Zumindest wenn die Witterung es verlangt, darf von Februar bis April auf der Strecke zwischen Weinstadt-Baach und Baltmannsweiler nicht gefahren werden.
Eine flexible und zugleich verkehrsschonende Lösung zum Schutz wandernder Amphibien präsentieren die Landratsämter Esslingen und Rems‑Murr jetzt der Öffentlichkeit: Die K 1862/1210 zwischen Weinstadt-Baach und Baltmannsweiler kann während der Amphibienwanderzeit zwischen Februar und April nachts gesperrt werden – im Zeitfenster von 18 bis 5 Uhr.
Dies ist allerdings nur dann möglich und sinnvoll, wenn die Witterung tatsächlich Amphibienwanderungen erwarten lässt. Erstmals könnte die Maßnahme an diesem Montagabend, 23. Februar, umgesetzt werden. Ob die Kreisstraße dann oder in den folgenden Nächten tatsächlich gesperrt ist, zeigen die LED-Vorwarntafeln vor Ort an.
Sperrung erstmals an diesem Montagabend möglich
Frösche, Kröten und Molche wandern jedes Frühjahr abends und nachts aus ihren Winterquartieren zu den Laichgewässern. Der betroffene Straßenabschnitt liegt in einem stark frequentierten Wanderkorridor, in dem es regelmäßig zu hohen Verlusten durch den Straßenverkehr kommt. Mehrere vorkommende Arten – darunter Erdkröten, Grasfrösche und der seltene Fadenmolch – sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders beziehungsweise streng geschützt.
Wichtig: Die Straße ist nicht jede Nacht gesperrt. Die Sperrung wird nur aktiv, wenn typische Wanderbedingungen vorliegen, insbesondere:
- feuchte Witterung (z. B. Regen oder feuchte Fahrbahn)
- milde Temperaturen von mindestens etwa 5 Grad Celsius am Abend beziehungsweise in der Nacht.
Sind diese Bedingungen nicht gegeben, etwa in trockenen, kalten Nächten, bleibt die Straße auch nachts geöffnet. Die Entscheidung über Öffnung oder Schließung trifft das Amt für Umweltschutz als Untere Naturschutzbehörde. Die Abwägung erfolgt – abhängig von der Wetterprognose – in der Regel mit einem Vorlauf von drei bis fünf Tagen.
Damit die Regelung für alle nachvollziehbar und planbar ist und ob es tatsächlich eine Sperrung gibt, werden in Baltmannsweiler und Weinstadt-Schnait LED-Tafeln mit Informationen aufgestellt. Für Notfälle bleibt die Strecke für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste weiterhin nutzbar.
Krötentunnel wären zu teuer
Geprüft wurden auch alternative Lösungen. Doch bauliche Querungshilfen, etwa Amphibientunnel, wären aufgrund von Topografie und Geologie sehr aufwendig und kostenintensiv. Zudem können sich Wanderrouten im Laufe der Jahre verlagern – feste Bauwerke wären daher nicht dauerhaft wirksam.
Mobile Schutzzäune mit Einsammelmöglichkeiten der Amphibien scheitern an den schmalen Banketten, der kurvigen Straße, fehlenden Helfern für die tägliche Betreuung sowie dem Sicherheitsrisiko für Ehrenamtliche. Eine bereits erprobte Temporeduzierung (30 km/h) hat keinen ausreichenden Schutz bewirkt.