Die wichtigsten Staaten der Welt tagen in verschiedenen Gruppen. Eine G5 gibt es noch nicht. Der russische Präsident will sie ins Leben rufen – mit dem größten nur vorstellbaren Ziel.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Stuttgart - An die Treffen der G20 hat man sich ja gewöhnt. Die Abkürzung steht für „Gruppe der 20“, in der – Achtung Falle – die 19 wirtschaftsmächtigen Länder der Welt vertreten sind – und die EU als Gesamtheit. Seit 2009 gilt die eigentlich nur informell tagende Gruppe als das Gremium schlechthin für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die G20-Gruppe ist damit deutlich jünger als die seit 1975 tagende G7, die zwischen 1998 und 2014 zur G8 wurde, weil Russland da den Kreis der bedeutendsten Industrienationen angehörte. Allen zusammen gemeinsam ist, dass sie bekannter sind als die G4. Das sind Deutschland, Japan, Brasilien und Indien, die seit Jahren versuchen, die Vereinten Nationen zu reformieren. Genau dabei könnten sie demnächst Konkurrenz erhalten – und zwar durch die G5.

Warnung vor Geschichtsvergessenheit

Zwei mal, kurz hintereinander, hat Wladimir Putin zu Beginn dieses Jahres eine Idee ins Spiel gebracht, die genau darauf hindeutet. Der russische Präsident warnte vor Geschichtsvergessenheit und erklärte, dass die fünf Gründungsstaaten der UN eine besondere Verantwortung „für den Erhalt der Zivilisation“ trügen. Auch wenn es 50 Staaten waren, die am 26. Juni 1945 in San Francisco die UN-Charta unterzeichneten, besteht kein Zweifel daran, dass Putin neben seinem Land die vier weiteren ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates meint: USA, China, Frankreich und Großbritannien. Frankreich und China haben Interesse signalisiert.

Mögliches Treffen am 9. Mai

Russische Medien spekulieren darüber, dass der Kreml ein Treffen für den 9. Mai in Moskau ins Auge fasst – dann, wenn dort der 75. Tag des Sieges im großen Vaterländischen Krieg begangen wird. Was genau dabei besprochen werden könnte ist weitgehend unklar, wird aber auch von der Symbolik überschattet. Solch ein Treffen hat es immerhin seit Jahren nicht gegeben. Bemühungen, die Zivilisation, oder wenigstens die UN zu retten, die gab es hingegen schon. Die wichtigsten Vorschläge sind regelmäßig gescheitert – zum Beispiel ein Ende des Vetorechtes der fünf Länder, die vor 75 Jahren zu den Siegern des Krieges zählten. Eines kann man dem möglichen Treffen im Mai schon heute vorhersagen: diesen Vorschlag werden die G5 ganz sicher nicht auf den Tisch legen.

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