Weinstadt Jazztage Beim Lindy-Hop-Kurs bewegen sich die Körper im mitreißenden Swing-Rhythmus

Tanzlehrer Franky Doo zeigt den Kursteilnehmern, worauf es beim Lindy Hop ankommt. Foto: Gottfried Stoppel

Am Wochenende beginnen die Weinstadt Jazztage. Bei einem Lindy-Hop-Intensivkurs im Stiftskeller konnten sich die Teilnehmenden schon einmal darauf einswingen.

„5 – 6 – 5, 6, 7, 8 und Rock-Step – Tripel-Step, Tripel-Step, Tripel-Step“, zählt Franky Doo eins ums andere Mal den Takt für die Teilnehmer des Lindy-Hop-Intensivkurses ein, den er gemeinsam mit seiner Tanzpartnerin Liza November gibt. Immer wieder führen die Tanzlehrer vom Verein SwingKultur Stuttgart ihnen die schnellen Schrittkombinationen vor. Die Blicke der rund 40 Frauen und Männer, die im Oval um sie stehen, sind dabei an die Füße der beiden Swingtanzexperten geheftet, während sie versuchen sich die Schrittfolgen einzuprägen und nachzumachen.

 

Dass ihnen das nicht immer auf Anhieb gelingt, nehmen sie mit Humor. Über eigene Fehler wird gelacht und gutgelaunt ein weitere Anlauf genommen. Statt ernster Tanzschulatmosphäre herrscht Heiterkeit im Stiftskeller in Weinstadt-Beutelsbach (Rems-Murr-Kreis) – was auch am komödiantischen Talent der beiden Lehrer liegt. So sorgt Franky Doo etwa für Lacher, wenn er die Schrittfolge nicht nur in Slow Motion vortanzt sondern dazu auch ebenso langsam spricht. Ein Gutteil der lockeren Stimmung ist sicherlich auch schon allein der Swingmusik geschuldet mit ihren beschwingenden und mitreißenden Rhythmen.

„Sobald es losgeht, fangen die Gesichter an zu strahlen“

„Lindy Hop ist ein Tanz, bei dem man sich schnell amüsiert, der aber schon auch körperlich anstrengend ist“, erklärt Franky Doo in einer Pause am Rande des Kurses. Neben einer guten Sportlichkeit erfordere er als improvisierter Tanz zudem viel Selbstwahrnehmung und körperliche Kommunikation. Dabei sei Lindy Hop nur einer aus der Riesenfamilie an Swing-Tänzen, denen eines gemeinsam sei, ergänzt Tobias Bergmann: „Sobald es losgeht, fangen die Gesichter an zu strahlen.“ Gemeinsam mit seiner Frau Ursula Vollmer tanzt er seit 17 Jahren bei SwingKultur Stuttgart. Mindestens ebenso lange ist das Paar im Jazzclub Armer Konrad, kurz Jak.

„Lindy Hop ist ein Tanz, bei dem man sich schnell amüsiert, der aber schon auch körperlich anstrengend ist“, erklärt Franky Doo. Foto: Gottfried Stoppel

Seit vorigem Jahr verbinden sie ihre Hobbys und organisieren für den Jak Swingtanz-Partys inklusive Schnuppertanzkurse vorab. Weil das Angebot so gut ankommt, lassen sie nun zum einen erstmals auch im Rahmen der Weinstadt Jazztage, die am kommenden Wochenende beginnen, eine Swingtanz-Party steigen. Dazu gibt es vor dem Auftritt des Achim Bohlender Swingtetts im Stiftskeller zum Auftakt in Kooperation mit SwingKultur eine Einführung in Balboa, einem weiteren Stil aus der großen Familie des Swingtanzes.

Zum anderen haben sie Liza November und Franky Doo schon vor dem Jazztage-Start für den zweitägigen Lindy-Hop-Intensivkurs nach Weinstadt geholt – und ganz nebenbei unbeabsichtigt den Bekanntheitsgrad des Festivals aus Konzerten, Film, Kunst und Mitmach-Angeboten gesteigert.

„Blutige Anfänger“ entdecken die Weinstadt Jazztage

Denn manch einem der Kursteilnehmer waren die Weinstadt Jazztage vorher kein Begriff. So ging es etwa Aneta und Michale Krapf. Die bekennenden Jazzfans aus Stuttgart wollten eigentlich nur endlich lernen den „schönsten aller Tänze“ zu ihrer Lieblingsmusik zu tanzen, wie sie berichten. Jetzt haben sie als „blutige Anfänger“ mit Mitte/Ende 50 nicht nur „jede Menge Spaß“ beim Tanzenlernen. Erfreut stellen sie auch fest, dass der Kurs lediglich ein Vorgeschmack ist auf eine ganze Reihe von Jazzveranstaltungen an den kommenden Festivaltagen.

