Der Weltweihnachtscircus bangt, ob das 27. Gastspiel im neuen, viel größeren Zelt möglich wird. Die Artisten reisen an – ins Ungewisse. Für Zirkuschef Henk van der Meijden steht die Sicherheit an erster Stelle, weshalb er besonders viel dafür investiert.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Zur Tour-Show der RTL-Sendung „Let’s Dance“ werden an diesem Freitag 7500 Besucherinnen und Besucher in der Schleyerhalle erwartet. Die Veranstalter haben das Personal verdreifacht, um die 2-G-Regel bei mehreren Kontrollstellen gewissenhaft überprüfen zu können. Ob wenige Hundert Meter weiter im Zirkuszelt, das mit acht statt wie sonst üblich mit sechs Masten auf dem Cannstatter Wasen bereits fertig aufgebaut ist, am 9. Dezember die Premiere gefeiert werden kann, kann Veranstalter Henk van der Meijden noch nicht sagen.

Zahlreiche Stühle und Bänke sollen frei bleiben, damit Abstand möglich ist

„Stand jetzt ist, dass wir unter 2 G spielen dürfen“, erklärt der Chef des hochgelobten Weltweihnachtscircus gegenüber unserer Zeitung. Doch der Holländer rechnet wohl mit allem. Bisher hat ihm das Sozialministerium keine Änderung des Genehmigten mitgeteilt. Weil van der Meijden grünes Licht vom Land bekam, hat er vor zwei Wochen damit begonnen, das neue Zelt aufbauen und Werbeplakate quer durch die Stadt aufhängen zu lassen. Kaum ist alles fertig, wird angesichts der steigenden Inzidenzen nun über eine Begrenzung der Zuschauerzahlen bei Großveranstaltungen diskutiert. Der 84-jährige Zirkusdirektor will in seinem für Stuttgart besorgten XXL-Zelt, das über 3300 Plätzen (sonst sind es 2400) verfügt, zahlreiche Stühle und Bänke frei lassen, damit sich seine Gäste mit Abstand sicher fühlen. Doch die Produktion mit 85 Artistinnen und Artisten, die zu den Besten der Welt gehören, sei sehr teuer, sagt er, so dass er eine gewisse Auslastung brauche, um nicht gewaltig drauflegen zu müssen.

„Die Abstimmung läuft unter Hochdruck“, erklärt das Sozialministerium

Bisher hat van der Meijden die Premiereneinladungen nicht verschickt und wartet ab, was vom Land kommt. „Die Abstimmung läuft unter Hochdruck“, erklärt Claudia Krüger, Sprecherin des Sozialministeriums. Bisher sei nicht entschieden, wie viele Menschen eine Großveranstaltung künftig besuchen dürfen. Klar dagegen ist, dass man bei bestimmter Hospitalisierungsinzidenz von Mittwoch an nur noch mit 2 G plus in Bars, Clubs sowie auf Weihnachtsmärkte kommt. Geimpfte und Genesene müssten sich zusätzlich testen lassen.

Damit sich das Gastspiel rechnet, sind laut van der Meijden bis zum 9. Januar etwa 100 000 Zuschauerinnen und Zuschauer notwendig. Dies war vor Corona kein Problem. Die Nachfrage war so gewaltig, dass mitunter sogar drei Vorstellungen pro Tag gegeben wurden. Doch nun wächst die Ungewissheit, was den Vorverkauf bremst. Etwa 33 000 Karten seien bislang verkauft. „In dieser harten Zeit sollte endlich das Lachen triumphieren“, findet Henk van der Meijden, der deshalb gern spielen würde. Doch der Schutz der Gesundheit sei am wichtigsten, unterstreicht der 84-Jährige. Nur dann will er die Vorstellungen starten, wenn Experten ihm grünes Licht für welche Hygienebedingungen auch immer geben.

In Dresden und Offenburg ist der Weihnachtscircus abgesagt

In Dresden haben die Veranstalter ihren Weihnachtscircus, der Mitte Dezember sein 25-Jahr-Jubiläum feiern wollte, am Montag abgesagt. In Sachsen sind die Inzidenzen noch viel höher als in Stuttgart. Auch der Offenburger Weihnachtscircus, den der Zirkusbetrieb Charles Knie organisiert, fällt in der Saison 2021/2022 wie schon im Vorjahr aus – aber nicht etwa, weil die Behörden dies verlangen. Das finanzielle Risiko sei einfach zu groß, erklärten die Veranstalter.

Henk van der Meijden wird dieser Tage nach Stuttgart reisen – ins Ungewisse. „Das neue Zelt ist wunderschön“, sagt er, „auch der Bereich für die Gastronomie ist deutlich vergrößert.“ Jetzt hofft er auf rasche Informationen aus dem Sozialministerium des Landes – so oder so. Der Kampf gegen Corona müsse immer an erster Stelle stehen.