Weissacher Dorfsommer Michael Schulte bringt norddeutschen Wind
Im Juli zieht es „The Voice“-Star und ESC-Veteran Michael Schulte nach Weissach. Im Gepäck hat er auch einen Vorgeschmack auf sein inzwischen siebtes Studioalbum.
Im Juli zieht es „The Voice“-Star und ESC-Veteran Michael Schulte nach Weissach. Im Gepäck hat er auch einen Vorgeschmack auf sein inzwischen siebtes Studioalbum.
An musikalischer Erfahrung fehlt es Michael Schulte wirklich nicht: Schon 2008 sah man ihn samt Gitarre in Youtube-Videos der ersten Stunde. Unter den Zuschauern war kein anderer als Rea Garvey, der wenig später in der ersten Staffel von „The Voice of Germany“ sein Mentor werden sollte.
Seitdem hat Schulte, der in der Nähe von Flensburg aufgewachsen ist und wegen seiner roten Locken gerne mal als „deutscher Ed Sheeran“ betitelt wird, kaum stillgehalten. Nebenbei ist er auch noch absoluter Sympath: Im Interview mit unserer Zeitung spricht er nicht nur fröhlich über seine Kinder und die WG-Zeit mit „The Voice“-Kollege Max Giesinger, sondern auch über seine Vorliebe für süddeutschen Wein und sein Konzert beim Weissacher Dorfsommer.
Michael, fremdelt man als waschechter Norddeutscher, wenn man für ein Konzert nach Schwaben fährt?
Nein, gar nicht. Ich bin seit einigen Jahren öfter im Süden unterwegs und habe selbst zwei Jahre in Mannheim gelebt. Es ist eine schöne Gegend und ich fühle mich sehr wohl.
In Mannheim hast du mit Max Giesinger zusammengewohnt, ihr habt beide an der ersten Staffel von „The Voice of Germany“ teilgenommen. Hat er dich bei den süddeutschen Dialekten trainiert? Max kommt ja aus Karlsruhe.
Als ich Max bei „The Voice“ kennengelernt habe, vor elf oder zwölf Jahren, da habe ich ihn wirklich sehr schlecht verstanden. Ich hatte vorher mit dem Badischen noch nie wirkliche Berührungspunkte. Inzwischen spricht Max aber auch viel mehr Hochdeutsch und ich verstehe die meisten Dialekte im Süden sehr gut.
Was gefällt dir an Baden-Württemberg ganz besonders?
Die positive Einstellung der Menschen, das Leichte. Im Norden ist es auch schön, aber natürlich flacher. Dass es in Baden-Württemberg etwas bergiger ist, gefällt mir deshalb gut. Und es gibt guten Wein!
2018 hast du für Deutschland am Eurovision Song Contest in Lissabon teilgenommen und den vierten Platz belegt. Was hat diese Erfahrung in den vergangenen fünf Jahren für dich verändert?
Das hat mir viele Türen geöffnet, musikalischer Art. Das gute Ergebnis hat dabei sicher auch geholfen. Es haben mich danach einfach sehr viele Leute auf dem Schirm gehabt, ich habe auch fleißig weitergearbeitet, viele Songs geschrieben und konnte dann nachlegen. Und auch privat war es eine aufregende Zeit, ich bin Papa geworden, 2018 und dann 2021 noch mal. Die vergangenen fünf Jahre waren sehr schön, sehr intensiv, und geprägt von vielen Veränderungen.
Besuchen dich deine Kinder auch mal, wenn du auf Tour bist?
Die kommen manchmal mit, wenn ich hier im Norden ein Konzert spiele. Für Auftritte im Süden ist die Fahrt aber doch oft zu anstrengend für alle. An und für sich klappt das aber ganz gut, sie wissen auch, dass Papa jetzt im Sommer öfter mal für ein Wochenende weg ist. Viel anstrengender ist das wahrscheinlich für meine Frau, da habe ich auf Tour die entspanntere Zeit.
Im September erscheint dein neues Album „Remember Me“. Wie ist das entstanden?
Mein letztes Album ist schon eine Weile her, 2019 war das. Danach habe ich zwar wieder zügig angefangen zu schreiben, wegen der Coronapandemie konnte ich mit dem Album aber erst 2022 wirklich richtig auf Tour gehen. Während der Pandemie war die Zeitrechnung auf einmal ganz anders. Dazu kam das Papa-Dasein, ich bin außerdem bei einem neuen Plattenlabel gelandet und inzwischen bei Universal. Da kam vieles zusammen, auch viel Gutes. Aber unter diesen Umständen wollte ich mir die nötige Zeit für das neue Album geben. Es eilt ja nicht. Jetzt bin ich aber froh, dass es soweit ist.
Wie anders ist „Remember Me“ im Vergleich zu den Vorgängern durch diese Reifezeit geworden?
Es ist viel Privates drin, viele Themen aus meinem Umfeld oder meinem eigenen Leben, die mich bewegen. Deshalb ist das auch ein sehr besonderes Album für mich. Ich bin jetzt in einer ganz anderen Lebenssituation. Die Texte sind dadurch vielleicht positiver als früher. Aber musikalisch ist es ein typisches Schulte-Album.
Gibt es bei deinem Konzert in Weissach auch eine kleine Kostprobe?
Es sind inzwischen schon ein paar Songs veröffentlicht, die Single „Waterfall“ etwa oder „More To This Life“ mit Max Giesinger. Die weiteren sieben Songs bleiben bis September aber noch Top Secret. Ein bisschen Spannung muss bleiben.
Michael Schulte
Mit Coversongs auf Youtube machte sich Schulte, Jahrgang 1990, einen ersten Namen. Richtig bekannt wurde er dann spätestens 2011 bei „The Voice of Germany“ – oder 2018 mit seiner Teilnahme am Eurovision Song Contest. Dort erreichte er mit „You Let Me Walk Alone“ den vierten Platz. Veröffentlicht hat Schulte inzwischen sechs Studioalben, außerdem mehrere Live-Alben und eine Platte mit Weihnachtsklassikern. Heute lebt der Vater zweier Söhne mit Kindern und Ehefrau in Buxtehude.
Weissacher Dorfsommer
Michael Schulte macht den Anfang: Er tritt am 21. Juli auf. Am 22. Juli folgt Paul Carrack mit der SWR Big Band. Sonntag, 23. Juli, ist Familientag. Am 24. Juli ist Vanessa Mai mit Wolkenfrei zu Gast, am 25. Juli Helge Schneider. Pietro Lombardi macht am 26. Juli den Abschluss. Tickets gibt es im Netz auf www.pm-event.de. Die Konzerte von Helge Schneider und Paul Carrack sind bestuhlt, Platz ist für 1200 Menschen. Stehend passen knapp 2000 Zuschauer vor die Bühne.