Weissach-Flacht Auch ohne Benzin liegt Adrenalin in der Luft

Von Stefanie Leiss 

Zweitägiges Carrera-Bahn-Rennen im Heimatmuseum Flacht begeistert alle Generationen.

Ein Altersunterschied von 85 Jahren und doch die selbe Leidenschaft: Herbert Linge (90) und Lenni Keck (5) duellieren sich an der Carrera-Bahn. Foto: factum/Granville 5 Bilder
Ein Altersunterschied von 85 Jahren und doch die selbe Leidenschaft: Herbert Linge (90) und Lenni Keck (5) duellieren sich an der Carrera-Bahn. Foto: factum/Granville

Weissach - Die Sonderausstellung „Mein Lieblings-Spielzeug“ hat bereits viele Besucher ins Heimatmuseum Flacht. Zum Abschluss wird noch ein ganz besonderes Event geboten – der Museumscup 2019 unter der Schirmherrschaft des bekannten Rennfahrers Herbert Linge.

Die liebevoll und detailreich aufgebaute 20-Meter-Carrera-Rennbahn wirkt wie ein Magnet und erfreut sich bei Jung und Alt gleichermaßen großer Faszination. Der Startschuss fällt! Die Rennautos flitzen in rasendem Tempo über die Bahn. Viele ­Augenpaare folgen ihnen aufmerksam und mit einer gewissen Anspannung. Auch wenn es Spielzeugautos sind, die sich hier ein Rennen liefern, so liegt spür­bar ­Adrenalin in der Luft. Die Kunst ist, trotz hoher Geschwindigkeit nicht aus der Kurve zu fliegen. Nicht immer gelingt es.

In einem zweitägigen Rennen mit drei Durchläufen von jeweils zwei Minuten liefern sich die 20 Teilnehmer ein spannendes Duell um die Spitzenplätze. Der letzte Durchlauf findet im abgedunkelten Raum als Nachtfahrt statt. Die Rennautos sind dafür alle mit Scheinwerfern ausgestattet.

Eine Hand wäscht die andere

Die Rennleitung übernimmt Peter Haug, Mitglied im Heimatverein, Tüftler, Bastler und Ideenlieferant für diese Veranstaltung. Viele ehrenamtliche Helfer sind an der Umsetzung beteiligt, erzählt die Leiterin des Heimatmuseums Barbara Hornberger: „Einige Flüchtlinge waren mir eine ganz große Hilfe. Hier ist fast so etwas wie eine Integrationsstelle entstanden. Ich helfe beispielsweise bei Briefen, die sie nicht ­lesen oder richtig verstehen können und im Gegenzug kann ich jederzeit auf ihre Unterstützung zählen.“

Der jüngste Teilnehmer Lenni Keck ist fünf und ein ernstzunehmender Konkurrent für die Älteren. Auch zwei Mädchen nehmen am Wettbewerb teil. Jan Link (13) ist zum ersten Mal dabei: „Ich mag solche Veranstaltungen. Das macht einfach Spaß. Ich bin echt gespannt, welchen Platz ich ­ergattern kann“, sagt er aufgeregt und kann den nächsten Rennlauf kaum erwarten.

In den Pausen zwischen den Rennen gibt es Kuchen und Brezeln, Kaffee und ­andere Getränke für das leibliche Wohl, vielleicht auch als Nervennahrung. Der Schirmherr Herbert Linge mischt sich unters Volk, hält hier ein Schwätzchen, gibt da eine Anekdote zum Besten. Lenni Keck und Linge fahren in der Pause ein kleines Extrarennen außer Konkurrenz. 85 Jahre Altersunterschied und trotzdem der ­gleiche Blick in den Augen.

Herbert Linge ist noch voller Elan

Herbert Linge ist mit seinen 90 Jahren noch mittendrin im Leben. „Ich bin ja schon lange im Heimatverein und da war es eine Ehrensache für mich, hier mit dabei zu sein.“ Der Terminkalender des erfolg­reichen Rennfahrers ist auch heute noch übervoll. „Manchmal ist es fast ein wenig viel. Und ich kann leider nicht an mehreren Orten gleichzeitig sein“, sagt Linge mit einem verschmitzten Lächeln.

Der Tisch mit den Preisen kann sich ­sehen lassen. Es gibt sehr schöne und ­wertvolle Modellautos in verschiedenen Größen für die Plätze 1 bis 3 zu gewinnen. Noch mehr tolle Preise gibt es aber auch für   die Ränge ab dem 4. Platz. Leer geht ­niemand aus.

Um 15.30 Uhr am Sonntag ist es so weit: Die Gewinner stehen fest. Den 3. Platz belegt Simon Pletziger (8) aus Flacht. Platz 2 hat Mohammed Alawad (11) aus Weissach geschafft und die Siegerin des ersten Museumscups ist die achtjährige Mirilla Mamar aus Flacht. Das Mädchen ist erst im August 2018 aus Syrien nach Deutschland gekommen. Freudig und fast ein wenig ungläubig steht Mirilla auf dem Siegertreppchen ­zwischen Simon und Mohammed. Herbert Linge hat bis zum Schluss mitgefiebert und verteilt noch ein paar Geschenke, die er selbst mitgebracht hat. Auch bei den Schiedsrichtern und Streckenwärtern möchte er sich bedanken.

Das nächste Projekt steht schon an

Die Stimmung ist nun gelöst und fröhlich, die Anspannung vorbei. Jetzt darf noch ein Weilchen gefeiert werden und die glücklichen Sieger strahlen um die Wette. Die Kinder haben die erwachsenen Teilnehmer auf die Plätze verwiesen. „Es gab richtig tolle Begegnungen, alle hatten viel Spaß und viele haben sogar das ganze ­Museum besichtigt. Ich bin mehr als zufrieden“, sagt Barbara Hornberger.

Das nächste Projekt ist auch schon geplant: Ab 18. Mai startet die neue Sonderausstellung „Essen und Trinken – früher und heute“ und beleuchtet die Veränderungen in Bezug auf Nahrungsmittel und Ernährung. Ein breites und interessantes Themenfeld. „Außerdem findet im Juli ein Kochduell, verschiedene Workshops und ein Nachtmarkt mit allerlei Köstlichkeiten statt. Das wird sicherlich wunderbar“, ­berichtet Barbara Hornberger mit großer Vorfreude.