Weissach Schießkino entfacht heftige Emotionen

So sieht es in einem Schießkino aus, die Schüsse gehen auf eine Papier-Leinwand. Foto: privat 3 Bilder
So sieht es in einem Schießkino aus, die Schüsse gehen auf eine Papier-Leinwand. Foto: privat

Es ist ein ehrgeiziges Projekt: Die Cousins Christoph Bäuerle (24) und Moses Hofmann (20) wollen ein Schießkino bauen, in dem Jäger und Polizisten auf Videos ballern. Doch in Weissach hat das das Gemeinderat abgelehnt, nun suchen die Investoren einen neuen Standort.

Politik: Rafael Binkowski (bin)
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Weissach - Es ist ein ehrgeiziges Projekt: Die Cousins Christoph Bäuerle (24) aus Höfingen und Moses Hofmann (20) aus Weissach wollen ein Schießkino bauen. Das ist eine Schussbahn, an deren Ende eine Papierleinwand steht, auf der Videos laufen. Bei Jägern sind Hirsche oder Sauen zu sehen, auf die geschossen wird. Polizisten bringen eigene Filme mit. Die nächsten solchen Einrichtungen sind in Ulm und Östringen bei Karlsruhe. In Weissach kommen die beiden allerdings nicht zum Zug – der Gemeinderat hat Sicherheitsbedenken und daher einen Verkauf des Grundstücks für das Schießkino abgelehnt.

Dabei wirken die Cousins Bäuerle und Hofmann sympathisch und seriös, das haben im Gemeinderat alle Redner betont. Die Familie will ein Grundstück im Flachter Gewerbegebiet Neuenbühl II erwerben, um dort ihre Anlage zu errichten. „Die Zielgruppen sind zum Beispiel Jäger, die seit dem 1.  April regelmäßig in Schießkinos trainieren müssen“, erklärte Christoph Bäuerle, der für eine IT-Firma in Ditzingen arbeitet. Polizisten und Sicherheitspersonal seien ebenfalls angesprochen. Genau wie Sportschützen und Firmen, die Events dort organisieren wollen. Das wären dann auch Menschen ohne Waffenschein.

Beide betonen, großen Wert auf die Sicherheit zu legen. „Wir haben geschultes, behördlich geprüftes Personal“, sagt Moses Hofmann, der selbst Jäger ist und in Newcastle Politikwissenschaft studiert. Die Mitarbeiter müssten stets direkt neben den Schützen stehen. Die Wände seien gesichert und gedämmt, sodass kein Projektil nach außen dringen könne, auch kein Lärm. „Wenn sich jemand nicht an die Vorgaben hält, fliegt er raus“, betonen die beiden Investoren. Zudem könne man verdächtige Personen ausweisen: „Wir wollen keine Cowboys und Revolverhelden.“

Wie gesagt – sympathisch waren den Gemeinderäten die beiden durchaus. Doch es wurden massive Bedenken in einer turbulenten Debatte formuliert. „Es gäbe hier einen permanenten Schießbetrieb, Menschen mit Waffen würden ein- und ausgehen“, erklärte etwa Andreas Pröllochs, der Fraktionschef der Bürgerliste. Events und ein Munitionsladen seien angedacht. Sein Credo: „Je höher die Konzentration von Menschen mit Waffen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Ereignisse wie der Amoklauf in Winnenden.“

Noch deutlicher wurde sein Fraktionskollege Gerhard Strauß: „Andere Schießkinos werben mit Slogans wie ‚Revolerheld-Erlebnis buchen’. Wir können nicht kon­trollieren, wer bei Ihnen Kunde ist.“ Nun hat der Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) schon im Vorfeld versucht, die Bedenken zum Teil zu entschärfen. So schlug er vor, den Grundstücksverkauf an Auflagen zu binden: nur Behörden, Jäger und Sportschützen dürften Kunden sein, keine Laien oder Firmen.

In diesem Punkt hakten einige Gemeinderäte nach, die noch unsicher waren. „Für mich steht und fällt es mit dem Sachkunde-Nachweis“, sagte etwa Steffen Lautenschlager (FWV), „wie stehen Sie dazu?“ Die beiden jungen Investoren wollten sich auf die Einschränkung jedoch nicht einfach einlassen: „Wenn das beschlossen wird, müssen wir noch einmal beraten.“

So dominierten die Bedenken die Debatte. Susanne Hermann (Unabhängige Liste) erklärte: „Sie können für den Innenbereich des Schießkinos garantieren, aber nicht für den Außenbereich.“ Werde ein Schießwütiger abgewiesen, sei er eben immer noch im Ort: „Oder auch vor meiner Haustür und randaliert.“

Es gab aber auch andere Stimmen. So erklärte der FWV-Fraktionschef und Vize-Bürgermeister Volker Kühnemann: „Ich bin seit 40 Jahren Jäger.“ Als solcher müsse er trainieren, es gebe in der gesamten Region Stuttgart keine solche Einrichtung. Auch im Namen der Kreisjägervereinigung Leonberg appellierte er an die Kollegen: „Wir brauchen das Schießkino.“ Einen Fall wie in Winnenden könne man nie ausschließen, ob mit oder ohne einen Schießstand. Karl Schäfer (FWV) erklärte: „Wer nicht in das Schießkino reinkommt, hat schließlich auch keine Waffe.“

Die beiden potenziellen Betreiber warben um Verständnis. „Wir wollen die Sicherheit durch Prävention erhöhen“, erklärte Moses Hofmann etwa. Zumal Waffen sicher eingelagert werden könnten. Doch die Skepsis überwog – auch wegen der kommerziellen Nutzung. So stimmten im Gemeinderat am Ende zehn Räte mit Nein, acht mit Ja.

Weissach als Standort ist damit erledigt. Doch aufgeben wollen die beiden nicht. „Wir haben die Vision, den Bedarf für die Region und Baden-Württemberg zu decken“, erklärte Bäuerle. Sie sind schon mit einigen anderen Kommunen in der Region im Gespräch. Immerhin sieben bis acht Arbeitsplätze wollen sie schaffen. Wo genau, bleibt offen, es soll aber unbedingt in der Nähe der Autobahn sein.




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