Weltfrauentag Wut, die zu Hass wird, ist gefährlich

Von Aufgezeichnet von Elisabeth Hussendörfer 

Heute sehe ich Sorglosigkeit, wenn ich durch die Berliner Innenstadt gehe. Die Stadt hat sich schnell erholt. Nur die Seelen nicht. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, damit zurecht zu kommen. Man kann verdrängen, verherrlichen – oder man geht den geraden Weg und zieht die Konsequenz. Nie wieder Krieg, sag ich, wenn ich im Fernsehen die Bilder von Syrien oder Afghanistan sehe. Mag sein, dass es wie eine Floskel klingt, mir aber gehen die Worte durch und durch.

Natürlich wird man beim Anblick sterbender Kinder wütend und will den Fernseher am liebsten an die Wand schmeißen. Aber ich sage mir dann: Stopp! Denn Wut, die zu Hass wird, ist gefährlich. Die eigenen Emotionen zu beobachten dagegen . . . dadurch löst sich was. Jeder kann das ausprobieren, schon mit der nachbarschaftlichen Auseinandersetzung über die zu hoch gewachsene Hecke geht es los.

Aufeinander zugehen – darauf kommt es an

Am lernfähigsten sind wir als Kinder, und meine eigenen drei Kinder zu friedlichen Menschen zu erziehen, wäre mir zu wenig gewesen. Vierzig Jahre habe ich beim Verlag Junge Welt als Lektorin gearbeitet. Die Zeitschrift ,Fröhlich sein und singen’, die wir gemacht haben, hat sich vordergründig mit Themen wie Sport, Natur und Basteln beschäftigt. Aber mir ging es auch darum, einer nachwachsenden Generation zu zeigen, wie wichtig es ist, auf den anderen zuzugehen. Für mich der größte Erfolg meiner beruflichen Laufbahn: ,Das kleine Buch vom großen Frieden’, entstanden aus einem Aufruf in der Zeitschrift und 1985 herausgekommen.

Der Verlag unterstand wie alle Verlage in der DDR einer Organisation, in diesem Fall dem Zentralrat der FDJ. Ich bin dort als Jugendliche Mitglied gewesen, wie 99,9 Prozent aller jungen Leute. Für mich war die Arbeit als Lektorin aber nichts Parteipolitisches. Ich hab mich nie als Handlangerin gesehen, ich wollte aus dem selbst Erlebten etwas weitergeben. Nach der Wende wurde die Junge Welt abgewickelt, sprich: von einem westlichen Verlag übernommen, ich bin dann in Rente gegangen. Was ihr da produziert habt, war Propaganda – ich weiß, dass manche das so sehen. Ich bin eher unpolitisch, und ich wollte im Rahmen des mir Möglichen dafür sorgen, dass die Vergangenheit sich nicht wiederholt. Nicht hier in Berlin. Und auch nicht anderswo.“