Weinstadt hat eine zertifizierte Knopfmacherin Eine Künstlerin mit Nadel und Faden

Von Annette Clauß 

Stricken, Nähen, Häkeln – Kunsthandwerk ist Entspannung pur für Gudrun Merz-Lenz. Seit kurzem hat die Weinstädterin eine neue Leidenschaft: Knöpfe! Wie man die kleinen Schönheiten herstellt, zeigt die 54-Jährige in Workshops.

Die Knopfmacherin braucht geschickte Finger, Geduld und Übung. Foto: Gottfried Stoppel
Die Knopfmacherin braucht geschickte Finger, Geduld und Übung. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt - Nadeln und Fäden sind schon immer ihr Ding gewesen: Gudrun Merz-Lenz hat bereits als Kind gerne gestrickt, am liebsten die komplizierten Muster. Auch Häkeln war ihr Ding, später hat sie mit dem Spinnen und dem Patchworken begonnen. „Kunsthandwerk ist meine Leidenschaft“, sagt die 54-Jährige, die in Weinstadt-Schnait eine Kreativwerkstatt betreibt. Doch vor einem knappen Jahr hat sie etwas ganz Neues entdeckt, das sich mit Nadeln und bunten Fäden herstellen lässt: Knöpfe!

Auf den ersten Workshop im Frühjahr vergangenen Jahres folgte schnell ein zweiter. „Ich habe viele Bücher gelesen und mir den Rest selbst beigebracht.“ Im Sommer fasste Gudrun Merz-Lenz dann ziemlich spontan den Entschluss, im September zur Knopfmacher-Prüfung anzutreten. „Ich habe den ganzen August über Knöpfe gemacht“, erzählt Gudrun Merz-Lenz. Denn zur Prüfung wird nur zugelassen, wer 99 Exemplare aus eigener Herstellung vorweisen kann.

99 Knöpfe als Prüfungszulassung

„Während einer dreistündigen Theorieprüfung werden vor Ort in Krumbach die Begrifflichkeiten abgefragt und dann muss man drei Knöpfe nach Vorgaben machen“, erzählt Gudrun Merz-Lenz über den Weg zum Zertifikat. Währenddessen arbeiten ihre Hände fleißig vor sich hin: Die rechte hält eine Nadel mit knallrotem Faden, die linke einen Metallring, der sich als Unterlegscheibe aus dem Baumarkt entpuppt und als Basis für den Knopf dient. Um den Ring legt und wickelt Merz-Lenz kreuz und quer buntes Häkelgarn, arbeitet mal von innen nach außen, mal von außen nach innen.

„Man darf die Fäden nicht zu stark spannen, sonst verbiegt sich der Ring. Zu wenig Spannung ist auch schlecht, da verrutscht womöglich der Faden“, erklärt die Knopfmacherin, die wohl auch dank ihres ersten Berufs – sie hat Blockflöte studiert und unterrichtet – über die nötige Fingerfertigkeit verfügt. Das richtige Maß an Spannung zu finden sei gar nicht so leicht: „Man braucht anfangs schon viel Geduld.“ Ihr Erfolgsrezept? „Üben, üben, üben“, sagt Gudrun Merz-Lenz, die mittlerweile unzählige Muster drauf hat, und weiß, wie man Schwelmer Knöpfe und Dorset Buttons, Augsburger und Ottobeurer Knöpfe anfertigt – und was sie unterscheidet.

Ein feines Gespinst aus bunten Fäden

Während die Knopfmacherin erzählt, arbeitet sie weiter an ihrem Zwirnknopf. Nach und nach bildet sich um den Metallring ein feines Gespinst aus bunten Fäden. Zwischen Gudrun Merz-Lenz’ Fingern entstehen so mal Wagenräder mal Sterne, Vierecke und Dreiecke, Strahlenblüten oder Muster, die wie Augen oder Tortenstücke aussehen. „Der Ideenreichtum ist unglaublich, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt sie: „Es gibt glaube ich nichts, was es nicht gibt.“

„Zwirnknöpfe sind sehr belastbar, man kann sie wirklich zum Knöpfen verwenden und problemlos waschen. Sie sind so gut gewickelt, dass nichts runterrutscht“, versichert Gudrun Merz-Lenz. Empfindlicher sind da die Knöpfe, deren Basis meist Holzscheiben mit einem kleinen Loch in der Mitte sind. Sie werden häufig mit Seiden- oder Effektgarn umkleidet – dabei wird gewickelt, gewebt und gestickt oder kleine Perlen eingearbeitet.

Wegen der feinen Garne und weil der Holzrohling beim Kontakt mit Wasser aufquellen kann, nutzt man solche Posamentenknöpfe eher zur Zierde oder an Kleidungsstücken wie Mänteln, die meist ohnehin nicht gewaschen werden. Außerdem lassen sich die edlen Knöpfe zu Broschen, Ringen und Halsketten verarbeiten. „Knopfmachen wird nie langweilig“, schwärmt Gudrun Merz-Lenz, die dieses Kunsthandwerk inzwischen allen anderen vorzieht – und nun vor allem aus einem Grund strickt und näht: um später ihre selbst kreierten Knöpfe unterzubringen.

Knopfmachen ist „Entspannung pur“

Knöpfe zu machen, das sei für sie „Entspannung pur“, sagt die 54-Jährige. Sie schätzt am Knopfmachen auch, dass man keine teure Ausrüstung benötigt. Stumpfe und spitze Nadeln, Garne, eine Schere und Rohlinge – mehr braucht es für den Anfang nicht. „Alles, was ich benötige, kann ich in eine kleine Schachtel packen und überall hin mitnehmen, zum Beispiel in den Garten“, sagt Gudrun Merz-Lenz.

Naturverbunden ist Gudrun Merz-Lenz nämlich auch. Was sie auf eine neue Idee gebracht hat: den nachhaltigen Knopf. „Ich plane, selbst gesponnene Wolle und Holzrohlinge zu verarbeiten. Mein Ziel sind Knöpfe, die man irgendwann einfach auf den Kompost werfen kann.“

Mehr über die runde Sache

Beruf:
Das Handwerk des Knopfmachers entstand im späten Mittelalter. Knöpfe gab es zwar schon früher, sie dienten aber eher als Zierelement denn als Verschluss für Kleidung. Mit der Erfindung des Knopflochs begann dann die Erfolgsgeschichte des Knopfes.

Workshops:
Gudrun Merz-Lenz hat ihr Knopfmacher-Zertifikat bei der Trachtenkulturberatungsstelle Schwaben abgelegt. In ihrem Online-Shop und auf Märkten verkauft sie ihre Knöpfe und fertigt auf Wunsch Knöpfe passend zu Kleidungsstücken an. In ihrem Atelier in Weinstadt-Schnait bietet sie Workshops für Anfänger und Fortgeschrittene. Auch auf Facebook sind ihre Knöpfe zu finden.