Eine junge Frau verbrachte durch den weltkirchlichen Friedensdienst ein Jahr in Johannesburg um Frauen und Kindern zu helfen.

Stuttgart - Lisa Maria Burger sitzt an einem Tisch und erzählt. Draußen verabschiedet sich ein trister, kalter, novembergrauer Tag, aber wenn die junge Frau spricht, ist es so, als ob einige wärmende Sonnenstrahlen verbreitet würden. Lisa Maria Burger ist 20 Jahre alt und kommt aus Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg), sie hat vor einem Jahr ihr Abitur gemacht und studiert seit einigen Wochen Jura in Augsburg. Dazwischen liegt ein Jahr, von dem sie heute sagt, dass "ich jetzt weiß, dass man eigentlich alles kann, wenn man es nur wirklich will".

 

Dieses Jahr - vom August 2010 bis Ende Juli 2011 - hat Lisa Maria Burger in einer Einrichtung der katholischen Scalabrinischwestern im südafrikanischen Johannesburg verbracht. Das "Bienvenu Shelter" ist eine Zufluchtsstätte für Frauen und ihre Kinder, die auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Elend in Afrika in die Millionenmetropole mit der Hoffnung auf ein besseres Leben gekommen sind und dort mittel- und wohnungslos strandeten.

"Ich wollte nach der Schule schon immer etwas Soziales machen", sagt Lisa Maria Burger, "für mich ist der christliche Glaube dazu da zu handeln und nicht nur, um in die Kirche zu gehen." Deshalb hat sie sich ein halbes Jahr vor dem Abitur beim Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) für einen Platz im weltkirchlichen Friedensdienst beworben. Der Dienst ist einer von vielen sozialen und kirchlichen Organisationen, die jungen Menschen im Rahmen des Programms "weltwärts" der Bundesregierung die Möglichkeit geben, im Ausland soziale Dienste zu absolvieren. Angesichts der doppelten Abitursjahrgänge, der Abschaffung der Wehrpflicht und der großen Bereitschaft junger Menschen, ins Ausland zu gehen, rechnen Experten mit steigenden Bewerberzahlen. "Viele Bekannte sind mit Work-and-Travel-Programmen gereist", sagt Lisa Maria Burger, sie wollte aber nicht nur ein fremdes Land und eine andere Kultur kennenlernen, sondern auch helfen.

Das Abenteuer, das ein doppeltes war

Der erste Schritt war, im Internet einen Fragebogen auszufüllen, in dem es um persönliche Einstellungen, die Erwartungen und die Motivation ging. "Ich habe mich riesig gefreut, als ich die Zusage erhalten habe", erinnert sie sich. Parallel zum Abiturstress begann die Vorbereitung: Sie absolvierte mehrere Seminare und stand schließlich vor der Frage, wo ihr Einsatz stattfinden sollte. Sie entschied sich für Südafrika - und "heute bin ich froh, dass ich dort unten war", sagt sie.

An einem Augusttag vor einem Jahr begann für Lisa Maria Burger das Abenteuer, das ein doppeltes war: Da war der soziale Einsatz in einem unbekannten Land, und da war die lange Zeit der Trennung von der Familie. Für ein Jahr müssen sich die jungen Menschen verpflichten, weil nur dann, so der Friedensdienst, eine kontinuierliche Arbeit und ein Kennenlernen der Kultur möglich sei. Das sieht auch Lisa Maria Burger so. Im "Bienvenu Shelter" habe es einige Zeit gedauert, bis sie das Vertrauen der Frauen und Kinder gewonnen habe und sie von sich erzählt hätten. "Das waren Geschichten von unglaublichem Leid, von Morden und Vergewaltigungen", sagt die Studentin, es sei für sie nicht einfach gewesen, doch sie sei von den Schwestern unterstützt worden. "Ich konnte mit ihnen immer darüber reden", sagt sie, "das war eine große Hilfe für mich."

In der Zufluchtsstätte werden mittellose Frauen aufgenommen und qualifiziert, ihre Kinder werden betreut. Das Ziel ist, die Frauen zu befähigen, einen Job zu übernehmen und sich eine eigene Wohnung leisten zu können. Es gibt Qualifizierungsprogramme wie Nähkurse, aber auch Betreuungseinrichtungen für Kinder. Lisa Maria Burger hat vor allem im Babyraum gearbeitet, in dem die Kleinsten tagsüber betreut wurden. "Es ist ein tolles Gefühl, den Kindern, denen die Kindheit genommen worden ist, ein Stück Liebe zu geben", sagt sie, wenn sie danach gefragt wird, was das Wichtigste in dem Jahr gewesen sei.

Und was hat es für sie gebracht? "Ich habe mich verändert", sagt Lisa Maria Burger, "ich bin gereift und weiß, dass vieles, was wir hier haben, für die meisten Menschen auf der Welt Luxus ist." Sie habe gesehen, "wie ungerecht die Welt ist", und erlebt, dass "jeder etwas ändern kann". Auch deshalb studiert sie jetzt Jura.


Projekte Im Weltkirchlichen Friedensdienst (WFD) engagieren sich jedes Jahr etwa 20 junge Menschen ein Jahr lang in einem sozialen oder kirchlichen Projekt in Lateinamerika, Afrika oder Asien. Sie werden in Seminaren auf ihren Aufenthalt vorbereitet und vor Ort von erfahrenen Mentor(-inn)en begleitet.

Teilnehmer Die Freiwilligen erhalten den Flug, Unterkunft und Verpflegung sowie ein Taschengeld. Für den Ausreisejahrgang im Sommer 2012 ist die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen.

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