Weltweiter Organhandel Die Blutwäsche verhindert, dass der Körper vergiftet wird

Von Willi Germund 

Nierenversagen bedeutet, dass fast kein Urin mehr ausgeschieden wird. Jeder Tropfen muss deshalb auf andere Weise aus dem Körper geholt werden. Bei der drei bis vier Stunden dauernden Blutwäsche verliert der Körper zwei bis vier Kilogramm Körperflüssigkeit – eine schwere, häufig von heftigen Kopfschmerzen begleitete Belastung des Kreislaufs. Außerdem sammelt sich die Flüssigkeit in Füßen und Beinen und beschädigt die Nerven.

Wir haben über diesen Beitrag diskutiert. Und wir möchten mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen - im StZ-Redaktionsblog.

Die Blutwäsche verhindert, dass der Körper vergiftet wird. Doch die Dialyse zerstört in minimalen, aber kontinuierlichen Schritten den Körper. Je mehr Dialysesitzungen ein Nierenkranker absolviert, umso spürbarer werden die gesundheitlichen Nebenwirkungen. Es gibt viele, die dank der Blutwäsche jahrzehntelang überleben, aber auch viele, die sterben, weil sie zu lange auf eine Niere warten mussten. Sie stehen zwar auf der Liste von Eurotransplant, einer Koordinierungsstelle für Transplantationen in acht europäischen Ländern, aber die gespendeten Organe reichen einfach nicht aus – und die Skandale um Manipulationen bei der Organvergabe machen die Lage noch schlimmer. Um an dieser Nierenlotterie mit ungewissem Ausgang bei Eurotransplant teilzunehmen, hätte ich nach Deutschland ziehen und meinen Beruf als Auslandskorrespondent an den Nagel hängen müssen.

Noch zwei Jahre, bis die Nieren ganz versagen

Als der Arzt mir eröffnete, dass meine Nieren innerhalb von zwei Jahren ihren Dienst aufgeben würden, beschloss ich, mich auf dem internationalen Markt nach einem Organ umzusehen. Ich kenne die vielen moralischen und rechtlichen Einwände, die gegen den kommerziellen Transplantationsmarkt erhoben werden. Ich habe sie lange selbst geteilt. Während meiner Krankheit stellte ich fest, in welch atemberaubendem Tempo diese Vorbehalte an Bedeutung verloren. Ich bewundere jeden Patienten, der über die Stärke verfügt, mit seinem Namen auf einer Liste jahrelang geduldig zu warten und die Hoffnung zu bewahren. Im Schnitt dauert das in Europa fünf bis sieben Jahre. Ich hätte wahrscheinlich nicht genug Kraft besessen, um diese Ungewissheit zu ertragen.

Die Begegnung mit Raymond brachte den verzweifelt ersehnten Durchbruch. „Alles o. k.“, meldete sich mein Vermittler nach meiner Rückkehr nach Bangkok, „Raymond passt.“ Ich, der vergleichsweise betuchte Europäer, würde einem jungen Afrikaner Geld für eine seiner gesunden Nieren zahlen. Ich kaufe mir auf dem florierenden, aber weltweit geächteten und von vielen als verwerflich betrachteten Organmarkt eine neue Zukunft.