Weiterbau der B 10 bis Geislingen-Ost B 10: für mehr Tunnel und weniger Brücken

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Die Bürgerinitiative Alternative B 10 wehrt sich gegen die Vorwürfe, den Weiterbau bis Geislingen-Ost verhindern zu wollen. Den Aktivisten geht es nicht um eine andere Trassenführung, sondern eine menschen- und umweltverträglichere Lösung.

Nach den Ideen der Aktivisten müsste dieses Idyll am Oberböhringer Berg,  dem Weiterbau der B 10 nicht weichen. Foto: Alternative B 10/privat
Nach den Ideen der Aktivisten müsste dieses Idyll am Oberböhringer Berg, dem Weiterbau der B 10 nicht weichen. Foto: Alternative B 10/privat

Kreis Göppingen - Rund 1,5 Millionen Kilometer, so zumindest haben es Statistiker ausgerechnet, standen deutsche Autofahrer im vergangenen Jahr im Stau. Dass es künftig weniger sein werden, ist nicht zu erwarten. Wie viele dieser Kilometer zwischen Geislingen und Gingen angefallen sind, wurde zwar nicht errechnet, dass die dort nach wie vor zweispurige B 10 eine Staufalle ist, steht aber außer Frage. So gesehen, ist es überfällig gewesen, dass das Bundesverkehrsministerium zu Beginn dieser Woche den sogenannten Gesehen-Vermerk für den Weiterbau der Bundesstraße bis Geislingen-Ost erteilt hat.

Das Okay aus Berlin betrifft jedoch nur die vorgesehene technische Ausführung der etwa acht Kilometer langen Strecke. Belange des Umwelt- oder Artenschutzes müssen erst noch separat geprüft werden. Dass dies einige Zeit mehr in Anspruch nehmen wird, als zunächst gedacht, ist spätestens klar, seit in einem alten Bergwerksstollen – nicht unbedingt überraschend – Fledermäuse entdeckt worden sind. Ob nun 2024 oder 2026, bis zum Baubeginn wird es in jedem Fall dauern.

Kruschina: Wir wollen weder verhindern noch verzögern, sondern verbessern

Dennoch kann die Planfeststellung mit dem ministeriellen Vermerk nun beginnen, was Bundespolitiker, Landespolitiker, Oberbürgermeister, Bürgermeister sowie Kreis- und Gemeinderäte aus dem Kreis Göppingen schon mal jubeln ließ. Froh ist man auch bei der Bürgeraktion B 10 neu, die den Ausbau seit Jahrzehnten fordert und – was zunächst überraschen mag – bei der noch recht jungen Bürgerinitiative Alternative B 10 (BI).

Deren Mitglieder werden von vielen Seiten als Gegner das Weiterbaus bezeichnet, was aber absolut falsch sei, wie Rainer Kruschina und Werner Kaspari unisono versichern. „Wir wollen weder verhindern noch verzögern, sondern verbessern“, sagt Kruschina. „Zudem fordern wir keine andere Trassenführung, weil es ja offenbar nicht möglich ist, die Straße wo anders zu bauen“, ergänzt Kaspari. Der BI gehe es vielmehr darum, menschen- und umweltverträglichere Lösungen umzusetzen, wo es gehe, ergänzt der Geislinger, der in den Gassenäckern wohnt, also keine 50 Meter von der geplanten Trasse entfernt.

Diese Lösungen seien innerhalb des bestehenden Plans umsetzbar, ist Kruschina überzeugt. Der Kuchener sitzt für die SPD im Gemeinderat und im Kreistag und ist als Bauingenieur vom Fach. „Unsere Vorschläge sind, zusammenfassend formuliert, mehr Tunnels und weniger Brücken zu bauen. Unmöglich ist das nicht, wie aus den Plänen von 2008 hervorgeht.“

Eine Antwort des Regierungspräsidiums Stuttgart steht noch aus

Dass diese Verbesserungen mehr kosten würden, räumt Kruschina ein. Andererseits ließe sich auch Geld sparen, weil so manche Einrichtungen überflüssig wären. „Kein Tier braucht eine Grünbrücke, wenn die Wildwechselverbindung erhalten bleibt, weil die Autos im Tunnel unter der Wiese durchfahren.“ Einig sei man sich mit allen anderen Ausbau-Befürwortern, dass die Umfahrung bis Geislingen-Ost in einem Zug erstellt werden müsse. Auch dadurch ließen sich die Kosten reduzieren, weil man das Auffüllmaterial an der einen Stelle nicht kaufen und an der anderen nicht entsorgen müsse, sondern ein paar Kilometer weiterfahren und wieder einbauen könne, sagt Kruschina.

Am meisten ärgert die BI-Vertreter aber etwas anderes: So seien in diesem Jahr mehrere Schreiben an das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) geschickt worden, mit der Bitte über die Alternativlösungen zu reden. „Wir bekommen aber keine richtige Antwort, obwohl wir gemeinsam das beste Ergebnis erzielen wollen“, schimpft Kaspari.

Auf Anfrage unserer Zeitung entschuldigt sich das RP, „dass aus Kapazitätsgründen bislang keine Rückmeldung auf ein Schreiben vom 14. November möglich war“. Einen Brief der BI vom Januar habe man beantwortet. Verwiesen wird zudem auf eine Bürgerinformation, bei der im nächsten Frühjahr in Kuchen die aktuelle Planung vorgestellt werde.