Weltwirtschaft in Konfusion Nicht nur Donald Trump bedroht unseren Wohlstand

Mit seiner konfusen Zollpolitik attackiert Donald Trump den Freihandel – und trifft damit auch die Deutschen ins Mark. Foto: AP/Mark Schiefelbein

US-Präsident Donald Trump macht mit seiner konfusen Politik auch die Deutschen ärmer. Doch es gibt noch weitere gewichtige Faktoren, dass unser Wohlstandsmodell an seine Grenzen stößt, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Es ist leicht nachvollziehbar, dass die US-Bürger derzeit auf die Barrikaden gehen. Wenn ihr Präsident Donald Trump weiterhin Chaos bei den Zöllen verbreitet, dürfte er die amerikanische Wirtschaft in die Rezession steuern, den Dollar massiv schwächen, die Inflation drastisch in die Höhe treiben und die Altersvorsorge auf breiter Front unterminieren. Hierzulande darf sich niemand gelassen zurücklehnen: Auch die Deutschen werden in Mitleidenschaft gezogen.

 

Ein globaler Zollkrieg kennt nur Verlierer. Speziell die ausfuhrorientierten heimischen Unternehmen werden zu leiden haben. Ein Beispiel: Die USA sind mit Abstand der größte Exportmarkt für die deutsche Metall- und Elektroindustrie. Mehr als 300 000 Arbeitsplätze hängen direkt davon ab. Sofern ihre Arbeitsplätze nicht direkt gefährdet sind, werden die Beschäftigten den Angriff auf den globalen Freihandel früher oder später sicherlich zu spüren bekommen.

Wer muss für die Milliardenschulden aufkommen?

Nun mag Trumps Verhalten oftmals wirr und egoistisch erscheinen: Er ist aber nicht allein dafür verantwortlich, dass sich die Deutschen auf härtere Zeiten einstellen sollten. Gefahren für den Wohlstand lauern in vielfacher Hinsicht. Insbesondere treibt Putins Krieg in der Ukraine mit einer anhaltenden Bedrohung auch unserer Sicherheit die Verteidigungsausgaben ist nie gekannte Höhen. Für die Aufrüstung muss letztlich der Steuerzahler aufkommen. Ähnliches gilt für das Sondervermögen zur Modernisierung der Infrastruktur: Das Bemühen, den nachfolgenden Generationen keine heruntergewirtschaftete Republik zu hinterlassen, ist zwar löblich. Doch das Abtragen der Schuldenberge wird die Deutschen noch auf Jahrzehnte beschäftigen. Sparen lautet die Devise – allein über wirtschaftliches Wachstum lässt sich das Geld nicht erwirtschaften.

Hinzu kommt das demografische Desaster: Weil die Bevölkerung altert, wächst die Fachkräftelücke, die allein schon Wohlstand kostet. Und immer weniger Sozialbeitragszahler kommen für immer mehr Leistungsempfänger auf. Schwarz-Rot versucht die Herausforderung stetig steigender Kosten bei Pflege und Rente auf die lange Bank zu schieben, doch lassen sich zentrale Probleme nicht verdrängen. Das wird noch richtig teuer.

Die Zahl der Verlierer in Grenzen halten

Wohlhabende vermehren ihren Reichtum in guten wie schlechten Tagen. Die Allgemeinheit muss sich damit abfinden, dass das Wohlstandsmodell an seine Grenzen gestoßen ist. Um die Zahl der Verlierer in Grenzen zu halten, muss die Politik gegensteuern. Es ist völlig offen, was der neuen Regierung unter widrigsten Bedingungen möglich ist. Die Absenkung der Steuerlast für geringe und mittlere Einkommen ist von der Koalition vereinbart, wird aber unter Finanzierungsvorbehalt gestellt. Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 15 Euro könnte Geringverdienern helfen, aber auch Jobs kosten.

Die Geldanlagen möglichst breit streuen?

Was kann der Einzelne tun, um das Ersparte abzusichern? Aktien- oder Fondsinhaber müssen vor allem Geduld aufbringen – Unsicherheit an der Börse ist das neue Normal. Derzeit raten Experten, die Geldanlagen möglichst breit zu streuen – als ob die Bevölkerung aus lauter Finanzfachleuten bestünde, die ihr Vermögen permanent hin und herschieben können, um die Rendite zu optimieren. Tatsächlich dürften viele Kleinanleger den Risiken kaum entgehen. Der Börsenkonfusion und dem Niedergang der Zinsen können sie weitgehend nur zuschauen.

Donald Trump markiert auch hierzulande das Ende einer goldenen Ära. Generell gilt da eher das Prinzip Hoffnung: Dass wenigstens die Bundesregierung wieder mehr Zuversicht verbreiten kann, dass sich die Wirtschaft erholt und investiert, dass ein neuer Aufschwung möglich wird. Dann lassen sich zumindest tiefere Einschnitte vermeiden.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Donald Trump Kommentar