Vor gut einem Jahr ist der Weltladen in Bernhausen aus einer Seitenstraßen an den Marktplatz gezogen. Wie läuft das Geschäft?

Lokales: Armin Friedl (dl)

Wenn in Bernhausen mal der Bär steppen will, hat man ihm dazu den Marktplatz vorbereitet. Und wenn der keine Lust darauf hat, ist dieser Platz mit seiner ziemlich offenen Konstruktion für Allerlei zu haben: Für Märkte etwa oder für Veranstaltungen der verschiedensten Art, stets ziemlich verkehrsgünstig gelegen nahe der S-Bahn- und der Bus-Haltestellen, umgeben von Parkplätzen. Und wenn auch in dieser Hinsicht gerade nichts geboten ist, dann ist da auch eine Ecke, an der sich Flaneure ohne Konsumzwang niederlassen können.

 

Außerdem gibt es dort viele Einzelhandelsgeschäfte, die neugierig machen, weil sie eben nicht die übliche Abfolge bilden von Imbiss- , Handy- , Tattoo- und Nagelstudio-Geschäften. Das sind etwa Cafés oder Asiaten, auch vertraut an solchen Plätzen, in Bernhausen aber mit sehr individuellen Ansätzen und Angeboten gestaltet. Dazu passt gut die Brauerei-Gaststätte.

Und da gibt es den Weltladen. Der ist vor etwa einem Jahr umgezogen auf diesen Platz, ist dabei auch das unternehmerische Risiko eingegangen, die Verkaufsfläche zu verdoppeln. So viel mehr Raum ist allein schon damit gerechtfertigt, damit das Geschäft auf diese Weise mehr Präsenz hat. Da sind sogar Veranstaltungen unmittelbar vor dem Laden möglich, ohne, dass andere in Bedrängnis geraten.

Links oben das Signet für das umfassende Weltladen-Netz. Foto: Friedl

Denn das, was einen Weltladen heute ausmacht, hat sich ganz schön gewandelt im Vergleich zu dem, was etwa vor 20 oder 30 Jahren unter dieser Bezeichnung lief – auf jeden Fall ist das in Bernhausen so. Die klassische Ware eines Weltladens gibt es nach wie vor, also Kaffee, Tee oder Schokolade. Diese Produkte sind etwas teurer als in den üblichen Läden, da hier die Bauern und Landwirte – meist aus prekären Ländern – mehr für ihre Produkte bekommen.

Das Konzept wird heute fantasievoller aufgefasst: Da gibt es etwa Nudelteigwaren aus einer Behindertenwerkstatt oder Kekse aus einem Gefängnis in Sizilien. Der Ablauf bleibt der Gleiche: Die ursprünglichen Produzenten bekommen mehr ab im Handelsgeschäft, damit sie ihre Anliegen – Benachteiligten eine bessere Ausbildung bieten – so optimaler umsetzen können.

Der Weltalden am Marktplatz in Bernhausen

Damit hier möglichst viele Interessen berücksichtigt werden, steht hinter dem Weltladen ein Verein: Das ist der ökumenische Arbeitskreis „Eine Welt Filderstadt“.Er wurde 1990 gegründet und hatte Mitte 2025 knapp 70 Vereinsmitglieder. So kann man etwa die Ladenkoordinatorin Christiane Klüver darin treffen. Sie hat in ihren berufsaktiven Jahren in der Modebranche gearbeitet und sorgt auch jetzt dafür, dass es eine kleine Modekollektion im Weltladen gibt:

„Das sind vor allem Sachen für den täglichen Bedarf“, erklärt Klüver. Und in der Tat: Irgendwie sehen die Pullis und Hemden ziemlich nach Selbstgemacht und ziemlich robust aus, verspielte Dinge findet man nicht. Das gilt zumindest für die Herren-Kollektion, bei den Frauen sieht es etwas anders aus.

So kommen auch viele Produkte in den Weltladen, die man fürs Erste dort gar nicht suchen würde. Ist man aber erst mal drin, gibt es viel Überraschendes. Allerlei Designideen mit Kerzen oder mit elektrischem Licht gibt es zur Auswahl, wobei die LED-Technik mit ihren Gestaltungsmöglichkeiten ganz raffinierte Akzente möglich macht. Und gleich daneben bietet der Weltladen als Klassiker Fingerpuppen. Also Figuren, die man sich über die Fingerkuppen stülpt und mit denen man sofort und problemlos interagieren kann.

Ulrike Pfab ist die Zweite Vorsitzende des Vereins: Bei all den damit verbundenen Risiken ist sie doch froh, dass der Umzug von einer Seitenstraße an den Markplatz vor gut einem Jahr gelungen ist. „Die Ladengröße hat sich dadurch verdoppelt, der Gewinn hat sich damit nicht automatisch verdoppelt. Das höhere Risiko bleibt. Aber wir haben jetzt eine Laufkundschaft durch die Nähe zu Bus und S-Bahn, wir werden jetzt ganz anders wahrgenommen“.

Eigene Veranstaltungen auch vor der Ladentüre

So gibt es auch weiter Veranstaltungen in dem Geschäft, vielleicht nun sogar ein paar mehr. Das ist geplant: Eine Aktion am 9. Mai zum Weltladentag. Ein Klima-Workshop in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und der Stadt Filderstadt. Und für den 8. November ist ein Märchenabend mit Märchen aus Indien, Afrika und Südamerika vorgesehen, die von einer echten Märchenerzählerin erzählt werden.

Bis zu 30 Besucher können es sich in dem Geschäft gemütlich machen. Und inzwischen hat eine Yoga-Stunde auch schon vor dem Geschäft stattgefunden. Auch das dürfte nun mehr Menschen interessieren.