Weissach Wer Most trinkt, erhält die Streuobstwiesen

Von Larissa Lewis 

Obst- und Gartenbauer aus dem ganzen Kreis trinken gemeinsam in der Strickfabrik. Sie wollen herausfinden, wer von ihnen das beste „schwäbische Nationalgetränk“ produziert hat. Die Teilnehmer aus dem Altkreis schneiden gut ab.

Mostprämierung in der  Alten Strickfabrik.  Stimmt die Farbe? Und wie ist der Gschmack? Wolfgang Hartmann, Franziska Nuber, Felix Nuber  und Anrdeas Lautenbach (von links) geben ihre Bewertung ab. Foto: factum/Bach
Mostprämierung in der Alten Strickfabrik. Stimmt die Farbe? Und wie ist der Gschmack? Wolfgang Hartmann, Franziska Nuber, Felix Nuber und Anrdeas Lautenbach (von links) geben ihre Bewertung ab. Foto: factum/Bach

Weissach - Der Most, das schwäbische Nationalgetränk, soll nicht in Vergessenheit geraten, denn die Zubereitung des Mostes war traditionell die wichtigste Verarbeitungsart von heimischem Streuobst. Auch heute noch wird mit diesem Getränk der Erhalt der ökologisch wertvollen und das Landschaftsbild prägenden Streuobstwiesen nach dem Motto „Schützen durch Nützen“ gefördert. Dafür findet einmal im Jahr der nun schon traditionelle kreisweite Wettbewerb um den besten Most statt.

Teilnehmen kann jeder aus dem Landkreis Böblingen und alle, die in einem Obst- und Gartenverein im Kreisverband Böblingen sind, der auch der Veranstalter des Wettbewerbs ist.

Gelegenheit, objektive Meinung zum eigenen Most zu hören

Hartmut Lonzer aus dem Vorstand des Kreisverbandes weiß, wieso jedes Jahr so viele Menschen beim Wettbewerb antreten. „Die Teilnehmer trinken schon seit Jahren liebend gerne Most und bereiten ihn auch selber zu. Unsere Prämierung gibt die seltene Möglichkeit, den eigenen Most zu präsentieren und objektive Meinungen zu hören.“ Die Gewinner erhalten eine Urkunde und einen Aufkleber, den sie an ihren Getränken anbringen können, um damit für ihren Most zu werben. „Der wichtigste Punkt der Veranstaltung ist aber der Erhalt der Streuobstwiesen.“

An zehn Tischen verteilt lauscht das Publikum in der Weissacher Strickfabrik der Begrüßungsrede von Bürgermeister Daniel Töpfer. Der Großteil bereitet selbst Most zu und ist Teilnehmer des Wettbewerbs. Manch andere sind dagegen als Begleitperson oder gar nur als „Verkoster“ da. Nachdem Manfred Nuber, der Fachberater für Obst- und Gartenbau vom Landratsamt Böblingen, die Spielregeln erklärt hat, geht es auch schon los. Auf den Tischen liegen die Bewertungsbögen bereit.

Nacheinander werden nun die verschiedenen Moste ausgeschenkt. Bei Brotstückchen und Käsewürfeln werden die Kategorien Farbe, Klarheit, Geruch, Geschmack und der Gesamteindruck bewertet; jeweils mit Punkten von eins bis fünf. Die Wertung der beiden Jury-Tische zählt doppelt.

An einem solchen sitzt Manfred Walz, der von allen Teilnehmern nur „Most-Professor“ genannt wird. Er ist ein wahrer Experte und weiß, worauf es bei der Zubereitung eines perfekten Mostes ankommt. „Wichtig ist natürlich in erster Linie das Obst. Der Reifegrad sollte auf den Punkt sein, nicht zu reif und nicht zu jung. Der Rest liegt an der richtigen Arbeitsweise. Sauberkeit und Luftabschluss der Fässer sind Paragraf eins der Mostzubereitung.“

Hörnlen: Oft kennt man nur seinen eigenen Most

Auch Bernd Hörnlen, der Vorsitzende des Obst- und Gartenvereins Weissach, ist dabei. Von ihm stammen die beiden „Eich-Moste“, die zu Beginn verkostet wurden, um die Geschmacksinne auf die kommenden Moste einzustimmen. Seit 2008 ist er nun schon dabei. „Oft kennt man nur seinen eigenen Most. Über die Vielfalt wird man sich erst bei diesem Wettbewerb bewusst.“

Die diesjährige Mostprämierung ist ein gemütlicher und erfolgreicher Abend. „Most-König“ wird Gerhard Müller aus Mötzingen, der Leonberger Martin Hartmann schafft es auf den dritten Platz. Die Teilnehmer aus Weissach erreichen folgende Platzierungen: Werner Knapp ist auf dem 9., Otto Walker auf dem 14., Peter Pegrisch auf dem 20. und Bernd Hörnlen auf dem 32. Platz. Darauf gibt es erst einmal einen kräftigen Schluck Most.




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