Wer in Stuttgart im Frühling nur achtlos an den Wiesen vorbeiläuft, verpasst eine geheime Welt: Zwischen Grabkapelle, Schlossgarten und Hinterhof-Beeten flattern Schmetterlinge, die zeigen, wie bunt Stuttgart ist.
Schmetterlinge gehören zu den auffälligsten, aber auch empfindlichsten Wildtieren in Stuttgart. Wer genauer hinschaut, entdeckt verschiedene Arten bunter Falter. Zugleich stehen die zarten Falter sinnbildlich für den dramatischen Rückgang der Insektenvielfalt: Viele heimische Arten gelten inzwischen als gefährdet, weil ihre Lebensräume verschwinden.
Wo kann man in Stuttgart Schmetterlinge entdecken?
Schmetterlinge findet man ab dem Frühjahr bis in den frühen Herbst auf sonnigen Wiesen, in naturnahen Gärten oder an ungemähten Wegrändern. Die Blühwiesen rund um die Grabkapelle auf dem Württemberg sind ein guter Ausgangspunkt für die Suche nach den bunten Faltern. In Stuttgart werden mehrere Wiesen vom BUND in Kooperation mit der Wilhelma Parkpflege betreut. So wird mehr Lebensraum für Schmetterlinge in Stuttgart geschaffen. Diese speziellen Wiesen befinden sich an der Alten Meierei, im Rosensteinpark, in der Wilhelma, am Polizeipräsidium Hahnemannstraße, an der Uni Vaihingen sowie im Unteren Schlossgarten und sind durch entsprechende Schilder gekennzeichnet.
Zwischen Mai und Juli können Interessierte an Schmetterlings-Spaziergängen in Stuttgart teilnehmen. Schmetterlings-Experte Fritz Weber zeigt Teilnehmenden die Hotspots und lässt die Falter sogar kurzzeitig mit einem Netz einfangen, damit man sie aus nächster Nähe beobachten kann.
Schmetterlingen im Insektarium der Wilhelma ganz nah kommen
Neben Krebsen, Skorpionen und Spinnen finden sich im Insektarium der Wilhelma auch zahlreiche bunte Schmetterlinge. In der Schmetterlingshalle kann man die bunten Falter auf Pflanzen, an Futterstellen und im Flug beobachten. Die tropischen Tiere kommen verpuppt aus Schmetterlingsfarmen in den Zoo. In einem Schaukasten kann man den Tieren beim Schlüpfen zusehen. Hier sind unter anderem der Atlasfalter, Bananenfalter und der Blaue Morpho zu sehen.
Weißlinge, die häufigen Bewohner Stuttgarts und Umgebung
Weißlinge, wie der Kleine und Große Kohlweißling oder der Grünaderweißling gehören zu den häufigsten Schmetterlingen im Raum Stuttgart. Sie leben im offenen Gelände, auf Wiesen oder Kulturland.
Der Große Kohlweißling hat weiße Flügel und erreicht eine Spannweite von bis zu sechs Zentimetern. Die Spitzen der Vorderflügel sind schwarz. Weibliche Exemplare sind an zwei zusätzlichen runden, schwarzen Flecken zu erkennen. Die Tiere überwintern als Puppen und schlüpfen ab April, wenn es endlich wärmer wird. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Raupen, die dann mit dem Fraß an der Wirtspflanze beginnen. Nach vier Wochen verpuppen sich die Raupen und schlüpfen zwei Wochen später als Schmetterlinge.
Der verwandte Kleine Kohlweißling bringt es auf eine Flügelspannweite von vier bis fünf Zentimeter und verfügt über eine feinere graue Färbung an den Flügelspitzen. Männliche Tiere tragen hier zusätzlich einen grauen Fleck, weibliche Tiere schmücken zwei solcher Flecken. Die Unterseiten der Flügel sind hell grau-gelb bis grünlich-gelb gefärbt. Die weiblichen Schmetterlinge legen ihre Eier, im Gegensatz zum Großen Kohlweißling, einzeln ab und auch die Raupen bleiben Einzelgänger.
Die Familie der Weißlinge umfasst weltweit rund 1000 Arten, unter anderem auch den Grünaderweißling. Die Flügel sind gelblich bis weißlich und Hinterflügel-Unterseiten sind von kräftigen grünen Adern durchzogen. Der kleine Tagfalter bringt es auf eine Flügelspannweite von 3,5 bis 4,5 Zentimetern.
Kohlweißlinge haben großen Appetit auf Kohl, was sie bei Gärtnern teilweise unbeliebt macht. Wegen des Senföls, dessen Duft die Tiere anlockt, lieben sie Kreuzblütler, wie Kohl- und weitere Gemüsearten. Die jungen Raupen ernähren sich außerdem gerne von Kapuzinerkresse und Raps. Erwachsene Falter trinken gerne den Nektar von Wiesen-Salbei, Wiesen-Flockenblumen und Lavendel.
