Weiter schlechte Luft in Ludwigsburg Kommt jetzt Tempo 30 auf der B 27?

Zehn Filtersäulen stehen in der Schlossstraße seit Mitte 2021. Foto: Simon Granville

Die Ergebnisse der Messungen in Ludwigsburg sind ernüchternd. Was kann die Stadt noch tun, um das Problem in den Griff zu bekommen? Oder löst es sich womöglich von selbst?

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ludwigsburg - Die Luft an der Bundesstraße 27 in Ludwigsburg ist weiterhin schlecht. An der Schlossstraße gegenüber dem Residenzschloss lag der Mittelwert über 365 Tage – die entscheidende Größe, wenn es um Fahrverbote geht – im vergangenen Jahr bei 44 Mikrogramm Stickstoffdioxid. Immer noch zu viel, der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm des gesundheitsschädlichen Gases pro Kubikmeter Luft.

 

Ludwigsburg belegt damit im landesweiten Vergleich einen traurigen letzten Platz, denn an allen anderen Straßenabschnitten, an denen die Luft besonders stark belastet war, ist sie im vergangenen Jahr deutlich sauberer geworden. In Stuttgart, Mannheim, Reutlingen und Heilbronn, wo teils höhere Werte als in der Barockstadt gemessen worden waren, sind die Fortschritte deutlich zu erkennen. In Ludwigsburg nicht. Allerdings unterscheidet die Messstelle dort, dass sie erst Anfang 2020 in Betrieb ging. An den anderen, besonders „dreckigen“ Abschnitten wird bereits seit 2018 gemessen. Dass Ludwigsburg hinterherhinkt und der einzig „verbleibende Hotspot“ ist, erklärt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) damit, dass die Maßnahmen von Stadt und Land zu spät kamen.

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Seit Ende Juni stehen stadteinwärts auf der rechten Seite der Schlossstraße zehn Luftfiltersäulen und es gilt Tempo 40. Vollkommen wirkungslos blieb das nicht. 2020 hatte der Jahresmittelwert noch bei 47 Mikrogramm Stickoxid gelegen.

Ergebnisse müssen im Detail analysiert werden

Sicherlich hätte sich die Stadt einen größeren Sprung nach vorne gewünscht – und gut findet Matthias Knobloch, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität, die Ergebnisse freilich nicht. Aus der Fassung bringen sie ihn aber auch nicht. Die Effekte der Filtersäulen seien noch „nicht richtig darstellbar“, da sie nicht über das komplette Jahr liefen. Außerdem habe sich der Verkehr im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2020 mit „echtem Lockdown“ wieder normalisiert. Man müsse die Ergebnisse erst genauer auswerten. Gegebenenfalls könnte die Stadt fünf weitere Filter installieren, das Land hat die Finanzierung bereits zugesichert.

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Zudem seien die Anlagen bislang auch noch nicht auf Volllast eingestellt, so Knobloch. Die bestehenden Filter werden mindestens bis Jahresende laufen, ursprünglich war angedacht, sie dann wieder abzubauen.

Autos werden absichtlich vor Ludwigsburg gestaut

Bei anderen Themen, wie einem besseren ÖPNV-Angebot, zusätzlichen Busspuren, Förderung der E-Mobilität, Radwegen oder der Digitalisierung von Leitsystemen sieht Knobloch die Potenziale annäherend ausgereizt. Mit rund 60 000 Autos täglich, die aus dem Neckartal oder von der Autobahn in Richtung Stuttgart oder in die umgekehrte Richtung fahren, ist die schmutzige Luft auch kein reines Ludwigsburger Problem. Winfried Hermann bringt deshalb eine sogenannte Pförtnerung ins Spiel. Mit Hilfe der Ampeln entlang der B 27 soll der Verkehr vor der Stadtgrenze „gestaut werden“. Knobloch hält das für sinnvoll, die Umstellung der Ampeln sei aber „nicht ganz trivial“, sie soll aber in diesem Jahr kommen. Stau bis zur Autobahn dürfe aber nicht die Folge sein, so Knobloch.

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Oberbürgermeister Matthias Knecht hatte sich in der Vergangenheit für möglichst viele 30er-Zonen in der Stadt ausgesprochen. Auch die helfen, die Luftqualität zu verbessern. Das Limit um weitere zehn Stundenkilometer auf der B 27 zu senken, hält Knobloch allerdings für nicht zielführend. Auf den Hauptstrecken brauche es einen „gewissen Geschwindigkeitsvorteil“, um die Autofahrer auch dort zu halten. „Es darf niemand auf die Idee kommen, dass er über irgendein Nebensträßchen eventuelle schneller ist“, so der Mobilitätsmanager, „dann hätten wir nichts gewonnen.“

Neue Autos, weniger Stickoxide

Im Übrigen ist der Verkehrsexperte überzeugt, dass sich die Probleme mittelfristig sowieso in Luft auflösen. Denn neue Autos belasten die Umwelt deutlich weniger. Je mehr sich die Flotte auf der Straße erneuere, desto besser werden die Werte. „Selbst wenn wir überhaupt nichts mehr machen, sind wir in drei Jahren unter dem Grenzwert“, glaubt Knobloch. Nichtstun kommt aber nicht in Frage, denn 60 000 Autos stoßen nicht nur Abgase aus, sondern machen auch jede Menge Krach. Für Knobloch steht fest: Die B 27 muss als Ortsdurchfahrt deutlich unattraktiver werden.

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