Weltgebetstag auf den Fildern Begegnungen mit Überlebenskünstlern

Von Ursula Vollmer 

Ulrike Pfab berichtet anlässlich des Weltgebetstags am Freitag, 3. März, von ihrer Reise durch die Philippinen. Wir sagen, wo in Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen, Steinbronn und Waldenbuch es weitere Veranstaltungen gibt.

Josephine Juco hat mit einem Kleinkredit einen Straßenimbiss eröffnet. Foto: Opmeer Reports
Josephine Juco hat mit einem Kleinkredit einen Straßenimbiss eröffnet. Foto: Opmeer Reports

Sielmingen - Seit einem Monat ist Ulrike Pfab wieder zuhause. Doch die Eindrücke, die sie von ihrer dreiwöchigen Philippinen-Reise mitgebracht hat, lassen die Sielmingerin so schnell nicht los. Die Begegnungen mit vielen Männern und Frauen, die oft unter widrigsten Bedingungen versuchen, die Familie mit ein paar Pesos über die Runden zu bringen, wirken nach und lassen die Referentin für Bildung und Öffentlichkeitsarbeit noch immer staunen: „Es ist einfach überwältigend,„wie sich vor allem Frauen dort über Haushalt und Kinder hinaus um Lebensperspektiven bemühen – zum Wohl der ganzen Großfamilie“.

Eine dieser bewundernswerten Vertreterinnen ist Josephine, die – wenngleich nicht persönlich – am 3. März in Sielmingen zu Gast sein wird. Jeweils am ersten Freitag im März wird auch auf den Fildern der ökumenische Weltgebetstag gefeiert, eine Bewegung christlicher Frauen, die seit mehr als hundert Jahren ihre Solidarität und globale Verantwortung zum Ausdruck bringen wollen. Die Vorbereitung mit Texten und Liedern übernimmt dabei jeweils ein anderes Land.

Die Familie ersetzt auf den Philippinen den Sozialstaat

In diesem Jahr stammt die Liturgie von den Philippinen, und der Leitgedanke hat es in sich: „Was ist denn fair?“, lautet angesichts von ausbeuterischen Wirtschaftsstrukturen die durchaus berechtigte Frage. Ethische Grundsätze liegen Ulrike Pfab schon von Berufs wegen am Herzen. Die Referentin hat im Auftrag ihres Arbeitgebers, der internationalen Genossenschaft Oikocredit, auf den Philippinen lokale Partner besucht und dabei auch Josephine kennengelernt. Am Freitag, 3. März, wird Pfab in der katholischen Kirche St. Michael von 19.45 Uhr an ihre Zuhörer auf eine Vortragsreise zu dem traditionell geprägten Inselstaat mitnehmen, dessen Bevölkerung trotz beeindruckender Wirtschaftsentwicklung zu zwei Dritteln an der Armutsgrenze lebt.

„Die Familie ersetzt den Sozialstaat“, sagt die Sielmingerin und schildert sowohl die Mühen des Alltags als auch die Kreativität vieler Frauen vor Ort. Josephine etwa kümmere sich mit großer Selbstverständlichkeit nebst dem Ehemann, einem Kleinbauern, um acht Kinder, ein Enkelkind, ihre 90 Jahre alte Mutter und ein Miniunternehmen: Vor drei Monaten hat die 44-Jährige ihr Straßenlokal eröffnet, in dem sie Curry-Gerichte anbietet. Das Startgeld stammt von einer Mikrofinanzinstitution, die als Partner von Oikocredit insbesondere einkommensschwachen Frauen aus der Armutsfalle heraus zu helfen versucht. Josephine will mit ihrem Verdienst nach Möglichkeit den Schul- und Collegebesuch der Kinder finanzieren. Darüber hinaus denkt sie bereits über den Kauf eines „Jeepnys“ nach – der Kleinbus könnte als Ruftaxi unterwegs sein.

Mit Kleinkrediten nachhaltige Entwicklung fördern

Oikocredit wurde 1975 auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen gegründet. Die Idee dahinter ist für Ulrike Pfab von begeisternder Logik: Mit dem Kapital von zwischenzeitlich 50 000 Privatpersonen und Kirchengemeinden soll mittels Kleinkrediten nachhaltige Entwicklung ermöglicht werden. „Wir wollen einen Beitrag zur Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd leisten und wirtschaftliche Unabhängigkeit über eigene Einkommen schaffen“, formuliert Pfab ihren persönlichen Anspruch und den der Genossenschaft. Seit sieben Jahren ist sie beim baden-württembergischen Förderkreis von Oikocredit für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das Bündnis spekuliere nicht auf überhöhte Gewinne, sondern auf soziale Rendite, sagt sie. Die Vergabe von Mikrokrediten, die einhergehe mit betriebswirtschaftlicher Begleitung, schaffe Arbeitsplätze und fördere trotz Klimawandel die ländliche Entwicklung. Und natürlich wachse mit der Lebensgrundlage auch das unternehmerische Selbstvertrauen: Mit Mikrokrediten werden Hühner und Schweine gehalten, Mangos und Orangen geerntet, Schreinereien und Friseurläden betrieben oder Sari-Sari-Stores als einheimische Variante eines Tante-Emma-Ladens eröffnet.

Am Weltgebetstag beeindruckt Ulrike Pfab besonders der weltumspannende Gedanke mit Gottesdiensten in mehr als hundert Ländern. Darüber hinaus ist es für sie ein guter Impuls, nicht nur die Lebensumstände andernorts besser kennenzulernen, sondern auch mit Dankbarkeit auf den eigenen Alltag zu schauen.