Weissach Die halbe Ortsmitte wird bis Mai abgerissen

Von Florian Mader 

Bürgermeister und Gemeinderat geben den Startschuss, das Zentrum neu aufzubauen und zu gestalten.

Die weiß schraffierten Häuser werden abgerissen. Was danach kommt, will der neue Gemeinderat nach der Kommunalwahl diskutieren Foto: Daniel Töpfer, oli
Die weiß schraffierten Häuser werden abgerissen. Was danach kommt, will der neue Gemeinderat nach der Kommunalwahl diskutieren Foto: Daniel Töpfer, oli

Weissach - Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich der Weissacher Bürgermeister in den vergangenen Jahren als Immobilien-Großeinkäufer betätigt. Mehr als ein Dutzend Häuser in der Weissacher Ortsmitte sind mittlerweile im Besitz der Gemeinde. Zwölf davon werden in den nächsten Monaten abgerissen, damit wird eine 5000 Quadratmeter große freie Fläche geschaffen.

„Das ist der Startschuss für ein historisches Projekt“, sagte Daniel Töpfer am Montagabend vor seinen Gemeinderäten. „Die Gemeinde hat die einmalige Chance, Flächen in zentraler Lage neu zu ordnen.“ Denn in den kommenden Jahren wollen Gemeinderat und Bürgermeister eine neue Ortsmitte schaffen.

Was genau dort hinkommt, steht noch nicht fest. Erst wenn der neue Gemeinderat nach dem 26. Mai gewählt ist, will der Bürgermeister mit dem Planungsprozess beginnen. „Für mich ist klar, dass wir das mit einer umfangreichen Bürgerbeteiligung machen“, kündigte Töpfer an.

Das Projekt besteht aus zwei Teilen

In zwei Teile trennt sich das Projekt. Für den Platz neben dem Marktplatz, gegenüber den Ratsstuben, sind die Pläne schon am konkretesten. Daniel Töpfer will das schon in der ersten Sitzung nach der Kommunalwahl angehen. „Wir stellen uns dort ein neues Gebäude vor, das auch eine Gas­tronomie – zum Beispiel das lang ersehnte Eiscafé – enthält“, berichtet der Bürgermeister. Vor allem Wohnungen soll das Gebäude enthalten. Aufgrund der Nähe zum Seniorenheim sei auch barrierefreies Wohnen denkbar. Parallel laufen aber auch die Planungen für den Bereich zwischen Rewe, Metzgerei Böhmler und dem Alten Rathaus an. „Im Sommer fassen wir den Beschluss zur Bürgerbeteiligung“, kündigte Töpfer an. Zwei, drei Jahre werde der Prozess dauern, bis das Ensemble fertig ist. „Wir wollen auch überlegen, ob wir die Verkehrsführung optimieren können“, sagte er.

Damit es nun soweit kommen konnte, musste der Bürgermeister in den vergangenen Jahren Überzeugungsarbeit leisten. Etwa die Hälfte der Häuser waren schon im Besitz der Gemeinde. Die anderen hatte er angekauft. Schon in seinem Wahlkampf 2014 war die Ortsmitte eines der wichtigesten Themen des jungen Kandidaten. „Die Ortsmitte in Weissach ist nicht schön, städtebaulich gibt es hier keine Aufenthaltsqualität“, erklärte er. „Ich hatte gleich erkannt, dass es hier dringenden Handlungsbedarf gibt.“ Gleich nach seinem Amtsantritt habe er das Thema mit hoher Priorität behandelt.

Eigentümer mussten überzeugt werden

Zunächst musste er die Eigentümer überzeugen, an die Gemeinde zu verkaufen. „Ich habe viele Gespräche geführt“, berichtete der Bürgermeister. Das letzte notwendige Gebäude konnte Töpfer nun zum 1. Januar erwerben – der Startschuss für das Projekt neue Ortsmitte. Für 188 000 Euro hat der Gemeinderat die Weil der Städter Baufirma Stäbler mit dem Abriss der zwölf Häuser beauftragt. Bis Ende Mai soll dies fertig sein.

„Damit wird dringend benötigter Wohnraum geschaffen“, lobte der Gemeinderat Volker Kühnemann (Freie Wähler). „Unser Ortsbild wird das nachhaltig verändern“, ergänzte Andreas Pröllochs (Bürgerliste). „Und es erfüllt unseren Anspruch: Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, sagte Adelheid Streckfuß (Unabhängige Liste). Nur Susanne Herrmann (Unabhängige Liste) kritisierte die Abriss-Pläne. „Manchmal entsteht auch aus alten Häusern etwas Schönes“, erklärte sie.

Der Bürgermeister betonte mehrmals, dass die Substanz aller betroffenen Gebäude marode und eine wirtschaftliche Sanierung ausgeschlossen sei.