Weiße Flecken im Kreis Böblingen Wo es beim Mobilfunk hakt
Um Mobilfunklücken im Kreis Böblingen zu schließen, fehlt es nur an: Strom. Die Betreiber schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, meint unser Redakteur Jan-Philipp Schlecht.
Um Mobilfunklücken im Kreis Böblingen zu schließen, fehlt es nur an: Strom. Die Betreiber schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, meint unser Redakteur Jan-Philipp Schlecht.
Satte 98 Prozent Mobilfunkabdeckung im Kreis Böblingen – das klingt nach einer Erfolgsmeldung. Doch wer täglich auf der B 464 oder der A 81 unterwegs ist oder etwa auf der Böblinger Diezenhalde wohnt, weiß: Die Realität sieht anders aus. Abgebrochene Telefonate, stockende Videokonferenzen, keine Internetverbindung – Funklöcher sind im wirtschaftsstarken Landkreis Böblingen noch immer ein Problem. Klar: Jede gestörte Verbindung kann immer auch individuelle Gründe haben. Doch dass es Häufungen gibt, belegte das Landratsamt mit Messfahrten.
Der Zweckverband Breitbandausbau fuhr die Kreisstraßen ab – und machte erhebliche Diskrepanzen aus. Zwischen der theoretischen Abdeckung auf der Karte der Netzanbieter und der tatsächlichen Signalstärke klaffen mitunter erhebliche Lücken. Eine unangenehme Wahrheit, die die Betreiber sicher nicht gerne gehört haben dürften. Die aber viele plagt, nicht zuletzt Firmen und andere Gewerbetreibende. Gut also, dass der Landkreis die Öffentlichkeit in Form der Presse zur jüngsten Mobilfunkkonferenz in Böblingen eingeladen hatte.
Dort wurde auf erfrischende Weise Klartext gesprochen. Landrat Roland Bernhard sagte: Die Zeit ist reif, diese Funklöcher endlich zu stopfen. Nur war es bereits die zweite Veranstaltung dieser Art – und verbessert hat sich die Lage seitdem offenbar kaum. Der Holzgerlinger Bürgermeister Ioannis Delakos (parteilos) brachte es auf den Punkt: „Passiert ist nichts“.
Komplizierte Genehmigungsverfahren seien jedenfalls nicht mehr das Problem bei der Errichtung, gaben die Experten auf der Konferenz an. Die haben sich eingespielt und dauern etwa ein Jahr. Die eigentliche Bremse sind ausgerechnet die Energieunternehmen. Sie reagieren nur schleppend auf Anfragen zur Stromversorgung neuer Mobilfunkmasten und verlangen für Standorte im Außenbereich horrende Preise. Das Ergebnis: bis zu dreieinhalb Jahre Wartezeit, bis ein Mast steht. Das strapaziert die Geduld.
Ausgerechnet jene Wirtschaft, für die der Landkreis den Mobilfunkausbau beschleunigen will, bremst ihn selbst aus. Während die Telekommunikationsfirmen investieren wollen, schieben sich die Beteiligten gegenseitig die Schuld zu – ein „Fingerzeigen“, wie Bürgermeister Delakos es nannte. Und eines, das auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen wird. Unschön. Dabei fehlt es nicht an vollmundigen Versprechen.
„Wir wollen Sie ja mit Mobilfunk versorgen“, beteuerte ein Vertreter von Telefónica bei der Konferenz. Doch was nützen blumige Versprechen, wenn die Taten ausbleiben? Die Mobilfunkanbieter hätten bei der vorherigen Konferenz die Probleme „mitgenommen“ – so jedenfalls ihre Zusage. Ein Jahr später präsentieren sie zum Teil dieselben Vorträge wie damals. Kommt der Breitbandausbau in puncto Glasfaser im Kreis Böblingen gut voran (rund die Hälfte der Haushalte verfügt über einen Gigabit-fähigen Anschluss), so halten sich beim Mobilfunk die weißen Flecken hartnäckig. Interessant ist, dass sich in Sachen Mobilfunk die öffentliche Meinung recht klar gedreht hat.
Lange schieden sich die Geister an den Masten mit den weißen Antennen: Sie seien gesundheitsgefährdend und würden den Menschen den Schlaf rauben. Dabei konnte die Wissenschaft für derlei Befürchtungen keine Nachweise finden. Vielmehr gibt es klare Belege für einen Placebo-Effekt: Wissenschaftler befragten Anwohner rund um einen neu errichteten Mobilfunkmast in einem festgelegten Zeitraum vor und nach der Aufstellung zu ihrer Schlafqualität. Eine signifikante Menge gab an, der Mast beeinträchtige ihren Schlaf. Was die Probanden indes nicht wussten: Der Mast war noch gar nicht in Betrieb genommen.