Weltkulturerbe auf der Alb Der „Eiszeitzoo“ überzeugt die Unesco

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Die Entscheidung fiel schon nach 15 Minuten: Sechs Alb-Höhlen haben in Krakau Weltkulturerbe-Status erlangt. Die Freude über das Unesco-Siegel ist parteiübergreifend groß. Die Landkreise wollen künftig bei Marketing und der notwendigen Verbesserung der Infrastruktur an einem Strang ziehen.

Älteste bekannte Menschenfigur der Welt:  die „Venus vom Hohlen Fels Foto: dapd
Älteste bekannte Menschenfigur der Welt: die „Venus vom Hohlen Fels Foto: dapd

Krakau - Die sechs Fundhöhlen von Eiszeitkunst im Achtal und Lonetal sind am Sonntag in Krakau zum Welterbe der Menschheit erklärt worden. Die baden-württembergischen Fundstätten von rund 40 000 Jahre alten Kunstgegenständen aus Mammutelfenbein erlaubten es, „den ältesten Spuren zu folgen, die der Mensch bei seiner Besiedlung Europas hinterließ“, sagte kurz nach der Bekanntgabe Maria Böhmer (CDU), Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Leiterin der deutschen Delegation bei der Welterbekomiteesitzung. Zum Welterbe zählen laut der Unesco neben den sechs Höhlenfundstellen im Achtal und im Lonetal auch die sie umgebenden Landschaften.

Nach der Entscheidung zugunsten der Landkreise Alb-Donau-Kreis und Heidenheim machte sich am Sonntag parteiübergreifend Freude breit. Der grüne Regierungschef Winfried Kretschmann sagte: „Die Auszeichnung ist eine große Ehre und zugleich Verpflichtung für Baden-Württemberg, dieses kulturelle Erbe der Menschheit zu erhalten und sich weiterhin mit ihm zu beschäftigen.“ Die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte, es komme nun darauf an, dieses Erbe „für nachfolgende Generationen zu bewahren“. Die parteilose Kunststaatssekretärin Petra Olschowski kündigte an, es werde künftig Aufgabe auch von forschenden Hochschulen und Museen im Land sein, „die Geschichte unserer gemeinsamen Vergangenheit ans Licht zu bringen und zu erzählen“.

Ernst machen mit der gemeinsamen Vermarktung

Die Anerkennung von Krakau betrifft die Höhlen Hohle Fels (Schelklingen), Geißenklösterle und Sirgenstein (Blau­beuren), Bockstein (Rammingen), Hohlenstein (Asselfingen) und Vogelherd (Niederstotzingen). Aus dem Hohlenstein beispielsweise stammt die 31 Zentimeter hohe Löwenmensch-Figur, aus dem Hohlen Fels ein Frauentorso, genannt Venus, aus dem Vogelherd eine Mammutnachbildung aus Elfenbein. Noch am Sonntag kündigten Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises, sein Heidenheimer Landratskollege Thomas Reinhard sowie der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (alle CDU) eine gemeinsame Vermarktungskampagne für die sechs Höhlen an. Die Kreis- und Städtechefs streben die Einrichtung einer hauptamtlich besetzten Geschäftsstelle mit Sitz im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises in Ulm für die gemeinsame Werbe-Dachmarke „Weltkultursprung“ an. „Wir erwarten für alle Höhlen einen deutlichen Zuwachs an Touristen“, sagte der Kreischef Reinhardt. Nun müsse bei der Infrastruktur oder dem Tourismusmarketing entschiedener zusammengearbeitet werden als bisher. Es gebe „natürlich Eitelkeiten und vielleicht auch Egoismen zwischen den Höhlen im Lonetal und im Achtal“, so der Heidenheimer Landrat. Künftig gelte es, „an einem Strang zu ziehen“. Man erwarte dabei auch die finanzielle Hilfe des Landes.

Die Dachmarke „Weltkultursprung“ war 2013 nach einem kommunalen Friedensgipfel in Ulm aus der Taufe gehoben worden, mit wesentlicher Hilfe des Ulmer SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir. Er sagte am Sonntag, es sei jetzt „das Land gefragt, den Kommunen und Landkreisen zu helfen“. Zur Vorbereitung des Unesco-Antrages hatte die Landesregierung 500 000 Euro für Marketingmaßnahmen bewilligt. Das reiche nicht, so Rivoir, denn abgesehen vom Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren und dem 2013 beim Vogelherd eröffneten Archäopark befänden sich die Fundhöhlen in einem unbefriedigenden Zustand. „Das fängt schon damit an, dass es keine Fahrradständer gibt“, so Rivoir. Auch der Zustand der Wege zu den Höhlen und die Beschilderungen seien verbesserungswürdig.

Der Heidenheimer Alt-Landrat fordert einen „Ruck“

Zu den ersten Förderern der Höhlenlandschaft auf der Alb gehört auch der Heidenheimer Alt-Landrat Hermann Mader (CDU), bis heute Vorsitzender des von ihm gegründeten Höhlenvereins Eiszeitkunst im Lonetal. Mader hat in seinen Amtsjahren viel Geld bei Sponsoren für seinen „Eiszeitzoo“, aufgetrieben. Jetzt, nach Erhalt des Unesco-Siegels, müsse auch „ein Ruck durch die Politik gehen“. Das gelte für die Landes- wie für die Bundespolitik. Kommunen wie die 4700-Einwohner-Stadt Niederstotzingen seien allein finanziell völlig überfordert. Marcus Bremer, parteiloser Bürgermeister von Niederstotzingen, pflichtete bei: „Ich wünsche mir für eine Kommune unserer Größenordnung eine tatkräftige Unterstützung“. Er hoffe auf steigende Besucherzahlen im Archäopark, darüber hinaus aber auch „eine Wertschöpfung vor Ort durch zusätzliche Gäste und Touristen“.

Die Entscheidung des Unesco-Komitees war rasch gefällt. Nur knapp 15 Minuten dauerte die Beratung über die Aufnahme in die Welterbe-Liste. Es handelt sich um den 42. deutschen Titel dieser Art.