Weltkulturerbe Ulm und Freiburg hoffen auf Unesco-Titel

Von Heinz Siebold 

Die Münster in Freiburg und Ulm sind Wahrzeichen ihrer Städte und Touristen- Magnete. Dass diese Kirchen erhalten bleiben, dafür sorgen die Baumeister und Steinmetze. Nach Ansicht der Unesco soll ihre Tradition nun zum immateriellen Weltkulturerbe werden.

Der Turm des Freiburger Münsters ist ein Besuchermagnet. Jetzt soll die Münsterbauhütte als immaterielles Weltkulturerbe ausgezeichnet werden. Foto: Freiburger Münsterbauverein
Der Turm des Freiburger Münsters ist ein Besuchermagnet. Jetzt soll die Münsterbauhütte als immaterielles Weltkulturerbe ausgezeichnet werden. Foto: Freiburger Münsterbauverein

Freiburg/Ulm - Das Ulmer Münster ist ein Bau der Superlative – in jeder Beziehung. 161,53 Meter ragt der 1890 vollendete Turm in die Höhe und ist damit bis heute der höchste Kirchturm der Welt. Die gotische Kirche selbst ist eine der ältesten Baustellen Deutschlands, eine Dauerbaustelle. Seit mehr als 600 Jahren nagt der Zahn der Zeit an den Steinblöcken – Steinmetze reparieren die Schäden fast pausenlos. Mit den gleichen Handwerkstechniken, die schon ihre Vorgänger im Mittelalter beherrschten.

Im kommenden Jahr nun sollen die Münsterbauhütten in Ulm und Freiburg als internationales immaterielles Kulturerbe nominiert werden. „Seit Jahrhunderten bewahren Dom- und Münsterbauhütten, wie etwa in Ulm, Freiburg oder Köln, Handwerkstechniken, tradiertes Wissen und Bräuche in Zusammenhang mit dem Bau und Erhalt von Großkirchen und führen diese bis in die Gegenwart fort“, heißt es in der Begründung der deutschen Unesco-Kommission. Das Zweckgebäude neben dem Ulmer Münster, in dem die Handwerker ihr Zuhause haben ist zusammen mit den Bauhütten in Freiburg und Köln bereits zum immateriellen Kulturerbe auf nationaler Ebene erklärt worden.

Für März 2019 ist eine Mehrländernominierung geplant

Im März 2019 sollen sie Teil einer Mehrländernominierung von Bauhütten für den Weltkulturerbe-Status sein, an der sich Deutschland, Frankreich und weitere Staaten beteiligen.

Die Initiative ging von der Münsterbauhütte in Ulm aus, der größten deutschen Kirche mit dem weltweit größten Turm. „Unsere Bauhütte mit ihren hoch spezialisiert ausgebildeten Handwerkern, der lückenlosen Dokumentation und engen Verbindung zur Stadtgesellschaft zeigt, wie immaterielles Kulturerbe in Deutschland modellhaft erhalten und weitergegeben werden kann“, erklärte Ernst-Wilhelm Gohl, Dekan der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ulm. Gohl hat den Bewerbungsprozess von Beginn an koordiniert.

Baubeginn 1377, Fertigstellung 1890

Im Gegensatz zum Freiburger Münster und dem Kölner Dom ist das Ulmer Bauwerk seit 1530 evangelisch. Wie die anderen Kathedralen, ist auch die Ulmer Pfarrkirche ein Denkmal der gotischen Baukunst und wird dementsprechend gehegt und gepflegt. Bei manchen Bauwerken dauerte es Jahrhunderte, bis sie endgültig fertiggestellt wurden. In Ulm wurde 1377 mit dem Bau begonnen, der Turm wurde 1890 fertig gestellt.

Auch die Freiburger Pfarrkirche, das Münster „Unserer Lieben Frau genannt“, brauchte von 1200 bis 1597 zur Vollendung. Die „werchhüttun ze Friburg an dem kilchhove“ („Die Werkhütte zu Freiburg am Kirchhof“) wurde im Jahr 1318 erstmals erwähnt. Dort arbeiteten der Baumeister, der Parlier (der Bauleiter) und die Steinmetze. In der langen Bauzeit gab es nicht nur den Wechsel vom romanischen zum gotischen Stil, sondern auch einen politischen Machtwechsel. Die Stadt Freiburg kaufte sich mit horrenden Summen von den Grafen von Freiburg los. Damit wechselte die Kirche in einen städtisch kontrollierten „Münsterfabrikfonds“, der dem Klerus die liturgische Nutzung und die Innenausstattung überlässt und dem Münsterbauverein die Unterhaltung des Bauwerkes.

Ohne öffentliche Zuwendungen ist das Münster nicht zu erhalten

Seit 1892 gilt, dass sich das Erzbischöfliche Bauamt um das Innere und die Münsterbauhütte um das Äußere des Bauwerks kümmert: So wurde es 1901 zwischen der Stadt und der erst 1821 gegründeten Erzdiözese vertraglich besiegelt. Die Gesamtverantwortung und Koordination sämtlicher Aufgaben, die mit der Erhaltung des Baus zusammenhängen, liegt beim Münsterbaumeister. In Freiburg ist es die Architektin Yvonne Faller.

Die Münsterbauhütte in Freiburg untersteht dem 1890 gegründeten Münsterbauverein. Ein Jahr zuvor hatte eine Gutachterkommission den bedrohlichen Zustand des Münsters festgestellt. Da der Münsterfabrikfonds das Geld nicht aufbringen konnte, rief der damalige Oberbürgermeister Otto Winterer die Freiburger Bürger zu einer Vereinsgründung und zu Spenden auf, mit denen die Sanierung finanziert wurde.

Heute ist der Freiburger Münsterbauverein bei der Bauunterhaltung des Freiburger Münsters auf öffentliche Zuwendungen angewiesen. Träger sind das Erzbistum Freiburg, das Land Baden-Württemberg sowie die Stadt Freiburg. Der 5100 Mitglieder zählende Verein hat ein Jahresbudget zwischen 2,5 und 2,8 Millionen Euro. Die Zuwendungen der Träger machen etwa die Hälfte des Haushalts aus, den Rest bringt der Münsterbauverein aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Vermächtnissen auf. Zusammengerechnet sind in der Hütte, im Münsterladen und in der Verwaltung 40 Personen beschäftigt.