InterviewWelthungerhilfechef Till Wahnbaeck Gibt es auch gute Nachrichten?

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Wie viel verdienen Google und Co., wenn Sie Anzeigen schalten?
Wir geben insgesamt 3,6 Prozent unseres Jahresbudgets für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit aus. Da ist alles eingerechnet: von der Plakatwerbung bis zu Online-Anzeigen. Das ist im Vergleich zu anderen Organisationen eine überschaubare Zahl. Wenn Sie die Stichworte „Hungersnot“ und „Afrika“ bei der Google-Suchmaschine eingeben, erscheint unsere Homepage als Anzeige relativ weit oben und kann schnell geklickt werden. Für diese Werbung zahlen wir – das kann bis zu vier Euro pro Klick betragen. Wir bieten im Google-Anzeigengeschäft mit, überlegen uns aber genau, was noch angemessen ist. Wenn eine gute Platzierung zu teuer wird, steigen wir aus.
Sie haben viel über Bedürftigkeit und Elend erzählt, gibt es auch gute Nachrichten? Ist ein Ende des Hungers auf der Welt möglich?
Ja, wir sind zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit kurz davor, dass wir den Hunger besiegen können. Da bin ich sehr sicher, das werde ich hoffentlich noch erleben. Es geht in der Entwicklung immer zwei Schritte vor und einen zurück. Wenn wir dieses Ziel bis 2030 erreichen wollen, wie es sich Vereinten Nationen vorgenommen haben, dann müssen wir allerdings alle mehr tun als bisher und wesentlich schneller handeln.
Was schlagen Sie vor?
Wir müssen an die Strukturen ran, die politischen Rahmenbedingungen verbessern. Alle müssen mitziehen: die Regierungen, die Privatwirtschaft, die Hilfsorganisationen. Wir müssen alles daransetzen, Konflikte politisch zu lösen. Wir brauchen eine Weltordnung mit Handel auf Augenhöhe und einem freien Zugang zu Märkten. Wir brauchen Fairness zwischen den Ländern des Nordens und Südens, und wir brauchen vor allem eins: Optimismus.