Weinprobe im Stuttgarter Pressehaus Von wegen Restverwertung und Ladenhüter!

Moderator Holger Gayer mit Tobias Wigger, Jürgen Off, Saskia Wörthwein und Dirk Wöllhaf (von links) Foto: Lg/Iannone
Moderator Holger Gayer mit Tobias Wigger, Jürgen Off, Saskia Wörthwein und Dirk Wöllhaf (von links) Foto: Lg/Iannone

In der letzten Online-Weinprobe im Pressehaus vor der Sommerpause mit der Weinmanufaktur Untertürkheim zu Gast wird mit alten Vorurteilen aufgeräumt. Zum Beispiel wissen Württemberger inzwischen auch Cuvées zu schätzen.

Lokales: Matthias Ring (mri)
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Stuttgart - Ja, das Wetter. Man muss halt damit leben, besonders, wenn man „eine Werkstatt im Freien“ hat, wie Jürgen Off, Kellermeister der Weinmanufaktur Untertürkheim, sagt. Mit den Wetterextremen, die der Klimawandel mit sich bringt, wachsen die Probleme: späte Frostnächte, die dem immer früheren Austrieb der Reben schaden, sowie „die Sorge, dass in fünf Minuten alles kaputt ist“. Trotz der Kritik von Jörg Kachelmann an der Sinnhaftigkeit von Hagelfliegern ist Off erleichtert, dass es sie gibt.

Auch die Sommerausgabe der Online-Weinprobe im Pressehaus, geplant als Grillabend, musste wegen des wechselhaften Wetters nach drinnen verlegt werden. Die Stimmung war aber keineswegs getrübt. Holger Gayer, Weinkolumnist und Chef vom Dienst unserer Zeitung, führte durch einen so unterhaltsamen wie genussreichen Abend, wie immer filmisch begleitet von Ingo Dalcomo. Und Dirk Wöllhaf, Küchenchef von Aramark im Stuttgarter Pressehaus, konnte dennoch zeigen, was sich mit den Produkten aus dem Frischeparadies Schönes anstellen lässt – und welche Weine dazu passen.

Der Kellermeister ist ein „Roter Riese“

Im Prinzip alle aus der Weinmanufaktur vorgestellten Weine, wie im Verlauf des Abends zu hören ist. Angefangen beim Grauburgunder (Gayer: „Eine gute Gosch voll Wein mit Schmelz und Körper und auch noch einem süßen Schwänzle“) über den Allrounder Rosé bis hin zum in Barriquefässern gereiften Lemberger. Kein Wunder: Jürgen Off ist ein „Roter Riese“, als einziger Kellermeister einer Genossenschaft mit dem Preis des Fachblatts „Vinum“ geehrt, vergleichbar mit einem Oscar fürs Lebenswerk. Bei aller Kraft und allem Volumen achte er „auf Frische und Eleganz, die Lust auf den nächsten Schluck macht“. Gayer ist auch von der Verpackung begeistert: eine schwere Flasche mit Bauch und Prägung, die ihn an Vertreter aus Gigondas und Châteauneuf-du-Pape erinnert.

Die Qualität aus Stuttgart ist nicht überall bekannt

Tobias Wigger, aus dem hohen Norden kommender Verkaufsleiter der Weinmanufaktur, war bei seinem ersten Besuch vor zwölf Jahren überrascht: „Viele haben gar nicht auf dem Schirm, was für guter Stoff aus Stuttgart kommt.“ Gayers Bemerkung, dass Cuvées außer der Kombination Trollinger-Lemberger in Württemberg lange als „Resteverwertung“ galten, kontert die Geschäftsführerin Saskia Wörthwein mit einer „Sinfonie aus sich ergänzenden Rebsorten“. Auf die Frage, ob der Kerner in der weißen Mönch-Berthold-Cuvée drinnen sei, damit man den „Ladenhüter“ loswerde, erwidert Off, dass diese Rebsorte mit ihrem schönen Bukett viel besser als ihr Ruf sei.

Mit viel Wissenswertem zur Weinmanufaktur mit ihren gut 95 Hektar Anbaufläche und Grundsätzlichem zur Trinkkultur („Vergessen Sie beim Rotwein die Zimmertemperatur!“ „Achten Sie beim Sektglas auf den Moussierpunkt!“) geht die von Projektleiter Nico Bosch organisierte Online-Weinprobe von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten in die Sommerpause. Im Herbst warten neue Höhepunkte – die Württemberger Weinmeisterschaft mit Zuschauervoting!




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