Weinstube Fröhlich in Stuttgart Giovanni Zarrella schaut beim Barkeeper und VfB-Boss Wehrle vorbei

Willkommen in der Weinstube Fröhlich: Jens Zimmermann und Giovanni Zarrella Foto: Jakob Sauter

Der VfB-Boss zapft Bier, der Moderator empfängt, der Fernsehstar begrüßt, und der Turner singt. Willkommen in der Weinstube Fröhlich! Die Legende will an alte Zeiten anknüpfen.

Der „Fröhliche Sonntag“ war höchst willkommen. Nach einem trüben Samstagabend tat etwas Fröhlichkeit gut. Die 0:4-Pleite des VfB bei Bayern München zu beobachten, war so amüsant wie eine Wurzelbehandlung, doch tags darauf konnte sich der VfB-Vorstandsvorsitzende Alex Wehrle Angenehmerem und Handfesterem widmen. Der Zapfhahn und die Bar in der Weinstube Fröhlich war buchstäblich seine, wer durstig war, kam an ihm nicht vorbei.

 

Lukas Fischer Foto: Jakob Sauter

Einige Male im Jahr probt er den Jobwechsel, mit seinen Mitgesellschaftern Mancika Kohler-Kešinović und Jens Zimmermann lädt er Freunde und Stammgäste ein zum „Fröhlichen Sonntag“. Man will so die lange Geschichte der Weinstube ehren und ein neues Kapitel mitten in der Altstadt schreiben.

Ein Lokal mit langer Tradition

Seit 61 Jahren gibt es das Lokal. Als Weinstube Widmer wurde es aus der Taufe gehoben. Und war schnell der Treffpunkt von Kreativen, Künstlern, Tänzern, Sängern und Journalisten. Von Menschen also, die seit jeher arbeiten, wenn andere schon frei haben. Und in der Weinstube gab es immer noch ein Viertele, wenn anderswo schon zu war. An diese Tradition knüpfte Hans Fröhlich an, als der ehemalige Feuilleton-Chef der „Stuttgarter Nachrichten“ 1988 die Weinstube übernahm. Christina Beutler führte das Lokal fort, ehe Anfang 2024 Wehrle und der Moderator Jens Zimmermann einstiegen, und Kohler-Kešinović und deren Team unterstützten.

Barkeeper Alexander Wehrle Foto: Jakob Sauter

Ein Neuanfang, der an alte Zeiten anknüpfen will, als in der Weinstube neben Rostbraten und Viertele auch Kultur serviert wurde. So hob man den „Fröhlichen Sonntag“ aus der Taufe. Diesen Sonntag schaute Giovanni Zarrella vorbei. Der schwäbisch-italienische Bub aus Hechingen hat es über die Band Bro’Sis zum Nachfolger von Carmen Nebel geschafft. Er moderiert eine große Samstagabend-Show, die seinen Namen trägt. Mehr geht kaum. Zarrella war übrigens auch ein richtig guter Kicker. Zwei Jahre hat er in der Jugend des VfB gespielt. Sein Sohn Gabriel tritt jetzt in diese Fußstapfen und ist aus Köln in die U 17 des VfB gewechselt. Doch an diesem Abend war Fußball, logischerweise bei dem Barkeeper auch mal Gesprächsthema, aber tatsächlich meistens Nebensache.

Der lange Weg des Lucas Fischer

Der Fokus gebührte zum einen Ismael Boerner, der aus einem „Käfig voller Narren“ im Theater der Altstadt entsprungen war, um in der Weinstube Fröhlich vorbeigekommen und dort aufzutreten. Und zum anderen Lucas Fischer, Vize-Europameister am Barren. Der Schweizer war 2013 Vizeeuropameister am Barren. Mit vier Jahren hat er angefangen, als die anderen zu Kindergeburtstagen gingen, hat er trainiert – und gelebt fürs Turnen. Doch Leistungssport fordert seinen Tribut. Zwei Operationen an den Knien, fünf an den Füßen. 2010 kam dann aus heiterem Himmel die Diagnose Epilepsie. Er hat sich durchgekämpft, immer wieder, bis er irgendwann keine Kraft mehr hatte.

Er turnte weiter, nur nicht mehr um Medaillen. Und er sang dazu. Bei „Das Supertalent“ bei RTL turnte er am Barren und sang, das rührte Juror Bruce Darnell zu Tränen und rang Dieter Bohlen ein Lob ab. Sein Song „Set New Signs“ war die offizielle Hymne der Turn-WM 2019 in Stuttgart. Das Album „Tigerherz hat er herausgebracht, in der Weinstube Fröhlich gab er Kostproben, sang und tanzte.

Sammeln für die Aids-Hilfe

Und wie das so ist, wenn sich bekannte Menschen wie SWR-Moderator Matthias Sziedat, Architekt Alexander Brenner, Schauspieler Jonas Pätzold, Renitenz-Intendant Roland Mahr, der ehemalige MHP-Chef Ralf Hofmann, Aids-Hilfe-Vorstand Andreas Winter, CSD-Vorstand Detlef Raasch und viele andere treffen, dann sammelt man auch für einen guten Zweck. Dieses Mal für die Aids-Hilfe Stuttgart. Und wie geht es weiter? Giovanni Zarrella hat es so gut gefallen, dass er wiederkommen will. Im neuen Jahr soll es eine „Notte Italiana“ geben. Vor der italienischen Nacht kommt die Weihnacht. Und womöglich davor die „Fröhliche Nacht“, noch mal ganz besinnlich. Und vielleicht schenkt der VfB-Boss ja da Glühwein aus.

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