Weltklimarat zur Erderwärmung Der Kampf gegen die Klimakrise

Waldbrände wüten derzeit in Europa – auch aufgrund der enormen Hitze. Insbesondere auf der griechischen Insel Euböa ist die Lage dramatisch. Foto: AFP/Angelos Tzortzinis

Die Klimakrise ist real – und verschwindet nicht mehr. Wer Wahlen gewinnen will, muss überzeugende Antworten darauf geben, kommentiert unser Berlin-Korrespondent Thorsten Knuf.

Berlin. - Um zu verstehen, was es mit der Klimakrise auf sich hat, muss man in diesen Wochen nicht auf ferne Inseln reisen, die langsam im Pazifik versinken. Es reicht ein Blick auf die deutschen Hochwasserregionen oder auf jene Gegenden am östlichen Mittelmeer, in denen verheerende Waldbrände wüten. Extreme Ereignisse wie Starkregen, Hitzewellen, Dürren oder Orkane hat es immer schon gegeben. Aber weil das Klima verrücktspielt, werden sie häufiger. Mit all den dramatischen Folgen, die gerade zu besichtigen sind.

 

Am Montag hat der Weltklimarat IPCC den ersten Teil seines neuen Sachstandsberichts veröffentlicht. Wenn man liest, was die Experten zusammengetragen haben, kann einem angst und bange werden: Die Erwärmung der Erdatmosphäre schreitet viel schneller voran als bislang angenommen. Bereits 2030 könnte die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad höher liegen als im vorindustriellen Zeitalter. Gletscher und Eiskappen der Pole schmelzen, die Meeresspiegel steigen, Meeresströmungen verlieren an Kraft. Ernst zu nehmende Zweifel daran, dass der Mensch den Klimawandel zu verantworten hat, gibt es unter Fachleuten nicht mehr. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Noch lässt sich der Temperaturanstieg begrenzen. Dafür müsste der Ausstoß klimaschädlicher Gase radikal sinken. Und zwar rasch.

Deutschland steht vor wichtigen Wahlen

In weniger als zwei Monaten finden in Deutschland Bundestagswahlen statt. Die Klimapolitik ist schon jetzt eines der zentralen Themen im ansonsten recht lahmen Wahlkampf. Von Bewahrern des Status quo wird in der politischen Debatte gern das Argument vorgebracht, Deutschland sei ja nur für zwei Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich und könne das Weltklima nicht im Alleingang retten. Der unausgesprochene Subtext lautet: Da sollen doch bitte erst mal andere tätig werden, allen voran die größten Emittenten China und USA. Wir Deutschen können derweil weiter unsere Verbrenner-SUV bauen und für 29 Euro nach Mallorca jetten.

Diese Argumentation lässt drei Dinge außer Acht. Erstens: Natürlich kann Deutschland das Weltklima nicht allein retten, das ist eine Aufgabe der gesamten Menschheit. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens haben sich deshalb nahezu alle Staaten verpflichtet, ihren Beitrag zu leisten – das riesige China ebenso wie das kleine San Marino oder eben das mittelgroße, hoch industrialisierte Deutschland.

Zweitens: Die Europäische Union als Ganze ist der größte Wirtschaftsblock und der drittgrößte CO2-Emittent des Planeten. Kein anderes EU-Land wiederum bläst so viel Kohlendioxid in die Luft wie Deutschland. Schafft die Bundesrepublik die Klimawende nicht, dann schafft auch Europa sie nicht.

Die Klimakrise verschwindet nicht mehr

Drittens: Klimaschutz-Technologien sind ein gigantischer Zukunftsmarkt. Wenn ein Land prädestiniert ist, davon zu profitieren, dann ja wohl Deutschland mit seiner einzigartigen Expertise in Maschinenbau, Fahrzeugbau und Verfahrenstechnik. Wer diese Chancen nicht nutzt, handelt nicht nur klimapolitisch, sondern auch ökonomisch fahrlässig.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik könnte Ende September der Ausgang einer Bundestagswahl entscheidend davon abhängen, was die Parteien im Kampf gegen die Klimakrise zu tun gedenken und wie sie den klimagerechten Umbau der Volkswirtschaft voranbringen wollen. Das dürfte fortan die neue Normalität sein – in Deutschland und darüber hinaus. Politische Themen haben Konjunktur, dieses wird uns auf Dauer begleiten. Die Klimakrise verschwindet nicht mehr. Ob man es will oder nicht.

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