Doch nicht allein absolute Anfänger haben bei dem Einsteigerkurs ihren Spaß, auch versierte Tänzer kommen auf ihre Kosten. Zu ihnen gehört Nicolai Vroomer. Der 27-Jährige aus Tübingen mit Goldstar-Abzeichen in Standard- und Lateintänzen, frönt mehrmals wöchentlich seinem „Hobby Nummer eins“, dem Tanzen, neben seiner Promotion in Chemie. „Besonders spannend finde ich die viel lockerere Atmosphäre als bei Standard und Latein. Schön finde ich auch die starke Dynamik“, beschreibt er seinen Eindruck. Dass er wie einige weitere Teilnehmer solo zum Kurs gekommen ist, tut derweil dem Vergnügen keinen Abbruch. Denn alle paar Minuten werden ohnehin reihum die Tanzpartner gewechselt. Dabei tanzen mitunter auch Frauen mit Frauen – was angesichts dessen, dass es im Swingtanz keine geschlechtsspezifische Rollenverteilung gibt, völlig unerheblich ist.

Die Weinstadt Jazztage

Start
Den musikalischen Auftakt der Weinstadt Jazztage gibt am Donnerstag, 5. März, das deutsch-polnische Duo mit Leszek Żądło am Saxofon und Joachim Mencel am Klavier von 20 Uhr an im Jak-Keller.

Gäste
Über die Festivalwoche treten Musiker aus der Region wie das Jochen Feucht/Uwe Schwenk Quartett (12. März, 20 Uhr, im Jak-Keller) ebenso auf wie internationale Gäste wie die finnische Jazzsängerin Tuija Komi mit ihrer Band (9. März, 19.30 Uhr, in der Alten Kelter Strümpfelbach) oder das Ipanema Jazz Duo mit der vielfach ausgezeichneten, brasilianischen Sängerin Denise Krammer (11. März,19:30 Uhr, Restaurant Grão im Dorfkeller Großheppach. Nachmittagsgespräch Am Sonntag, 8. März, plaudert der Stuttgarter Diskjockey und Kulturvermittler Andreas Vogel mit der Sängerin Fola Dada. Dabei können von 14 bis 16 Uhr im Café Limbo Neulinge fragen, was sie schon immer über Jazz wissen wollten, und Liebhaber tiefer in die Materie eintauchen.

Clubfeeling
„Jazz is in da House“ heißt es tags zuvor, 7. März, von 20 Uhr an beim Musik- und Tanzspektakel, das die Stadt im Veranstaltungssaal von Gourmet Berner veranstaltet. Nach dem Auftritt des sechsköpfige Ensemble Los Pipos mit Musikern aus Peru, Kuba, Mexiko, Deutschland, Chile und den Niederlanden darf zu von einem DJ aufgelegten Acid Jazz weiter getanzt werden.

Kino
Den Dokumentarfilm „Ich will alles“ über Hildegard Knef spielt am Dienstag, 10. März, das Kommunale Kino von 20 Uhr an ab.

Jugend
Zum Festivalabschluss zeigt vor allem die Jugend, was sie drauf hat. Am Samstag, 14. März, spielt das Jugendjazzorchester Baden-Württemberg von 20 Uhr an in der Jahnhalle Endersbach, am Tag darauf von 11 Uhr an die RG Bigband und für 17 Uhr lädt die Musikschule Unteres Remstal zum Jazzmeeting ebenfalls in die Jahnhalle ein.

Kirche
Am 15. März macht der Pfarrer Dennis Müller mit seinem Jazztrio auf Einladung der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde die Stiftskirche in Beutelsbach von 11.15 Uhr an zur Konzerthalle.

Ausstellung
Unter dem Titel „Die Kunst des Jazz“ sind über die gesamten Jazztage im Café Limbo, Poststraße 65 in Beutelsbach, ikonische Cover von den 1950er-Jahren bis heute zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung kann täglich von 16 bis 18 Uhr besichtigt werden, zusätzlich am Festivalfreitag und -samstag bis 22 Uhr sowie Samstag und Sonntag bereits von 10 Uhr an.

Das ganze Programm und Tickets unter: www.weinstadtjazztage.de

 

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Weinstadt Jazztage