Das Wunnebad in Winnenden gießt in seiner neuen Sauna 24 Stunden lang auf – der Marathon verlangt Mitarbeitern und Besuchern einiges ab. Wir waren dabei.
Der Sommer ist vorbei, doch geschwitzt wird trotzdem – zumindest im Wunnebad Winnenden. Am Wochenende sogar auf rekordträchtige Weise: Das Bad hat mit einem echten Sauna-Marathon einen Weltrekord aufgestellt. Die Bedingungen: 120 Aufgüsse hintereinander, die binnen 24 Stunden die Besucher bei 80 Grad zum Schwitzen bringen. Ab 10 Uhr am Samstag lief die Sauna im Wunnebad ununterbrochen – am Sonntagmittag war klar: Der bisherige Rekord wurde verdoppelt. „Wir sind absolut happy, dass alles so funktioniert hat“, freut sich Bäderleiter Sascha Seitz.
Der Rekord bezieht sich auf das Aufgießen in der Sauna. 24 Stunden am Stück bei Saunatemperaturen zu schwitzen – das würde kein Mensch durchhalten. Laut der Krankenkasse AOK empfehlen Fachleute, nicht mehr als drei Saunagänge aneinander zu reihen. Die Sauna-Weltmeisterschaft in Finnland wurde nach einem tragischen Fiasko im Jahr 2010 abgeschafft. Damals brachen zwei Finalisten zusammen, einer der beiden starb sogar – Dopingmittel und mehr als 110 Grad Celsius, keine gute Mischung.
Gut, dass die Rekordsauna im Wunnebad – die „Waldlichtung“ – mit 80 Grad humaner temperiert ist. Die Gäste wirken, abgesehen vom ein oder anderen Weizenbier, auch ziemlich ungedopt. Zudem haben sie zum Abkühlen und Entspannen noch andere Dinge zu tun als zu schwitzen. So hat das Wunnebad einen DJ und einen Geschichtenerzähler engagiert, es gibt eine Cocktailbar, Peelings, Verpflegung und einiges mehr. Während des Rekordversuchs gehört das ganze Bad den Saunagästen.
Die Besucher hatten die Wahl zwischen verschiedenen Tarifen, darunter ein 26-Stunden-Ticket inklusive drei Mahlzeiten, Dampfbad, Wasser zum Trinken und einer morgendlichen Pilates-Session. „Wir haben so viele Liegen wie möglich herangeschafft, damit jeder einen Platz zum Schlafen findet“, sagt der Bäderleiter Sascha Seitz.
Manche Gäste des Wunnebads machen den kompletten Marathon mit
Am Samstag ist er noch gespannt, wie die Aufgießer die Nacht überstehen werden. Die zehn Mitarbeiter – acht Männer, zwei Frauen – arbeiten rotierend. Was ziemlich wörtlich zu nehmen ist, wenn man Chris Corell und seinen Kollegen bei ihren gekonnten Wedeltechniken zusieht, mit denen sie die feuchtwarme Luft in der Sauna verteilen.
Tatsächlich gibt es einige Gäste, die sich die volle Saunadröhnung verabreichen und sich ein 26-Stunden-Ticket besorgt haben. Etwa Alexander Bauer aus Winnenden, der mit zwei Freunden hier ist. „Am liebsten würden wir ja alle Aufgüsse mitnehmen, aber dann würde ja nichts für die anderen übrig bleiben“, meint er lachend. Gut gelaunt wartet das Trio in der Schlange auf den nächsten Aufguss.
Strenge Kriterien für den Weltrekord im Wunnebad Winnenden
Nicht alle haben vom Weltrekordversuch mitbekommen: „Wir wollen eigentlich nur in Ruhe in die Bio-Sauna“, meinen zwei Frauen an der Kasse angesichts des Trubels. Auch die anderen Saunen des Wunnebads haben natürlich geöffnet – nur auf Ruhe stehen die Chancen beim Weltrekordversuch wohl nicht ganz so gut. Die beiden versuchen es trotzdem. „Beim nächsten Mal schauen wir vorher auf die Homepage“, sagt eine.
Ursprünglich hätte das Event bereits Ende Juli stattfinden sollen. Der Rekordversuch wurde jedoch verschoben, nachdem die Technik bei Testläufen nicht so funktioniert hatte wie gewünscht. Konkret ging es um die Licht-, Nebel- und Musikeffekte in der neuen Außensauna „Waldlichtung“. Da die Aktion vor allem Werbung für den umfassend neu gestalteten Saunabereich sein soll, wäre ein Fehlschlag blamabel gewesen – also entschloss sich das Wunnebad, das Rekordaufgießen zu verschieben.
Damit der Rekord zählt, müssen einige strenge Kriterien erfüllt sein. Mitarbeiter des Bads und des Rekordverlages protokollieren penibel, ob genügend Besucher in der Sauna sind. Leerläufe sind tabu, beim Start jedes Aufgusses müssen mindestens fünf Menschen plus Aufgießer anwesend sein. Und am Ende muss mindestens ein Besucher drin sitzen. Ebenfalls wichtig, um den Zeitplan einzuhalten: In exakt einer Minute müssen die Besucher in der „Waldlichtung“ ausgetauscht werden. Die frisch gebackene Saunaleiterin Anna Kolb-Kunis wacht mit Stoppuhr und Disziplin darüber.
Der bisherige Sauna-Weltrekord wurde in Winnenden verdoppelt
Weniger erfreut dürfte man über den Winnender Weltrekord im niedersächsischen Neuharlingersiel sein. Denn dort wurde erst im April dieses Jahres der bisherige Rekord von 12 Stunden und 12 Minuten aufgestellt. Die Ostfriesen wiederum hatten den zuvor bestehenden Rekord von 6 Stunden und 15 Minuten regelrecht pulverisiert. Schon gegen 23 Uhr wird klar, dass das Wunnebad den Eintages-Rekord brechen wird – noch einmal größer der Jubel, als 12 Stunden später das eigentliche Ziel erreicht ist.
Ob die übertrumpften Saunabetreiber den schwäbischen Rekord jetzt auf sich sitzen lassen oder ob sie nachlegen beziehungsweise -gießen, bleibt nun abzuwarten. In letzterem Fall würde das vielleicht einen erneuten Saunamarathon im Wunnebad nach sich ziehen. Die Besucher würde das vermutlich freuen.