Weißes Pulver am Gericht in Karlsruhe Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt

Von red/dpa 

Wer verschickt verdächtige Briefe mit weißem Pulver? Das versuchen Fahnder gerade herauszufinden. Klar ist: Es war nichts Giftiges in der Post. Der Schreck ist dennoch groß. Die Strafen sind saftig.

Das Bundesverfassungsgericht hat einen Brief mit weißem Pulver erhalten und ermittelt nun gegen Unbekannt. Foto: dpa
Das Bundesverfassungsgericht hat einen Brief mit weißem Pulver erhalten und ermittelt nun gegen Unbekannt. Foto: dpa

Karlsruhe - Die Serie dubioser Pulver-Funde in vielen Justizgebäuden in Deutschland zieht weitere Ermittlungen nach sich. So ermittelt im Fall eines Briefes mit weißem Pulver beim Bundesverfassungsgericht jetzt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gegen unbekannt. Obwohl sich die Substanz als Puderzucker und damit harmlos herausgestellt hat, nimmt die Anklagebehörde die Sache „sehr ernst“.

Auch an andere Justizstellen in mehreren Bundesländern waren Briefe entdeckt worden, aus denen Pulver rieselte. Das führte nicht nur zu Aufregung in den Poststellen, sondern löste kostenträchtige Polizei- und Feuerwehr-Einsätze aus. Mehrere Mitarbeiter wurden auf Gesundheitsschäden untersucht, einige Justizgebäude wurden vorsorglich gesperrt.

„Wir ermitteln wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe im Fall des höchsten deutschen Gerichts. Der Strafrahmen reicht von einer Geldstrafe bis zu drei Jahren Haft.

Häufung der Fälle ist auffällig

Beim Bundesverfassungsgericht war am Mittwoch ein verdächtiger Umschlag eingegangen, der an eine nicht näher genannte Person adressiert war und in der Poststelle geöffnet wurde. Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dem weißen Pulver um Puderzucker handelte. Der war auch in einem Brief, der etwa an das Amtsgericht Eisleben in Sachsen-Anhalt ging. Funde in München und dem oberbayerischen Wolfratshausen stellten sich gleichfalls als harmlos heraus. Die Häufung der Fälle ist auffällig. „Ein Zusammenhang liegt nahe“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Die Hintergründe sind bislang unklar.

Schon früher sind Briefe mit Pulver aufgetaucht - in manchen Fällen wollten sich Absender rächen, einen Schrecken einjagen, oder sie fanden es witzig. Besonders 2001 gab es auch im Südwesten nach der Milzbrand-Anschlagserie in den USA Trittbrettfahrer, die zu saftigen Geldstrafen verurteilt wurden. Im selben Jahr wurden wegen vermeintlicher Milzbrand-Briefe drei baden-württembergische Briefzentren evakuiert - Hunderttausende bekamen keine Post. Die Behörden gingen von einem bösen Schülerstreich aus.

Im Oktober 2002 wurde eine Politologin wegen Störung des öffentlichen Friedens zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt: Sie hatte wegen Mietstreitigkeiten ihrer früheren Untermieterin und deren Eltern in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) Briefe mit weißem Pulver nach Hause geschickt. Damals verschickten auch zwei Männer aus Frankfurt aus Hass auf Behörden über 100 Drohbriefe mit angeblichen Milzbranderregern in Baden-Württemberg und Bayern.