Weissach Umweltschützer mobilisieren gegen Porsche

Schon vor einem Jahr hat der BUND gegen die Erweiterung des Entwicklungszentrums protestiert. Foto: factum/Archiv
Schon vor einem Jahr hat der BUND gegen die Erweiterung des Entwicklungszentrums protestiert. Foto: factum/Archiv

Der Gemeinderat steht weiter zum geplanten Anbau des Porsche-Entwicklungszentrums um 3,2 Hektar. Die Naturschützer des BUND lehnen ab und werfen dem Sportwagenhersteller „Salamitaktik“ vor.

Politik: Rafael Binkowski (bin)
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Weissach - Der Gemeinderat steht zwar weiter zum geplanten Anbau an das Porsche-Entwicklungszentrum um rund 3,2 Hektar. Dass die Verwaltung im vorauseilenden Gehorsam aber schon im Februar ein Heckenbiotop im Gewann Reutäcker mit 26 seltenen Vogelarten entfernt hat, bringt sogar den Vize-Bürgermeister und FWV-Fraktionschef Volker Kühnemann auf die Palme. Die Naturschützer des BUND gehen noch weiter, lehnen die Erweiterung grundsätzlich ab und werfen dem Sportwagenhersteller eine „Salamitaktik“ vor.

Der Streit im Gemeinderat am vergangenen Mittwoch war kurz, aber kernig. Vor allem die Freien Wähler fühlen sich von der Stadtverwaltung übergangen, weil die Heckenreihe einfach entfernt wurde, ohne den Gemeinderat vorher zu fragen. An der Stelle wurde eine Steinmauer errichtet, an der Eidechsen siedeln können. Zwar wird damit nur ein Schutzraum für Tiere durch einen anderen ersetz – doch für die Kriechtiere gibt es mehr Punkte auf dem Ökokonto – es zählt also mehr, wenn es darum geht, die zusätzlichen Porsche-Flächen auszugleichen.

Kritik der Freien Wähler

Erst nachträglich hat das Gremium den Vorgang legitimiert, allerdings mit einigen Gegenstimmen. Darunter auch die von Volker Kühnemann. „Ich halte das für fragwürdig“, sagt er, „nebenan gibt es Wohnhäuser. Die Katzen fressen doch die Eidechsen sofort wieder auf.“ Grundsätzlich sei es richtig, die Automobilfirma erweitern zu lassen und den Eingriff dafür auszugleichen. Einfach ein bestehendes Biotop zu entfernen, sei aber widersinnig. Kühnemann steht damit in einer seltenen Allianz mit der BUND-Vorsitzenden Doris Schmidt-Weiker. „Es gab dort ein Vogel-Monitoring, seltene Arten wie die Nachtigall haben dort gebrütet“, sagt die engagierte Naturschützerin. So sei ein wertvoller Lebensraum zerstört worden.

Der Weissacher Ortsbaumeister Klaus Lepelmann weist die Kritik zurück. „Wir haben uns fachlich nichts vorzuwerfen“, erklärt er, und verweist auf ein Gutachten des Planers Christian Küpfer vom Büro Stadt-Land-Fluss. Darin werde genau dieser Umbau empfohlen. Dieses war von kritischen Räten als „Gefälligkeitsgutachten“ bezeichnet worden. „Mich stört diese Bezeichnung“, erklärt Lepelmann im Gemeinderat.

Die Gemeinde weist die BUND-Vorwürfe zurück

Die Kritik der Naturschützer und einiger Gemeinderäte geht indes noch viel weiter. „Porsche wendet hier eine Salamitaktik an und will das Entwicklungszentrum immer mehr ausbauen“, sagt Doris Schmidt-Weiker. Um den Anbau zu ermöglichen, müsse Wald gerodet werden. „Dieser war eigentlich dafür gedacht, einen Sichtschutz für das Zentrum zu bilden“, sagt die BUND-Chefin. Auch sei er eine wichtige Grundwasserquelle für den Strudelbach.

Nicht zuletzt liege das Erweiterungsgebiet in einem regionalen Grünzug – deswegen läuft bekanntlich ein so genanntes „Zielabweichungsverfahren“, um eine Ausnahme für Porsche zu erreichen. Den Aktivisten der Umweltschutzorganisation BUND gehen auch weitere Projekte gegen den Strich, die die Landschaftszerstörung ausgleichen sollen. So sollen die ehemaligen Schafweiden im Gebiet Winterrain aufgeforstet werden. „Hier wachsen viele seltene Pflanzen, das ist ein wertvoller Magerrasen“, sagt Schmidt-Weiker.

Zudem verweist sie darauf, dass Porsche den auf Mönsheimer Gemarkung gerodeten Wald noch nicht wieder aufgeforstet hat, wie versprochen. Dazu erklärt Wolfgang Herz, der Erste Landesbeamte des Enzkreises: „Die Frist wurde verlängert, was aber nicht ungewöhnlich ist.“ Die Flächen seien zum Teil noch an Landwirte verpachtet. Von 5,73 Hektar wurden 1,75 Hektar bereits wieder mit Wald bepflanzt.

Im Weissacher Rathaus wird die BUND-Kritik zurückgewiesen, dessen Stellungnahme wurde gar nicht erst im Gemeindeblatt veröffentlicht. „Dort standen Angriffe auf die Verwaltung und Verkürzungen von Sachverhalten, die nicht zutreffen“, begründet Lepelmann dies. Die Bürgermeisterin Ursula Kreutel betont: „Wir pflegen mit dem BUND ein sehr gutes Verhältnis. Ich bin zuversichtlich, diese kleine Störung in der Tonlage zu bereinigen.“ Und der zweite Bürgermeister-Stellvertreter Martin Jäckle von der Bürgerliste sagt: „Das ist alles korrekt gelaufen. Es gibt keinen Grund, so einen Aufstand zu machen.“




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