Zitronenfalter: Knallgelber Flugkünstler
Der männliche Zitronenfalter fliegt Waldränder und Waldwege entlang auf der Suche nach einem Weibchen seiner Wahl. Diese sind eher weißlich-grün gefärbt. Der Tagfalter bringt es auf eine Flügelspannweite von bis zu sechs Zentimetern. Die Hauptnahrungsquelle des Zitronenfalters ist der Faulbaum oder auch der Kreuzdorn. Zwischen den Blättern und Zweigen legt das Weibchen seine rund 100 Eier.
Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Jungen, bevor sie sich nach etwa drei bis sieben Wochen verpuppen. Ende Juni bis Anfang August, nach zwei Wochen Puppenruhe, schlüpfen die jungen Falter. Nach nur etwa zwei Wochen halten die Falter jedoch einen Sommerschlaf und werden erst im Herbst wieder richtig wach.
Im Winter wiederum hält der Tagfalter Winterschlaf. Dabei lässt er alle Flüssigkeit aus dem Körper scheiden, die er nicht zwingend benötigt. So übersteht der zarte Schmetterling auch frostige Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Dank seiner zwei Schlafzeiten mit vermindertem Stoffwechsel wird der Zitronenfalter bis zu zehn oder elf Monate alt und ist damit der langlebigste Schmetterling in unserer Region.
Junge Falter ernähren sich am liebsten von lilafarbenen Pflanzen wie Kratzdisteln, Sommerflieder oder Blutweiderich. Die älteren Falter sind etwas flexibler.
Das majestätische Tagpfauenauge
Schon früh im Jahr macht sich das Tagpfauenauge auf die Suche nach seinen Lieblingspflanzen Huflattich, Schlehen und Weiden. Diese Schmetterlingsart gehört zur Familie der Edelfalter und außerdem zu den häufigsten Schmetterlingen in der Region Stuttgart. Seine Flügelspannweite beträgt etwa fünf bis sechs Zentimeter. Wie bei den Raupen einiger anderer Falter ernähren sich die des Tagpfauenauges ausschließlich von Brennnesseln. Zu Beginn sind die Raupen grüngelb gefärbt, werden später jedoch tiefschwarz mit weißen Punkten und tragen dornige Fortsätze.
Die Falter tragen auf der Flügeloberseite vier markante bunte Augen auf braunrotem Grund. Diese Augen dienen der Abschreckung von Fressfeinden. Die Unterseite der Flügel ist schlicht graubraun und dient der Tarnung des Falters. Neben den oben genannten Fresspflanzen speist das Tagpfauenauge auch an Pflaume, Löwenzahn, Disteln, Flockenblumen, Wasserdost, Klee und Luzerne. Bis zu 200 Pflanzen wurden als Nahrungsquelle für diesen Schmetterling bereits registriert.
Im Herbst suchen alle Falter nach geeigneten Winterquartieren. Zur Zeit der Weidekätzchen-Blüte verlassen sie ihre Quartiere wieder, um sich zu paaren und ihre Eier zu legen. Im Durchschnitt legt ein Weibchen dieser Art bis zu 400 Eier.
Kleiner Fuchs
Der Kleine Fuchs gehört zu den häufigsten Schmetterlingen in Stuttgart und Umgebung und fällt durch seine leuchtend orange Farbe auf. Die Ränder der Flügel sind braun und tragen leuchtend blaue Punkte darauf. Am oberen Rand der Vorderflügel sind größere braune Punkte zu sehen. Die Unterseite ist dunkel. Auch dieser Schmetterling gehört zur Familie der Edelfalter. Dieser Tagfalter bringt es auf eine Flügelspannweite von vier bis fünf Zentimetern.
Die Raupen dieses Tagfalters ernähren sich hauptsächlich von Brennnessel. Hier legen die Weibchen auch ihre Eier ab. Bis zu 200 Stück pro Muttertier. Erwachsene Tiere ernähren sich von verschiedenen Blütepflanzen wie Wasserdost und Kratzdistel.
C-Falter
Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt dieser Tagfalter dem deutlich sichtbaren weißen „C“ auf der Unterseite seiner Hinterflügel. Die Oberseite der Flügel strahlt in einem leuchtenden Orange auf dessen Grund sich ein charakteristisches Muster aus gelben und braunen Flecken abzeichnet. Der C-Falter erreicht eine Flügelspannweite von vier bis fünf Zentimetern.
Die Raupen des C-Falters sind orangebraun mit schwarzer Musterung. Der Rücken im vorderen Teil ist schwarz-gelb, im hinteren Teil weiß. Der Körper ist außerdem mit Dornen bedeckt, die am hinteren Rücken weiß oder gelblich sind. Die Dornen entwickeln sich erst mit der Zeit. Sehr junge Raupen tragen statt der Dornen Haare.
