Nicht nur die Lokale Agenda protestiert gegen einen großen Hochwasser-Damm im Strudelbachtal. Die Bürgerliste legt einen Alternativplan vor. Auf Kritik stößt auch, dass ein Bauwerk bei der Ölmühle plötzlich wieder in den Plänen auftaucht.

Weissach - Im Strudelbachtal sieht man seit einiger Zeit ganz anschaulich, wie groß der geplante Staudamm werden könnte. Mit großen Holzgestängen und Bändern ist er markiert. Erst jetzt wird vielen Weissachern klar, was der Zweckverband Hochwasserschutz Strudelbachtal zwischen Weissach und Flacht plant. Sieben Meter hoch soll er sein und 28 000 Kubikmeter Wasser fassen. Und damit nicht genug: Eine eigentlich längst gestrichene Idee, oberhalb der Ölmühle einen weiteren Damm zu errichten, scheint doch wieder in der Diskussion zu sein.

 

„Das wäre eine ökologische Katastrophe“, schimpft Hansulrich Benz, der Eigentümer des Ölmühlen-Ensembles und Sprecher der Lokalen Agendagruppe. Hintergrund ist wohl, dass es im Nachbarort Eberdingen großen Widerstand gegen ein dort geplantes Staubauwerk gibt – daher bringt der Zweckverband wieder den Damm bei der Ölmühle ins Spiel. In der Verbandsversammlung haben Eberdingen und Vaihingen/Enz die Mehrheit, Weissach und der Landkreis Böblingen halten zusammen nur 36 Prozent der Anteile.

„Zutiefst erschrocken“

Auch der Künstler Fero Freymark meldet sich zu Wort. „Als ich die Ausmaße der Erdwälle gesehen habe, bin ich zutiefst erschrocken“, sagt er zum Großdamm zwischen Weissach und Flacht. Er schätzt sie auf 210 Meter Länge und 75 Meter Breite. Das übersteige die Vorstellungskraft eines „normal denkenden Mitbürgers“. Für diese Größe müssten wochenlange Unwetter hereinbrechen. „Das Strudelbachtal wäre dadurch in zwei Hälften geteilt“, schimpft Freymark, „von der Strudelbachhalle würde man beim Spaziergang von Flacht nach Weissach nichts mehr sehen.“

Die Lokale Agenda wirft dem Gemeinderat vor, das Thema verschlafen zu haben. „Wir haben schon 2005 auf die Pläne hingewiesen“, sagt Benz, „man hätte seither acht Jahre Zeit gehabt, Alternativen zu planen.“ Nun sei das Kind schon fast in den Brunnen gefallen. Benz kritisiert das Großbauwerk: „Man beraubt uns jeglicher Fantasie, wie eine grüne Mitte aussehen könnte.“

Die Agenda hat auch einen Alternativplan vorgelegt – vor allem sollen kleinere Dämme und Retensionsflächen zur Versickerung genutzt werden. „Eine viel effizientere und in die Landschaft problemlos integrierbare Rückhaltung könnte anderthalb Kilometer talabwärts über der Haldenwaldmühle entstehen“, sagt Benz.

Bürgerliste macht mobil

Aber nicht nur die Agendagruppe protestiert. War noch im Februar im Gemeinderat allenfalls leise Kritik zu hören, macht nun vor allem die Bürgerliste mobil. „Aus meiner Sicht ist die Maßnahme völlig überdimensioniert“, sagt der Fraktionschef Andreas Pröllochs. Man könnte den Effekt auch durch eine Reihe von kleinen Bauten erreichen. Die Bürgerliste hat dazu sogar ein detailliertes Konzept entwickelt, das sie im Gemeinderat vorstellen will.

Sie schlägt vor, in den Gebieten „Farnet“ und „Hinter der Kirche“ kleinere Hürden zu errichten. „Aus diesen Gewannen fließt das meiste Wasser aus Weissach, wir könnten dort eine Pufferzone einrichten“, sagt Pröllochs. Er räumt ein, dass man schon ziemlich spät dran sei – allerdings wolle man alles tun, um das große Bauwerk im Strudelbachtal zumindest zu verkleinern. „Ob wir es ganz umgehen können, wage ich zu bezweifeln“, sagt Pröllochs, „aber wir schaffen es vielleicht mit einem etwas sanfteren Eingriff in die Landschaft.“

Auch der Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) setzt sich nun an die Spitze des Protestes. „Ich kann mich nur dafür einsetzen, dass der Damm nicht gebaut wird“, erklärt er. Man könne den Bürgern nicht vermitteln, dass ein so großes Stauwerk dort entstehe, wo man seit Jahrhunderten eine grüne Mitte zwischen Weissach und Flacht habe. Die Idee sei erst aufgekommen, nachdem es in Eberdingen Proteste gegen den dort geplanten, neun Meter hohen Damm gegeben habe. Auch Töpfer ist skeptisch, ob man das Staubecken verhindern kann – aber zumindest soll es niedriger werden.

Mögliche Alternativen

Dass dazu das zweite Becken bei der Ölmühle wieder angedacht werde, irritiert ihn. „Der Strudelbach verläuft dort in seinem natürlichen Bachbett, das würde das ganze Konzept ad absurdum stellen“, erklärt der Bürgermeister. Es gebe Alternativen, so könne man einen Radweg an der Gemarkungsgrenze zu Eberdingen erhöhen, das wäre eine natürliche Barriere.

Wie geht es nun weiter? Eigentlich sollte noch im März eine Verbandsversammlung stattfinden, die ist aber noch nicht terminiert. Töpfer setzt darauf, dass man mit den anderen Anrainern des Strudelbachs noch mal ins Gespräch kommt.

„Solche Fragen sollten im Konsens entschieden werden“, sagt er. Die Gemeinde wird auch bei der Ölmühle Gestänge aufbauen – damit auch die Bürger dort sehen, welche Dimensionen der Hochwasserschutz dort annehmen könnte. Das dürfte die Proteste noch weiter befeuern.