Weinstadt Cabrio wird kein Integrationsbad

Von Luitgard Schaber 

Einstimmig hat der Gemeinderat den Bürgerantrag der Initiative Kult(ur) Freibad in Weinstadt abgeschmettert. Diese wollte aus einem ehemaligen Mineralbad eine Integrationszentrum machen.

Mit der Reaktivierung des Cabriobads wollte die Bürgerinitiative einen Anziehungspunkt für gemeinsame Freizeitaktivitäten von  Einheimischen und Flüchtlingen schaffen. Foto: dapd
Mit der Reaktivierung des Cabriobads wollte die Bürgerinitiative einen Anziehungspunkt für gemeinsame Freizeitaktivitäten von Einheimischen und Flüchtlingen schaffen. Foto: dapd

Weinstadt - Wir haben es versucht, haben versucht, uns einzubringen“, hat Silke Schwarz von der Initiative Kult(ur) Freibad für Weinstadt am Donnerstagabend in resigniertem Ton gesagt – wohl vorausahnend, dass der Bürgerantrag ihrer Initiative von den Gemeinderäten in der nachfolgenden Abstimmung abgeschmettert werden würde. Und so kam es dann auch: Einstimmig lehnten es die Gremiumsmitglieder ab, den Beschluss, das ehemalige Cabrio-Bad abzureißen, aufzuschieben und stattdessen in eine Planung einzusteigen, wie das Gebäude als Integrationszentrum reaktiviert werden könnte.

Mehr als 1000 Stimmen gesammelt

1043 Stimmen von Mitbürgern hat die zehnköpfige Kulturbad-Initiative seit den Sommerferien für dieses Ziel gesammelt. Den Anstoß hatte die Gemeinderatsentscheidung gegeben, dass die Stadt die frühere Liegewiese des Bades an den Landkreis zur Erstunterbringung von Flüchtlingen verpachtet. Der Kerngedanke: man wollte einen Ort für Aktivitäten von Einheimischen und Asylbewerbern schaffen, um die räumliche Trennung aufzulösen, welche durch den Standort der Unterkunft auf dem von Bäumen und Sträuchern abgeschirmten Gelände entsteht.

Dabei hat die Bürgerinitiative nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie zwar auch für andere Nutzungsalternativen offen ist, aber am liebsten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und der Stadt wieder zu einem Mineralbad verhelfen würde. Das Cabrio war im Jahr 2009 wegen maroder Bausubstanz geschlossen worden. Ein geplanter Badneubau war durch einen Bürgerentscheid verhindert worden.

Oberbürgermeister lobt Offenheit für Alternativen

Darauf beriefen sich nun der Oberbürgermeister Jürgen Oswald und die Fraktionsvorsitzenden in ihren Stellungnahmen, ebenso auf die prekäre Haushaltslage und die zunehmende Verschuldung in den nächsten Jahren, allein schon um den Pflichtaufgaben zu erfüllen. Gleichwohl erkannten sie dass Engagement von Kult(ur) Freibad für Weinstadt an. „Was ich gut finde ist, dass Sie sich Gedanken gemacht haben. Das ist Energie, die man aufnehmen muss und umleiten“, sagte Oswald, der vor allem die Offenheit der Initiative für alternative Nutzungen begrüßte und versprach: „Wir werden Sie in den Prozess mit einbeziehen.“ Ob ihm und dem Gemeinderat dies indes gelingen wird, ist eher fraglich.

„Ich sehe da keine ausgestreckte Hand“, sagte Silke Schwarz. Dass das Geld knapp und ein solches Projekt nicht von jetzt auf gleich zu realisieren sei, das sei ihr auch klar. Doch erkenne sie keinerlei Bereitschaft des Gemeinderats über Alternativen und Finanzierungsmöglichkeiten zu sprechen. Ob und wie die Initiative nun weiter mache, sei offen, darüber habe man sich intern noch nicht abgestimmt. „Aber für mich persönlich ist Ende Gelände.“ Eventuell werde die Gruppe das Thema im Frühjahr nochmals aufgreifen. „Vielleicht haben wir Glück, dass mit einem neuen Oberbürgermeister wieder mehr Schwung in den Gemeinderat kommt“, sagt Schwarz im Hinblick auf die anstehende OB-Wahl.