Der Falter lebt in verschiedenen Umgebungen, unter anderem an Waldrändern und in Gebüschen, in Gärten und Parkanlagen. Beobachten kann man ihn vom Frühling bis in den Herbst hinein. Auch diese Tagfalter-Art überwintert. Die Raupen des C-Falters ernähren sich wie die des Tagpfauenauges und Kleinen Fuchses von Brennnesseln. Erwachsene Tiere sitzen häufig auf Beerensträuchern, wo sie Nektar und Beerensaft trinken. Außerdem trinken sie vom Schmetterlingsflieder, Weidenkätzchen und ernähren sich von Obst.
Admiral mit leuchtend roter Binde
Den Admiral erkennt man an den auffälligen roten Binden auf dem dunkelbraunen Grund der Vorder- und Hinterflügel. Die Spitzen der Vorderflügel sind schwarz und tragen auffällige weiße Punkte. Der prächtige Edelfalter bringt es auf eine beachtliche Flügelspannweite von bis zu 6,5 Zentimetern.
Der Admiral ist ein Wanderfalter, da er ursprünglich aus Südeuropa über die Alpen nach Mitteleuropa kam, hier Jungtiere zur Welt brachte und anschließend im Herbst wieder zurück in den Süden zog. Über 2000 Kilometer legte der bunte Falter so früher jährlich zurück. Inzwischen ist die Überwinterung in Deutschland zur Regel geworden. Die Tiere wandern nicht mehr in den Süden Europas zurück, sondern ziehen im Sommer bis nach Skandinavien und überwintern beispielsweise am Oberrhein.
Ausgewachsene Falter saugen den Nektar von Schmetterlingsflieder, Fetthenne, Wasserdost oder Brombeeren. Im Herbst ernähren sie sich auch von Fallobst oder Efeublüten. Die Raupen ernähren sich nur von Brennnesseln, wo die Weibchen auch ihre Eier ablegen.
Wanderfalter Distelfalter
Der Distelfalter ist nahezu auf der ganzen Erde vertreten. Die europäischen Winter verträgt der Tagfalter nicht, weshalb er jedes Frühjahr aus dem Süden nach Deutschland einfliegt. Seine Oberflügel strahlen in rot, rosa und rostrot, kombiniert mit zahlreichen schwarzen Flecken. An den Flügelspitzen trägt er auch weiße Flecken. Distelfalter bringen es auf eine Flügelspannweite zwischen vier und ganzen 7,3 Zentimetern.
Den Distelfalter findet man in zahlreichen offenen Lebensräumen, auch in Gärten, wo er Nektar saugt. Er liebt Disteln, doch ist er bei der Nahrungsquelle nicht besonders wählerisch. Auch die Raupen sind nicht eingeschränkt und knabbern an Disteln und Kratzdisteln aller Art, aber auch an Brennnesseln, Schmetterlingsblütlern, Malven und Korbblütlern.
Weitere Arten, die in Stuttgart und Umgebung vorkommen:
- Das Landkärtchen ist in einigen Gebieten Baden-Württembergs noch verbreitet, ist aber um einiges weniger auffällig.
- Das Schachbrett ist häufig auf mageren Wiesen und Böschungen im Umland unterwegs.
- Das Große Ochsenauge wird in der Stadt immer seltener, ist im Umland noch zu finden.
- Der Hauhechel-Bläuling ist lokal noch auf blütenreichen Wiesen zu finden. Der Bestand geht innerstädtisch aber stark zurück.
- Auch Nachtfalter wie Gammaeule, Hausmutter oder andere Eulen und Spanner sind ebenfalls in Baden-Württemberg und dem Raum Stuttgart ansässig, doch werden sie aufgrund ihrer Nachtaktivität bedeutend weniger wahrgenommen.
Sterben Schmetterlinge aus?
Ja, viele Schmetterlinge gehören zu bedrohten Arten. Im Jahr 2025 wurde von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum Karlsruhe eine neue „Rote Liste“ veröffentlicht, die den Rückgang auf breiter Basis verdeutlicht. Mehr als die Hälfte aller bewerteter Schmetterlingsarten sind gefährdet oder potenziell gefährdet. Der Rückgang der Schmetterlinge steht dabei auch für das umfassende Problem des Verlusts der Insektenvielfalt.
Der Rückgang der Schmetterlinge betrifft Tiere in allen Lebensräumen – vom Moor, über Wiesen, bis zu Waldrändern. Besonders betroffen sind Tiere, die auf offenes Land angewiesen sind, denn diese Flächen haben sich in der Vergangenheit stark verändert, wurden aufgeforstet, oder bebaut. Lebensräume wie Feuchtwiesen, Magerrasen oder felsige Trockenhänge sind heutzutage meist in einem schlechten Zustand oder nur noch als kleine Flächen vorhanden. Durch die Isolation dieser kleinen Lebensräume sind einzelne Populationen voneinander getrennt, was eine genetische Verarmung zur Folge hat. Außerdem haben die Tiere dadurch eine geringere Widerstandsfähigkeit und sind einem größeren Aussterberisiko ausgesetzt.