Seit 2011 in der Theodor-Heuss-Straße: Sausalitos Foto: /Michael Weier
Die Nachwirkungen der Coronapandemie haben die Systemgastronomie Sausalitos in die Knie gezwungen: Das Unternehmen stellte für mehrere Gesellschaften Insolvenzanträge. In den zwei Stuttgarter Betrieben arbeiten 57 Mitarbeiter .
Die Stuttgarter Partymeile Theodor-Heuss-Straße passt eigentlich perfekt ins Konzept von Sausalitos: Bei dem amerikanisch-mexikanischen Restaurant gibt es nicht nur Burritos, Quesadillas und Fajitas zu essen, sondern auch jede Menge Cocktails in Jumbo-Größe. Regelmäßige Partys gehören zum Konzept. Seit Juli 2011 ist die Systemgastronomie mit Sitz in Bayern auch in Stuttgart präsent. Drei Jahre später kam ein zweiter Standort in der Marienstraße dazu. Doch seit der Coronapandemie scheint Teilen der Kundschaft die Lust am Feiern vergangen zu sein: Die Kette ist zahlungsunfähig. Für die Holding und fünf weitere Gesellschaften wurden am Amtsgericht München Insolvenzanträge gestellt, die Stuttgarter Standorte sind davon ebenfalls betroffen. Ein Investor soll das Unternehmen retten, hofft der Insolvenzverwalter Michael Schuster von der Kanzlei Jaffé.
Sausalitos gibt es an der Theodor-Heuss-Straße und der Marienstraße
Trotz der Pleite geht der Betrieb in den Lokalen an der Theodor-Heuss-Straße und der Marienstraße zunächst jedoch „uneingeschränkt“ weiter, betont Sebastian Brunner, der für die Öffentlichkeitsarbeit in dem Fall zuständig ist. Die insgesamt 57 Mitarbeiter behalten seinen Angaben zufolge ihre Jobs. Ihr Gehalt ist über das Insolvenzgeld für drei Monate bis Ende Mai gesichert. Dabei handele es sich vor allem um Teilzeitkräfte und Minijobber, erklärt Sebastian Brunner. Zu der Kette gehören 40 Standorte, an denen mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Von Franchisenehmern geführte Lokale seien von der Insolvenz nicht direkt betroffen.
In der Marienstraße gibt es seit rund zehn Jahren ein Lokal von Sausalitos. /Michael Weier
„Die anhaltenden Auswirkungen des geänderten Kundenverhaltens seit der Coronapandemie“ erschwerten dem Unternehmen das Geschäft. Auch die seither schwierige wirtschaftliche Lage im Land machte Sausalitos zu schaffen. Die Gästezahlen, die Einnahmen und die Rentabilität der Gruppe seien in der Folge gesunken, heißt es in der Mitteilung zur Insolvenz. Viele Lokale haben das Umsatzniveau aus der Zeit vor der Coronapandemie bis heute nicht erreicht. „Sausalitos hat ein sehr gutes, junges Image in Deutschland und ist Marktführer im mexikanisch-amerikanischen Gastro-Bar-Konzept“, preisen die aktuellen Geschäftsführer Michael Werner und Anton Dürrbeck in der Insolvenzmitteilung die Marke für künftige Geldgeber an. Die Kette sei außerdem „bekannt für seine handgemachte, gleichbleibende Cocktailqualität“.
Das Unternehmen wurde 1994 von Gunilla und Thomas Hirschberger in Ingolstadt gegründet. Auf die Idee waren sie bei einer Reise durch Kalifornien gekommen. Der Name soll von der Stadt Sausalito inspiriert sein. Sie verkauften es 20 Jahre später an den Investor Ergon Capital. Der neue Eigentümer verfolgte wie viele Systemgastronomen eine Expansionsstrategie: Das Ziel waren 100 Filialen bis zum Jahr 2029.
Auch bei der türkische Kette Big Chefs kam es zu einem Rückschlag auf dem Wachstumskurs: Die Stuttgarter Filiale beim Höhenpark Killesberg schlitterte Anfang Februar in die Insolvenz. „Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten entstanden insbesondere durch geringer als erwartete Umsätze in den Sommermonaten 2024 sowie eine unzureichende Umsetzung des Werbekonzepts“, teilte der Insolvenzverwalter damals mit. Der Betrieb konnte durch die Übertragung auf eine andere Gesellschaft gerettet werden.