So können sich nun unter anderem bis zu 25 Personen aus beliebig vielen Haushalten treffen – Geimpfte und Genesene zählen dabei nicht mit. Geburtstags- und Hochzeitsfeiern sind mit bis zu 300 Personen erlaubt, in Innenräumen allerdings nur mit dem Nachweis über Impfung, Genesung oder Testung. Öffentliche Veranstaltungen wie Theater, Flohmärkte, Stadtfeste oder Sportwettkämpfe sind im Freien mit bis zu 1500 Personen erlaubt, bei mehr als 300 Besuchern besteht aber Maskenpflicht. In geschlossenen Räumen sind bis zu 500 Personen erlaubt, diese müssen jedoch ebenfalls Masken tragen.
„Wir sind von einer Herdenimmunität noch weit entfernt“
„Ich sehe es als sehr erfreulich an, dass wir weitere Öffnungsschritte gehen können“, erklärt Landrat Dietmar Allgaier. Dennoch verspüre er ein „gewisses Unbehagen“ angesichts des Vormarschs der Delta-Variante, die vor allem im Zusammenhang mit der Rückkehr von Reisenden stehe „und wir gehen auf die Ferien- und Reisezeit zu“. Auch im Verbund der Regionalen Kliniken Holding (RKH) sei schon ein Patient mit der gefährlichen Variante eingeliefert worden, allerdings nicht im Ludwigsburger Krankenhaus.
Allgaier appelliert daher an die Bürger, trotz der Sehnsucht nach der Rückkehr in die Normalität nicht gleich alle Vorsicht über den Haufen zu werfen. „Wer das Gefühl hat, wir seien über dem Berg, liegt falsch“, sagt er. Wie schnell sich die niedrige Inzidenz wieder umkehren könne, habe man jüngst am Beispiel des Landkreises Göppingen gesehen. Dort führten mehrere Ausbrüche der Delta-Variante dazu, dass die Inzidenzzahlen wieder nach oben schnellten. „Und von einer Herdenimmunität sind wir noch weit entfernt“, so der Hinweis des Landrats.
Kreisimpfzentrum bleibt mindestens bis Mitte August
Im Kreisimpfzentrum gebe es diese Woche mit 1900 Impfungen „so viele wie bisher noch nie“, berichtet Allgaier weiter: „Das bedeutet quasi Vollauslastung.“ Das sei durchaus nicht jede Woche der Fall – es hänge davon ab, wie viel Impfstoff geliefert wird, „aber auch davon, dass das Impfangebot wahrgenommen wird“, so Allgaier. Nachdem es wochenlang sehr schwierig gewesen sei, im Kreisimpfzentrum einen Termin zu erhalten, gebe es jetzt öfter freie Kapazitäten. Auch von den Betriebsärzten höre er, dass die Möglichkeiten nicht immer ausgeschöpft würden und offenbar bei manchen Menschen „eine gewisse Resignation“ eingetreten sei oder mancher eben schlichtweg auch keine Impfung wolle.
Lesen Sie auch: „Sonder-Impftermine in Ludwigsburg“ Das Kreisimpfzentrum (KIZ) soll bis mindestens 15. August bestehen bleiben, erklärt Allgaier: „Wir hoffen, dass das Angebot im Juli und August gut angenommen wird.“ Der Landkreis stelle sich auch darauf ein, das KIZ darüber hinaus noch bis Ende September weiter zu betreiben.
Tests sinken von 3000 auf 2000 Stück
Florian Mader von der Pressestelle des Sozialministeriums Baden-Württemberg weist zudem darauf hin, dass sich die Impfsituation im Land generell entspanne. „Eigentlich sollte nun jeder, der einen Impftermin wünscht, auch einen bekommen – sogar mit dem stark nachgefragten Vakzin von Biontech“, erklärt Mader. Was aber deutlich festzustellen sei, das ist die nachlassende Nachfrage bei den Testzentren. „Da die Notwendigkeit von Tests weniger wird und zudem die Kostenerstattung von derzeit 18 Euro pro Test voraussichtlich sinken wird, ist eine Marktregulierung zu erwarten“, erläutert er.
Das bestätigt die Apothekerin Sigrid Ensslin, die in Marbach das Testzentrum in der Haffnerhalle betreibt. „Wir segeln hart am Wind, werden das Testzentrum aber wegen der Reiserückkehrer und der unklaren Entwicklung mit der Delta-Variante bis in den Herbst aufrechterhalten“, informiert sie. Sie sieht ihre Arbeit als einen wichtigen Beitrag zur Pandemiebekämpfung, einen Gewinn will sie mit dem Testzentrum auch ohnehin nicht erwirtschaften. Bedingt auch durch die Urlaubszeit sei die Zahl der Testungen in der vergangenen Woche ein ganzes Stück auf 2000 gesunken, in der ersten Juniwoche hätten sich noch 3000 Menschen testen lassen wollen.