Ursula Kreutel startet in den Wahlkampf. Die Bürgermeisterin gibt sich selbstbewusst und gut gelaunt. Ihre Widersacher im Gemeinderat und die Gegenkandidaten spielen keine Rolle. Dafür zieht sie auch die emotionale Karte.

Weissach - Gemütlich geht es zu in der Gaststube vom Ochsen in der Weissacher Hauptstraße, geradezu familiär. „Schön, dass Sie gekommen sind“, begrüßt Ursula Kreutel all ihre Gäste mit Handschlag. Dass die Bürgermeisterin eigentlich mitten im Wahlkampf steckt, merkt man ihr nicht an. Sie ist sichtlich gut gelaunt, wirkt entspannt. Geduldig wartet sie, bis alle ihren Wurstsalat aufgegessen haben.

 

Viele haben den Weg ins Gasthaus zwar nicht gefunden. Ursula Kreutel ist trotzdem zufrieden. „Ich war gespannt, ob überhaupt jemand erscheint“, sagt sie. Schließlich sind Ferien und WM-Spiele. Immerhin, 16 Interessierte sind gekommen, um mit der Rathauschefin zu diskutieren. 2006, als sie zum ersten Mal für das Amt kandidierte, seien viele Leute da gewesen. „Damals kannten mich die wenigsten, viele wollten wissen, wie ich drauf bin.“

Bildung und Soziales liegt Kreutel sehr am Herzen

Heute, acht Jahre später, kennen die Weissacher ihre Bürgermeisterin, wissen, was sie angepackt und umgesetzt hat. Das für sie wichtigste Projekt war und ist der Gemeindeentwicklungsprozess, den sie 2008 zusammen mit dem Gemeinderat in Gang gebracht hat und in den sich auch die Menschen im Ort mit unterschiedlichen Ideen eingebracht haben. Davon sei schon viel realisiert worden, erklärt Ursula Kreutel. Erste Erfolge sind sichtbar, etwa entlang der Straße zwischen Weissach und Flacht, wo bunte Blumenrabatten blühen. Positive Nachrichten hat sie auch beim Gewässerentwicklungsplan: Kürzlich wurde die Fischtreppe am Strudelbach frei gegeben.

Und die Bürgermeisterin hat noch ein paar Erfolgsmeldungen drauf: Die Kleinkindbetreuung wurde ausgebaut, vor gut einer Woche fiel mit dem Spatenstich der Startschuss für die neue Porsche-Kita. Seit Herbst hat Weissach eine Gemeinschaftsschule. „Wir haben sie mit viel Engagement entwickelt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, als es zwischendurch nicht gut aussah“, erklärt Kreutel. Die Anmeldezahlen seien gut, auch aus dem Umkreis gebe es viele Nachfragen. Die Gemeinde wollte jetzt in die weitere Planung einsteigen. „Bislang sind wir mit angezogener Handbreme gefahren.“ Nächstes Jahr soll gebaut werden, zum Schuljahr 2016/17 alles fertig sein.

Daueraufreger ist die Verkehrssituation, viele beklagen sich über die Porschemitarbeiter, die sich durch die Ortskerne schieben. Der Gemeinderat hat zwar mittlerweile Maßnahmen beschlossen, um möglichst viel Verkehr nach draußen zu verlagern. Doch Ursula Kreutel ist realistisch: „Auflösen können wir ihn nicht. Und eine riesige Umfahrung, die die finale Lösung bringen wird, bekommen wir nicht.“

Die Bürger wollen mehr Leben im Ort

Doch klar sei, dass an unübersichtlichen Stellen dringend etwas getan werden müsse. Während der eine oder andere im Publikum laut über Durchfahrtsverbote nachdenkt, warnt die Wirtin vom Ochsen vor absoluter Stilllegung. „In Hirschlanden haben sie den Verkehr aus dem Ortskern genommen“, sagt sie. „Und jetzt ist er tot.“

Doch gerade das wollen die Weissacher verhindern, bedauern sie doch jetzt schon die vielen Leerstände im Ort. „Wie wäre es mit einem Café oder einer Eisdiele?“, schlägt eine Frau vor. Dafür gebe es bereits eine Genehmigung, sagt Kreutel. Allerdings sei es Sache des Bauherren, wann er anfange. Sie diskutiert an diesem Abend auch über Hochwasserschutz, über bessere Busverbindungen und die Baulücken im Ort. Wortgefechte, wie manches Mal im Gemeinderat, bleiben an diesem Abend aus. Auch ihre Gegenkandidaten spielen keine Rolle. Sie erwähnt sie mit keinem Wort.

„Ich werd’ dich wählen“, flüstert ihr einer beim Rausgehen zu. Ursula Kreutel grinst. Noch drei Wochen, dann entscheiden die Bürger über ihre berufliche Existenz. Auf den Wahlkampf hat sie sich gut vorbereitet, hat dabei auch auf Details geachtet. Ihre Lieblingsfarbe Orange, sie trägt an diesem Abend ein Oberteil und eine Tasche in selbiger, findet sich in ihrer Wahlbroschüre wieder. Dort hat sie Erfolge und Ziele aufgelistet. Auf einem der Fotos ist ihre Tochter Katharina zu sehen, die ihre Mutter bisweilen zu Terminen begleitet. Am Ende verteilt Ursula Kreutel noch Fruchtriegel. „Mit Energie in die Zukunft – für unsere Gemeinde“, steht da. „Und das ist auch mein Motto“ sagt die Bürgermeisterin.