Weinstadt Der Grandseigneur des Brandschutzes

Karl Idler in Ausgehuniform Foto: Stoppel
Karl Idler in Ausgehuniform Foto: Stoppel

Der 81-jährige Karl Idler aus Weinstadt-Großheppach hat nach sechs Jahrzehnten bei der Feuerwehr jetzt sein letztes Amt aufgegeben. Bei der Jahresversammlung des Kreisverbands haben ihm die Floriansjünger stehende Ovationen dargebracht.

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Weinstadt - Einer wie Karl Idler muss kein Duplikat fürchten, eine gewisse Einmaligkeit kann man ihm jedenfalls nicht absprechen. Sein Ranking als Unikat –manchmal gebärdete er sich auch als Unikum – hat mit der Bekämpfung des Roten Hahns zu tun, also mit dem Feuerlöschwesen, dem er sich über Jahrzehnte hinweg mit Feuer und Flamme verschrieben hat. 60 Jahre lang hat er sich in vielerlei Positionen um den Brandschutz an Rems und Murr gekümmert. Dies mit Fachwissen, Schwertgosch und Schlitzohrigkeit.

Jetzt hat sich Karl Idler, dieser fast schon legendäre Hansdampf an der Flammenfront, aus seinem letzten Amt verabschiedet. Der mittlerweile 81-Jährige, immer noch rank und schlank und sehr gesprächig, hat als Obmann der Feuerwehrveteranen ade gesagt. Bei der Jahresversammlung des Kreisverbands jüngst in Oppenweiler haben ihm die versammelten Floriansjünger stehende Ovationen dargebracht.

Beim Beifall seiner Löschbrüder wurde es dem Altstar aus Großheppach ganz warm ums Herz, ja es verschlug ihm für ein paar Augenblicke die Sprache – ausgerechnet ihm, der doch immer noch bekannt ist für ein ziemlich lockeres Mundwerk, von nicht wenigen auch als Schwertgosch eingestuft. Vielleicht sind während des sprachlosen Moments seine langjährigen Brandschutzaktivitäten wie die Feuerwehr an seinem innerem Auge vorbeigerauscht, und wenn es denn so war, dann hat ihn der Film sicherlich mit Stolz erfüllt. In Oppenweiler, da haben sie ihm denn auch flugs den inoffiziellen Ehrentitel Grandseigneur der Feuerwehr verliehen.

Zur Gilde der Floriansjünger kam Idler wie die Jungfrau zum Kinde. Als er 1953 für kurze Zeit ein Krankenhaus in Stuttgart aufsuchen musste, da traf er einen Mann der Stuttgarter Berufsfeuerwehr, der Idler heftig ermunterte, seiner Löschtruppe beizutreten. „Baufachleute wie dich können wir gut brauchen“, umschmeichelte der Profi-Brandbekämpfer seinen Zimmergenossen, der damals als Maurer arbeitete. Idler fing Feuer, heuerte bei den Stuttgartern an – und als Mitte der 1960er Jahre der Posten des Waiblinger Kreisbrandmeisters frei wurde, da fackelte er nicht lange und bewarb sich mit Erfolg.

Mit vielen Ehrenzeichen und Orden gewürdigt

In vielerlei Positionen hat sich der Wirbelwind für seine Floriansjünger eingesetzt, auf Bundes-, Landes- und Kreisebene. Unter anderem engagierte er sich im Bundesausschuss zur Normierung der Feuerwehrausrüstung. Im Waiblinger Landratsamt übernahm er das Referat Brandschutz. Als die Zeit der Wende anbrach, marschierte er mit seinen Männern im sächsischen Meißen ein, wo er Hebammendienste beim Aufbau einer funktionierenden Feuerbrigade leistete. Mit vielen Ehrenzeichen und Orden ist Idler in all den Jahren seines Wirkens behängt worden, das Bundesverdienstkreuz trägt er gut sichtbar an seiner dunkelblauen Feuerwehrjacke.

Nicht selten hatte Karl Idler prominente Gäste. Besonders Politiker legten Wert darauf, von ihm eingeladen zu werden. Die Herrschaften konnten sich freilich nie sicher sein, ungeschoren davonzukommen. Hatte Idler nämlich den Verdacht, dass sich die Herrschaften zu wenig für die Feuerwehren engagierten, bekamen sie das auch zu spüren. „Man muss, wenn’s nötig ist, seine Gosch aufmachen.“ Wobei Idler aber meist eine spitzbübische Miene aufsetzte, damit die Getadelten erst gar nicht auf die Idee kamen, beleidigt zu sein.

Der spektakulärste Fall ist eine brennende Rakete gewesen

Ganz in seinem Element war Idler immer dort, wo es wirklich heiß herging, an der Flammenfront. Wie oft er bei Brandeinsätzen das Kommando führte, hat er nicht gezählt. Mit einem ganz spektakulären Fall sah er sich 1981 konfrontiert, als bei Sechselberg auf der Fahrt ins Manöver eine amerikanische Pershing-Rakete in Brand geriet. Da machte der selbstbewusste Idler, gestählt in so manch feuriger Abwehrschlacht, die schlimmste Erfahrung seiner langjährigen Löschkarriere: die Amis ließen ihn, den Oberkommandierenden der Rems-Murr-Wehren, partout nicht spritzen. Das empfand Idler als Schmach. Noch lange nagte diese Zurückweisung in ihm, zu gerne hätte er eine Rakete in der Sammlung seiner Brandobjekte gehabt.

Dafür war er an anderer Stelle erfolgreich. Dank seiner Umtriebigkeit schaffte es Idler, Geschäftsführer beim einstigen Remstal-Presseclub zu werden. Die Nähe zur schreibenden Zunft war ihm nicht unwichtig. Bei einer Fahrt nach Berlin durfte man auch eine Pressekonferenz mit dem damaligen Kanzler Schmidt besuchen, und in der freien Fragerunde streckte Idler ganz plötzlich als Erster und fragte: ,,Herr Bundeskanzler, was halten Sie von den Feuerwehren der Bundesrepublik Deutschland?“ Nach Idlers Erinnerung sagte Schmidt „sehr gut, nächste Frage“. Im nächsten Augenblick sah er sich von zwei Saaldienern in die Mitte genommen, die ihn höflich, aber bestimmt aus dem Saal komplimentierten. Das war beileibe nicht sein einziger Schelmenstreich, manch anderer schlitzohriger Auftritt folgte.

Auch wenn er nun kein Amt mehr inne hat, sein Interesse am Feuerlöschwesen werde niemals erlöschen, sagt Idler. „So lange mein Herz schlägt, schlägt es für die Feuerwehr“, lautet sein Treuebekenntnis.




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