Weltweihnachtscircus Vertrauen ist gut, Präzision ist besser

Patrick Brumbach, der Herr der fliegenden Messer im Weltweihnachtscircus. Foto:  
Patrick Brumbach, der Herr der fliegenden Messer im Weltweihnachtscircus. Foto:  

Patrick Brumbach gilt als schnellster Messerwerfer der Welt. Nun will er noch einen neuen Rekord aufstellen. Im Weltweihnachtscircus auf dem Wasen arbeitet er an einer Nummer mit 64 Messern gleichzeitig.

Lokales: Matthias Ring (mri)
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Stuttgart - Was macht ein Messerwerfer, wenn er nicht in der Manege steht? Er wirft mit Messern. Patrick Brumbach macht das seit Wochen zwei, drei Stunden am Tag hinter den Kulissen des Weltweihnachtscircus und hat schon Blasen an den Händen. Das ist mehr, als der 35-Jährige gewöhnlich trainiert, aber Brumbach hat auch etwas Besonderes vor: Er will einen neuen Weltrekord aufstellen. Der Ruf als schnellster Messerwerfer der Welt eilt ihm ohnehin schon voraus, denn vier Einträge im Guinessbuch der Rekorde hat er bereits zu verzeichnen. In der Nachmittagsvorstellung an diesem Dienstag soll der fünfte Rekord folgen. Dann will Brumbach mehr als 64 Messer in der Minute mit beiden Händen rückwärts werfen.

Brumbach gibt sein Wissen in der Grundschule weiter

Was aber macht ein Messerwerfer, wenn er nicht mit einem großen Zirkus unterwegs ist? Er geht in die Schule. Seit zwei Jahren zieht er mit seinem Projekt Circus Lollipop von Grundschule zu Grundschule und bringt den Kindern mit einem Team von Artisten etwas bei. Messerwerfen steht allerdings nicht auf dem Unterrichtsplan, aber die Grundschüler können in der Projektwoche wählen, ob sie sich lieber als Akrobat, Jongleur oder Zauberer versuchen wollen. Zum Abschluss gibt es eine richtig inszenierte Aufführung. „Das ist für die Kinder ein Erfolgserlebnis, das sie fürs Leben mitnehmen“, sagt Brumbach. Was bei diesem Projekt gestärkt werde, seien Selbstbewusstsein, Motorik und Durchhaltevermögen. „Wir legen das Training bewusst so an, dass die Kinder zwar erst an ihre Grenzen kommen, sie aber ihre Kunststücke dann doch schaffen, wenn sie nur dranbleiben.“

Die Rückmeldungen nach den Aufführungen seien überaus positiv – sowohl von den Eltern, die berichteten, dass die Videoaufnahme von der Schulvorstellung immer und immer wieder gezeigt werde, als auch von Lehrern und Schulleitung, die sagten, dass die Kinder nach ihrem Erfolgserlebnis konzentrierter am regulären Unterricht teilnähmen. Patrick Brumbachs Erkenntnis: „Kinder sind imstande, Großes zu leisten, wenn man ihnen das auch zutraut.“

Zirkuskinder werden per Skype unterrichtet

Die eigene Schulkarriere ist eher untypisch verlaufen, denn Brumbach ist ein Zirkuskind – in sechster Generation. Den Hauptschulabschluss hat er mehr oder weniger im Zirkus geschafft. Ein Zirkuslehrer habe die Kinder in verschiedenen Sprachen unterrichtet. „Heutzutage gibt es eine richtige Zirkusschule“, sagt Brumbach. Ab dem vierten Schuljahr werde auch mittels Skype gelehrt und gelernt. Im Alter von acht Jahren habe er mit dem Messerwerfen angefangen. Als er zwölf war, habe ihn sein Vater gefragt, ob er diesen Weg wirklich weiter verfolgen wolle. Aber da war für Brumbach schon längst klar, dass der Zirkus sein Leben ist. „Die meisten Kinder, die im Zirkus aufwachsen, bleiben auch im Zirkus.“

Und so hat Patrick Brumbach schon in jungen Jahren die ganze Welt gesehen und davon profitiert, dass seine Eltern sich auch immer für die Kulturen interessiert haben, ob nun die Chinesische Mauer oder Pagoden in Südkorea besichtigt wurden. Engagements führten die Brumbachs auch nach Dubai und Las Vegas, die meiste Zeit aber war der Junior in Europa. Und selbst mit seinem Schulprojekt, mit dem er hauptsächlich im Ruhrgebiet unterwegs ist, hat es Patrick Brumbach mit seinem Wohnwagen dieses Jahr auf immerhin 90 000 Kilometer gebracht.

Die ganze Familie reist mit dem Zirkus

Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern: Seine Frau Ramona ist auch seine Partnerin in der Manege. Der 22-jährige Stiefsohn Henry wirbelt in der Show als Feuerspucker um ihn herum, der neunjährige Diego übt auch schon am Messerbrett. Selbst die Eltern, die mit ihren 77 und 67 Jahren eigentlich im Ruhestand sind und in Holzheim im Landkreis Neu-Ulm leben – auch der Sohn hat dort ein Haus gebaut, das er aber nur ein, zwei Monate im Jahr bewohnt – schauen immer noch nach dem Rechten und steuern Requisiten für die Shows bei. Patrick Brumbachs Schwester ist mit einer Kraftnummer unterwegs. Sie stand früher ebenso wie seine Mutter bei ihm am Brett und ließ sich mit Messern bewerfen.

„Vertrauen“, sagt Brumbach, sei das Wichtigste, „das darf man nicht aufs Spiel setzen“. Auch nicht bei Prominenten wie Simone Thomalla, Annette Frier, Sky du Mont oder Steven Seagal, die ihm als Assistenten dienten. Die Kapuzennummer, bei der er nicht sieht, wohin er wirft, mache er mit ihnen zwar nicht, sehrwohl aber die, bei der sich das Brett um die eigene Achse dreht. Passiert sei noch nie etwas, und einen krankheitsbedingten Ausfall habe es auch nicht gegeben. Selbst mit einem Bänderriss habe Brumbach seinen Job gemacht. Notfalls könne er regulieren, vor allem beim Sicherheitsabstand. Aber jetzt geht es mit dem neuen Rekord wieder einmal aufs Ganze. Schließlich muss sein Ruf als schnellster Messerwerfer der Welt weitergetragen werden.

Weltweihnachtscircus
Der Weltrekordversuch findet nur in der Show an diesem Dienstag um 15.30 Uhr statt. Der Zirkus gastiert bis zum 10. Januar 2016 auf dem Wasen.




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