Weltweihnachtscircus in Stuttgart Zirkus verzichtet auf Raubtiere

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Schon Ende diesen Jahres wird es keine Raubtiere mehr auf dem Wasen geben. Der Weltweihnachtscircus verzichtet auf Nummern mit Exoten. Dabei gilt das Verbot der Stadt erst ab April 2019.

Ballett ist ein fester Bestandteil des Weltweihnachtscircus’. Foto: Weltweihnachtscircus 8 Bilder
Ballett ist ein fester Bestandteil des Weltweihnachtscircus’. Foto: Weltweihnachtscircus

Stuttgart - Pferde werden Ende des Jahres die tierische Hauptattraktion des Weltweihnachtscircus auf dem Cannstatter Wasen sein. Auf Wildtiere wird der Produzent Henk van der Meijden in der aktuellen Saison verzichten. Es gibt weder eine große Nummer mit Tigern und Löwen noch kommen andere Exoten wie Zebras oder Kamele in der Show vor. Damit nimmt van der Meijden den Beschluss des Stuttgarter Gemeinderats vom Januar 2017 quasi vorweg. Denn das Verbot für den Auftritt von Wildtieren bei Zirkusgastspielen auf dem Cannstatter Wasen tritt wie berichtet erst im April 2019 in Kraft.

Mit „vorauseilendem Gehorsam“ habe diese Entscheidung nichts zu tun, betonte van der Meijden am Dienstag bei der Vorstellung des Programms. Er habe vielmehr 2017 in Martin Lacey jr. einen der besten Raubtierdompteure der Welt zu Gast gehabt – eine qualitativ deutlich schlechtere Nummer wolle er in Stuttgart nicht präsentieren. „Wir wollen nur das Allerbeste zeigen. Außerdem möchte ich gut schlafen. Die Tiere sollen auch hinter der Manege ordentlich untergebracht und versorgt sein.“

Ein Jahr nach der Jubiläumsausgabe zum 25. Geburtstag des Weltweihnachtscircus verspricht er erneut ein ganz besonderes Programm. Erstmals habe er „einen ganzen Zirkus aus Russland“ eingeladen. Nach langem Werben konnte Gia Eradze mit seinem Royal Circus aus Moskau für Stuttgart engagiert werden. Mit rund 70 Artisten und 24 Tänzerinnen und Tänzern wird das Ensemble gut ein Drittel der insgesamt rund dreistündigen Vorstellung bestreiten.

Van der Meijden beschreibt Eradze als einen „Visionär und Innovator“; er habe dem klassischen russischen Nationalzirkus ein neues Gesicht verpasst. Der Produzent ist gleichzeitig Regisseur, und er entwirft seine aufwendigen Kostüme selbst. „Das ist wie Haute Couture“, schwärmt van der Meijdens Tochter und Co-Produzentin Elisa. Kostüme, Requisiten und Choreografie erinnern an opulente Revuen – in Verbindung mit klassischer Luftakrobatik, Dressur oder dem sogenannten Quick Change, wo blitzschnell die Kleider gewechselt werden. So entstehen laut Henk van der Meijden „Nummern, die das Herz berühren“.

Hommage an 250 Jahre Zirkus

Ein zweiter Schwerpunkt der Show sind die Pferde. Neben Eradzes Kosakenmädchen und der Zigeuner-Dressur-Nummer kommt mit József Richter einer der besten Jockeys der Welt auf den Wasen: Er ist dieses Jahr auf dem Zirkusfestival von Monte Carlo mit dem Goldenen Clown ausgezeichnet worden. Diese drei Nummern sollen eine Hommage sein an 250 Jahre Zirkusgeschichte. 1768 gründete der ehemalige Oberfeldwebel der Husaren, Philip Astley, in London sein Pferdetheater – ein Vorläufer des heutigen Zirkus. Er führte die runde Manege mit 13 Meter Durchmesser ein, wie sie auch ab Dezember in Stuttgart zu sehen ist.

Einen besonderen Act werden hier die Luftakrobatinnen Anastasia Makeeva und Laura Miller zeigen, die sich zum ersten Mal aus der Kuppel des Zirkuszelts in ein Wasserbassin fallen lassen. Spektakulär dürfte auch die Motorradnummer „Globe of Speed“ sein. Für die leiseren Töne sorgt neben zwei Kollegen wieder der Clown Housch ma Housch, der nach sieben Jahren am Pariser Lido in die Manege zurückkehrt. Insgesamt werden bis zum 6. Januar mehr als 150 Mitwirkende auf dem Wasen sein. Die aktuelle sei die teuerste Produktion der vergangenen 26 Jahre, so van der Meijden. Die Kosten beziffert der Holländer auf 3,5 bis vier Millionen Euro. „Im Zirkus heißt es, man muss das Geld zum Fenster hinauswerfen, damit es zur Tür wieder hereinkommt.“

Offenbar scheint die Rechnung aufzugehen. Das zirkusbegeisterte Stuttgarter Publikum bleibt dem Weltweihnachtscircus treu. Der lokale Veranstalter Hans-Peter Haag ist mit dem Vorverkauf zufrieden. Rund 50 000 Tickets seien bereits verkauft worden. Die Premiere am 6. Dezember ist traditionell eine Benefizvorstellung; der Ertrag geht wie seit Jahren schon an die Olgäle-Stiftung. Insgesamt wird es knapp 60 Vorstellungen geben. Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen, im Internet unter www.weltweihnachtscircus.de oder am Zirkustelefon unter 07 11 / 6 74 47 70. Außerdem öffnet am 17. November die Zirkuskasse auf dem Wasen.

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