Die Idee ist ja zunächst mal gut: Wenn der Mensch die schönsten Wochen des Jahres bucht, also seinen Urlaub, soll es auch dem Haustier gut gehen in dieser Zeit. Und da die Interessenlagen doch sehr verschieden sind, hier die turbulente Städtereise oder der exotisch ferne Ort, dort Schnüffelerlebnisse an Häuserecken und Grünflächen, gibt man Hund oder Katze eben für die paar Wochen in einer heimischen Tierpension ab.
Doch hier endet der gute Vorsatz: Abgesehen von den nicht unerheblichen Kosten gibt es schlicht keine Plätze mehr dieser Art für Haustiere. Besonders prekär ist die Situation auf den Fildern: Eine Katzenpension in Leinfelden-Echterdingen mit viel Erfahrung möchte hier in diesem Zusammenhang gar nicht genannt werden. „Bei uns ist Land unter“, heißt es von dort. Will sagen: Bei uns ist die Nachfrage um ein Vielfaches größer als das Angebot. Und das gilt offensichtlich allein schon für die Stammgäste. Eine andere Katzenpension in Leinfelden-Echterdingen musste vor einigen Jahren schließen nach dem Tod der Geschäftsführerin, ein Weiterführen ist nicht geglückt.
Doppelt so viele Katzen wie üblich
Und beim Tierheim Filderstadt geht schon lange nichts mehr: „Wir haben derzeit etwa 40 Katzen. Das sind doppelt so viele wie üblich“, so Josefine Bohn, Erste Vorsitzende des zuständigen Tierschutzvereins Filderstadt. Wer dort trotzdem anruft, wird verwiesen an die größeren Tierheime in Esslingen und Stuttgart. Die Antwort ist dort dieselbe: Es gibt keinen Platz für tierische Pensionsgäste. Denn die Tierheime sind schon alleine deshalb voll, um ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen: Sie nehmen Tiere auf, die aufgefunden oder beschlagnahmt wurden.
Kastration und Kennzeichnung als Pflicht
Bei Katzen ist die Situation noch um vieles schlimmer als bei Hunden: Da gibt es viele Streuner, die sich unkontrolliert wild vermehren. Hierzulande laufen die nun nicht offensichtlich frei durch die Gegend, doch Fachleute kennen die Orte, wo diese verwilderten, scheu gewordenen Katzen sind: In Industriegebieten etwa, in Schrebergärten oder in Gebieten, die von Menschen selten aufgesucht werden. Auch hier müssten die Tierheime eigentlich aktiv werden, indem sie etwa die Jungtiere kastrieren und die älteren Katzen aufpäppeln. Doch da fehlt es an Kapazitäten, an Geld und am Schluss auch an der gesetzlichen Grundlage: Eine Katzenschutzverordnung, mittels derer die Zahl der streunenden Katzen und deren Leid verringert werden kann. Die Kastration, die Registrierung und Kennzeichnung wäre dann beispielsweise Pflicht der Katzenbesitzer.
Viel zu wenig Pflegestellen
Der Weltkatzentag an diesem Donnerstag ist vor allem für den Verein Katzenhilfe Stuttgart ein Anlass, um auf diese Misere hinzuweisen. Seit 45 Jahren gibt es ihn, und vor allem in den letzten Jahren müssen die mit immer mehr Problemfällen zurechtkommen. Allein in diesem Halbjahr wurden in Stuttgart 60 Katzen eingefangen oder als Fundkatzen gemeldet, davon 45 unkastriert, die meisten davon in einem sehr schlechten Zustand, so die Vereinssprecherin Kerstin Bergmann. Hinzu kommen etwa 80 Katzenkinder, die auf eine Vermittlung warten. Und dieser Verein hat kein Heim, um die Tiere unterzubringen. Er ist auf Pflegestellen in Privathaushalten angewiesen. Etwa 25 solcher Pflegestellen gibt es derzeit, viel zu wenig also. Und vor allem jetzt in der Ferienzeit gibt es kaum eine Chance, dass sich irgendwo eine neue Pflegestelle auftut. Eine bis vier Wochen Pflegeaufenthalt benötigt eine Katze, die nicht sonderlich krank und noch nicht verwildert ist. Wenn letzteres jedoch zutrifft, kann es auch ein paar Monate dauern, bis sich zeigt, ob und unter welchen Voraussetzungen solch eine Katze noch vermittlungsfähig ist. Bergmann: „Eine Katzenschutzverordnung würde den Tierschützern Rechtssicherheit geben im Umgang mit uneinsichtigen Katzenhaltern. Die müssen dann die Kosten für Kastration und Kennzeichnung tragen und nicht mehr der Tierschutz. Auch für die Stadt Stuttgart, die für Fundtiere zuständig ist, würden die Kosten sinken.“
Dabei geht es auch vor allem um das Tierwohl: „Die Wohnungskatzen profitieren auch von einer Kastration. Bei Kätzinnen verringert sich das Risiko einer Dauerrolligkeit und dadurch auch für Tumore und Gebärmuttervereiterungen. Und kastrierte Kater markieren weniger bis gar nicht“, so Bergmann. In den umliegenden Städten Esslingen und Leonberg gibt es bereits solch eine Verordnung, jetzt ist Stuttgart am Zug.
Die Katzenschutzverordnung und ihre Folgen
Wildkatzen
Eine Schutzverordnung würde auch den Wildkatzen helfen. Darauf macht Gernhard Pfeifer, Regionalgeschäftsführer vom BUND Stuttgart, aufmerksam. „Es gibt ja kaum noch richtige Wildkatzen, viele sind Hybride, also Mischungen“, so Pfeifer, der entsprechende Studien kennt. Dabei gibt es gerade hier um Stuttgart herum einige Projekte mit dem Ziel, dass sich hier wieder Wildkatzen niederlassen können. Pfeifer nennt da etwa Gebiete bei Marbach, im Bottwartal, im schwäbisch-fränkischen Wald, im Nordschwarzwald oder im Schönbuch.
Kosten
Etwa 220 Euro verlangt eine Kleintierpraxis in Stuttgart für die Kastration einer weiblichen Katze, etwa 120 Euro für einen Kater. Bei Kätzinnen hängt es eben auch davon ab, ob die Gebärmutter entfernt werden soll. Das Alter der Tiere spielt zunächst keine Rolle. Die Preise können von Praxis zu Praxis verschieden sein, die Gebührenordnung ist da eine Richtlinie.