgetrunken ist. Aber es gibt einen Sekt (Blanc de Noir) davon und Ende Mai, Anfang Juni wird der neue Jahrgang abgefüllt.
Das Urteil der Weinrunde:
Holger Gayer Ein Referenzwein zum Renommieren ist dieser André zwar nicht, mit seinem Beerenaroma geht er aber als – sehr teurer – Vesperwein durch.
Michael Weier Tatsächlich erinnert der Wein an einen kräftigen Trollinger, mit opulentem Bukett von dunkler Kirsche. Knackige Säure, aber auch Charakter!
Harald Beck Als wir vor vier Jahren dort waren, haben uns die Weinmacher gesagt, Saale-Unstruth sei kein Rotweingebiet. Dafür ist der André ganz anständig.
André trocken, 9,90 Euro (aktuell ausgetrunken, alternativ Sekt Brut 16,90 Euro), Kloster Pforta, Naumburg, www.kloster-pforta.de