Weissach Samariterstift übernimmt Stifts-Immobilien

Von Florian Mader 

Die Gemeinde veräußert zum Neujahr die Häuser des Körner- und des Mörike-Pflegeheims.

Das Stift in Flacht. Foto: /factum/Simon Granville
Das Stift in Flacht. Foto: /factum/Simon Granville

Weissach - Die Bewohner werden es zwar kaum bemerken, für Weissach geht aber dennoch eine Ära zu Ende. Wenn an Silvester die Raketen das neue Jahr ­begrüßen, wird die Gemeinde nicht mehr Eigentümerin ihrer beiden Pflegeheime sein. Die Samariterstiftung, bislang bereits die Betreiberin der Heime, kauft auch die beiden Gebäude.

Bereits im Oktober hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, die Immobilien des Rosa-Körner-Stifts Weissach und des Otto-Mörike-Stifts Flacht zu verkaufen. Das hat ­Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) am Freitag bei einem Pressegespräch bekannt gegeben. „Zum Jahresende wären ohnehin die Pachtverträge mit der Samariter­stiftung ausgelaufen“, erklärt Töpfer. „Wir mussten uns also Gedanken machen, wie es langfristig weitergeht.“

Mehrere Gründe hätten dafür gesprochen, die Immobilien abzustoßen. Zum einen sei der Betrieb von Pflegeheimen keine Pflichtaufgabe einer Gemeinde. Zum zweiten muss Weissach zum neuen Jahr auf ein neues Haushaltsrecht umstellen. Mit der Doppik müsste die Gemeinde dann für die Immobilien einen rechnerischen Abmangel von 0,6 bis 1,3 Millionen Euro pro Jahr einplanen – angesichts der    angespannten Haushaltslage zu viel Geld,    wie der Bürgermeister betont. Und ­drittens sei Vertrauen in die Samariterstiftung gewachsen, da sei es nicht mehr nötig, dass die Gemeinde ihre Hände im Spiel habe.

Es soll keine Preiserhöhung geben

2004 und 2005 hatte die damalige ­gemeindeeigene „Kommbau“ die beiden Pflegeheime errichtet und nach Fertig­stellung dann an die Gemeinde verkauft. „Einer der Grundgedanken war es, dass man damals steuern wollte, wer in die Pflegeheime einzieht“, sagt Töpfer. Pächterin und Betreiberin der beiden Häuser wurde damals die evangelische Samariterstiftung mit Hauptsitz in Nürtingen. ­Eberhard Goll, der Vorstand Altenhilfe der Stiftung, versichert, dass er diesen Charakter auch weiterhin erhalten will. „Wir wollen mit unseren Häusern ein Teil der Gemeinde werden“, sagt er. Auto­matisch bekämen Weissacher Bürger damit bei der Platzvergabe den Vorzug.

2,3 Millionen Euro hat die Samariterstiftung für die beiden Immobilien ­bezahlt. Das liegt zwar weit unter dem Verkehrswert – ist aber dennoch kein schlechtes Geschäft für die Gemeinde, sagt der Bürgermeister. Denn beim Bau vor 15 Jahren sind die Heime vom Land gefördert worden. Aus diesen niedrigeren Pflegesätzen errechnet sich die Pacht, und daraus der Immobilienwert. „Deshalb wird es für die Bewohner auch keine Preiserhöhung geben“, verspricht Goll.

Für die Samariterstiftung ergeben sich durch den Kauf Synergieeffekte. Künftig kann sie die Altenpflege aus einer Hand anbieten. „Die größte Hürde war die neue Landesheimverordnung, aber das haben wir gelöst“, sagt Eberhard Goll. Seit September gilt diese neue Vorschrift, die zum Beispiel nur noch Einzelzimmer zulässt. Aufgrund ihrer kleinen Größe – die beiden Weissacher Heime haben jeweils nur 29 Plätze – gab es aber eine Ausnahmegenehmigung. In Flacht will die Samariter­stiftung zudem 250 000 Euro investieren, um ein Doppelzimmer zurückzubauen und Bäder zu ergänzen. „Als das klar war, haben wir zugestimmt, die Immobilien zu kaufen“, berichtet Goll.

Grundstücke bleiben im Besitz der Gemeinde

Die Eigentumsverhältnisse werden ­damit von Januar an etwas komplizierter. Die Häuser der beiden Heime gehören dann der Samariterstiftung. Die Grundstücke bleiben im Besitz der Gemeinde, die sie mit einem Erbbauvertrag für 50 Jahre der Stiftung zur Verfügung stellt. Die Physiotherapie-Praxis im Mörike-Stift Flacht bleibt im Besitz der gemeindeeigenen „Wohnbau Weissach“ und die Betreuten Wohnungen gehören weiterhin der Gemeinde selbst.

Auch für die derzeit leeren Räume im Erdgeschoss des Rosa-Körner-Stifts gibt es eine neue Nutzung. Dort war eine Kinderkrippe untergebracht, die aber in die Porsche-Kita umgezogen ist. „Wir werden dort Wohnraum für Mitarbeiter einrichten“, sagt Eberhard Goll. Dort könnten Azubis, die zum Zeil aus dem Ausland kommen, einziehen – anderswo schon ein Erfolgsmodell, sagt er. Auch die beiden Begegnungsstätten in den Heimen will die Samariterstiftung weiterhin betreiben.

Die Samariterstiftung betreibt mehr als 60 Häuser für Menschen im Alter, mit ­Behinderungen und mit psychischen ­Erkrankungen. In Leonberg errichtet sie derzeit ein neues Pflegeheim beim Rathaus. Weitere Ambitionen in der Region habe man aber nicht, sagt Eberhard Goll.




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