Weltcup-Finale Wetter hilft Vlhova: Alpine Alleskönnerin vor Krönung

Zu viel Nebel auf der Strecke machte sichere Rennen in Lenzerheide unmöglich. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa Foto: dpa 2 Bilder
Zu viel Nebel auf der Strecke machte sichere Rennen in Lenzerheide unmöglich. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Die witterungsbedingten Absagen der Speedrennen in Lenzerheide spielen Ski-Star Petra Vlhova in die Karten. Angetrieben von einem außergewöhnlichen Trainer und ausgestattet mit außergewöhnlicher Vielseitigkeit ist die Slowakin ihrem großen Traum nun ganz nahe.

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Lenzerheide - Petra Vlhova ist so gut wie am Ziel. Nachdem beim alpinen Saisonfinale in Lenzerheide nach den Abfahrten am Mittwoch auch die Super-G-Rennen am Donnerstag wegen Nebels abgesagt wurden, hat die 25 Jahre alte Skirennfahrerin den Gesamtweltcup fast schon sicher.

Geschieht kein Wunder mehr, wird sie als erste Slowakin die große Kristallkugel holen - und ihre persönliche Mammutsaison krönen. Kein einziges Einzelevent hat die Allrounderin in diesem Winter ausgelassen. Nach einem furiosen Saisonstart mit drei Siegen in den ersten vier Rennen schien sie der hohen Belastung im Januar Tribut zu zollen und schwächelte. Doch im Schlussspurt bekam sie die zweite Luft - und beim Showdown in der Schweiz auch Hilfe vom Wettergott.

96 Punkte liegt Vlhova vor der Schweizerin Lara Gut-Behrami. Dass die auf die Speeddisziplinen spezialisierte Weltmeisterin und Gesamtsiegerin im Super-G diesen Rückstand in den beiden ausstehenden Technikrennen noch aufholt, ist unwahrscheinlich. Im Riesenslalom könnte sie noch Punkte gut machen, im Slalom eher nicht. Letztlich wird es Vlhova schon reichen, zweimal sicher ins Ziel zu fahren.

"Unser Ziel ist der Gesamtweltcup, weil das etwas Historisches in der Slowakei wäre", hatte Vlhovas Trainer Livio Magoni vor der WM in Cortina d'Ampezzo im Februar nochmal betont. Vlhovas Saison war von Anfang an komplett auf diesen Triumph ausgerichtet. Und der Italiener ein entscheidender Faktor auf ihrem Weg an die Spitze. Magoni, der einst schon die Slowenin Tina Maze zum Gesamtweltcupsieg drillte, gilt als harter Hund. Seit 2016 führte er Vlhova nun kontinuierlich nach oben - mit akribischer Arbeit und unkonventionellen Methoden.

Mit Schlagzeugspielen etwa soll Vlhova ihre Koordination zwischen Händen und Füßen verbessern, beim Tennis oder Kajakfahren die Bewegungen ihres Oberkörpers beim Skifahren simulieren. Bruder Boris brachte sie zum Motocross-Fahren für die Stärkung des Gleichgewichts, ihre Reaktion schärft sie mit dem Selbstverteidigungskampfsport Krav Maga. Und sie jogge mit angehängtem Fallschirm, erzählte sie einmal.

Nach und nach führte Magoni sie neben ihrer Kerndisziplin Slalom im Laufe der Jahre auch an den Riesentorlauf, die Abfahrt und den Super-G heran. Und mit diesem Komplettpaket stach Vlhova nun alle aus - auch die amerikanische Ausnahmeathletin Mikaela Shiffrin, in deren Schatten sie in den vergangenen Wintern immer unterwegs war.

"Es ist bewundernswert, wie sie trotz der großen Umfänge, die sie fährt, und ihrer Verbissenheit immer die notwendige Lockerheit auf die Piste bringt", lobte der deutsche Damen-Coach Jürgen Graller.

Dass ihr angesichts ihrer XXL-Strapazen im Vorfeld der WM die guten Ergebnisse etwas ausgingen, sei keine Überraschung, sondern zu erwarten gewesen, sagte Magoni. Bei den Titelkämpfen selbst reichte es für Vlhova dann immerhin zu zweimal Silber in Kombination und Slalom. Und beim Heimweltcup kurz später war sie wieder ganz vorne.

"Vor Jasna habe ich mich ein bisschen anders fokussiert. Ich habe mich mehr auf mein Skifahren konzentriert und versucht, nicht über den Gesamtweltcup nachzudenken", sagte Vlhova zuletzt. Mit Erfolg. Anders als bei den Herren, wo der Franzose Alexis Pinturault und der Schweizer Marco Odermatt im Kampf um die große Kristallkugel nur 31 Punkte auseinander liegen, ist bei den Damen die Entscheidung quasi gefallen - und Alleskönnerin Vlhova die designierte Alpin-Königin.

© dpa-infocom, dpa:210318-99-872980/4

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