Weinstadt Schebbes-Verein lässt nichts unversucht

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Denkmalprüfung, Ideenwerkstatt, Vorträge – Abriss-Gegner kämpfen mit allen Mitteln darum, dass das ehemalige Jugendhaus auf dem Schönbühl bei Weinstadt aufgrund seiner sozialgeschichtlichen Bedeutung zumindest teilweise erhalten wird.

Der Schebbes 1866: Damals stand dort nur ein Bauernhaus mit Nebengebäuden. Foto: privat
Der Schebbes 1866: Damals stand dort nur ein Bauernhaus mit Nebengebäuden. Foto: privat

Weinstadt - Der Schönbühl ist mehr als nur ein paar Gebäude, deren baulicher Zustand es zu beurteilen gilt – dieser Meinung sind die Mitglieder des Schebbes-Vereins. Im vergangenen November haben sie sich daher zusammengeschlossen, um sich für den „Erhalt des historischen Andenkens an das ehemalige Jugendheim Schönbühl“ einzusetzen, wie sie es als einen der Zwecke des Vereins in ihrer Satzung formulierten – nicht ahnend, wie brisant das Thema schon bald werden würde.

Denn nachdem das ehemalige Jugendheim zwölf Jahre leer stand und zahlreiche Interessenten erfolglos beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS), dem Eigentümer, anklopften, ist sich dieser überraschend mit dem Kaisersbacher Unternehmer Thomas Barth handelseinig geworden (wir berichteten). Der gelernte Bankkaufmann, der seit Jahrzehnten in der Immobilienbranche tätig und Mitglied der Grünen ist, möchte eine ökologische Modellsiedlung auf der Anhöhe bei Beutelsbach errichten. Dazu will er bis auf eine Scheune alle Gebäude abreißen, da sich eine Sanierung nicht mehr lohne – zum Entsetzen des Schebbes-Vereins.

Die sozialgeschichtliche Bedeutung

„Beim Schönbühl geht es ja nicht nur um die bauliche Substanz sondern um die ganze Einrichtung“, sagt Wolfgang Rube. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende, der viele Jahre die Berufsschule des Schönbühl geleitet hat, sieht die Bauten unter ihrer sozialgeschichtlichen Bedeutung. „Von Anfang an spielte die Rettungsanstalt auf dem Schönbühl einen ganz besonderen und einmaligen Part im Konzert der vielen württembergischen Rettungshäuser, für den es sonst kein Pendant im Land mehr gab“, erläutert Rube, der über das Thema auch seine Doktorarbeit geschrieben hat.

Ohnedies hätten die württembergischen Einrichtungen, die auf die Initiative Königin Katharina, der Ehefrau Wilhelm I., zurückgehen, eine herausragende Stellung gehabt. „Mitte des 19. Jahrhundert gab es in Württemberg mehr Rettungshäuser als in ganz Deutschland.“ Aufgrund der napoleonischen Kriege waren damals viele Kinder verwaist und auf sich allein gestellt. 1817 gründete Katharina die „Centralleitung des Wohltätigkeitsvereins“, um alle Hilfsinitiativen im Land zu bündeln. Aus dieser ging rund fünf Jahre später die so genannte Rettungshausbewegung hervor. Bis zum Jahr 1845 entstanden 22 solcher Hilfseinrichtungen für verwahrlosten Kinder.

„Doch für Jugendliche mit krimineller Vergangenheit gab es nichts.“ Diese Lücke füllte Pfarrer Lämmert und gründete 1856 die „Rettungsanstalt für besonders entartete und verbrecherische Knaben evangelischer Confession“ auf dem Gut Thalwiese bei Bad Herrenalb. 1866 erfolgte der Umzug auf den Schönbühl, wo die Einrichtung unter unterschiedlichen Trägerschaften und Leitungen bis zu ihrer Schließung Ende 2012 Bestand hatte – gut 150 Jahre.

Stadtrat beantragt Denkmalprüfung

Dafür, dass zumindest die „Urzelle“ des Schönbühls – das ehemalige Bauernhaus Romberg, in das die Rettungsanstalt zu Beginn zog, und der benachbarte Jugendstilbau –, die auch das Erscheinungsbild prägt, erhalten bleibt, will sich der Schebbes-Verein nun einsetzen. Zum einen möchten die Mitglieder mit Vorträgen und Führungen auf die sozialgeschichtliche Bedeutung aufmerksam machen. Zum anderen setzt der Verein seine Hoffnungen auf die Denkmalprüfung, die der SPD-Stadttrat Wolf Dieter Forster beim Landesamt für Denkmalschutz gestellt hat. Dieser ist ebenso betroffen, dass die Bauten auf dem Schönbühl als „das Identifikationsmerkmal in Weinstadt“, abgerissen werden sollen.

Darüber hinaus hat der Verein eine öffentliche Ideenwerkstatt zur künftige Nutzung des Schebbes angeregt. Aufgebracht hatte den Vorschlag der Endersbacher Architekt Thomas Weinmann, der die Pläne des neuen Eigentümers scharf kritisierte (wir berichteten) und inzwischen dem Verein beigetreten ist. Mit Thomas Barth ist man diesbezüglich bereits im Gespräch. Der Unternehmer ist dem Vorschlag gegenüber nicht gänzlich abgeneigt. Allerdings nur zur Entwicklung seines Konzepts – er will Plusenergiehäuser errichten, die sich selbst mit Strom und Wärme versorgen – und nicht, um „aus Reminiszenz nicht erhaltenswerte Substanz zu erhalten“.

Oberbürgermeister an Öko-Siedlung interessiert

Der Oberbürgermeister Jürgen Oswald steht den Plänen Barths indes offen gegenüber: „Das ist sicherlich ein interessanter Ansatz“, sagt er. Vor dem Hintergrund der Energiewende sei es spannend, sich darüber auszutauschen und zu sehen, wie diese Thematik architektonisch aufgenommen wird. Nun sei es zunächst aber an Barth, seine Pläne der Stadt zu erläutern. Dann werde sich zeigen, ob sie realisierbar sind.

Der Denkmalschutz hat nichts dagegen: Bereits 1996 sei das Jugendheim dahingehend überprüft worden gibt der Regierungspräsidiumssprecher Robert Hamm Auskunft: „Aufgrund der starken Veränderungen durch Umbauten hat es die Kriterien dafür nicht erfüllt.“ Eine erneute Prüfung werde es nicht geben.